Diese rororo-Monographie ueber den Wiener Kreis, der sich zwischen den Weltkriegen formierte, um aufklaererisch den logischen Empirismus und den Neopositivismus voranzutreiben, schrieb an gegen eine Zeit, in der rueckwaertsgerichtete Kraefte und Mythologisierung die politische Oberhand gewannen.
Dennoch steht der Wiener Kreis zeitlos da und seine Philosophie kann uns heute noch genauso relevant sein, in einer Zeit, in der wir wieder diskutieren: Ist eine wissenschaftliche Weltsicht vollstaendig? Ist es die einzig moegliche Sicht? Was koennen wir wissen?
Da ist der wuetende Neurath, der alle Methaphysik beseitigen muss, fuer den auch kein Fundament fuer einen Wahrheitsbezug mehr existiert, fuer den die aktuelle wissenschaftliche Wahrheit resultiert aus einer Verabredung ueber veraenderliche Protokollsaetze.
Dann ist da Moritz Schlick, der nach einer Wahrheit sucht, der sie in der Verifikation physikalischer Saetze durch Experimente findet. Dann Carnap, der sich nur schwer vom Solipsismus losreissen kann. Und Wittgenstein, Popper und viele andere, Goedel, Einstein... sie scharen sich mehr oder weniger involviert um den Wiener Kreis, der schliesslich 1933 von den Nationalsozialisten wegen sozialistischer Umtriebe verboten wird.
Diese rororo-Monographie fasst die historische und inhaltliche Entwickling des Kreises in der erwaerteten Kuerze und Praezision mit schoenen Fotos zusammen. Ein sehr guter Einsteig und guter Ueberblick ueber die Zeit und die Menschen, die den Wiener Kreis ausmachten - ein Kreis, der Ueberpruefbarkeit forderte, wo bislang philosophischer Idealismus herrschte, der metaphysische Saetze als "unklar" in die Ecke der unnoetigen Probleme verwies. Der fuer jeden Satz Ueberpruefbarkeit, Objektivitaet, Empirie forderte. Ein Kreis aber auch, der den Positivismus ueberwand: waehrend jener naemlich ausschliesslich egoistisch sinnhafte Eindruecke als Basis fuer einen Wahrheitsbezug zuliess, findet der Wiener Kreis einen Weg zurueck in die Sprache: Ein Satz ist dann sinnvoll, wenn sich eine Methode angeben laesst, mit der man ihn prinzipiell verifizieren koennte.
Dieses Buch bietet einen guten Einstieg in diese Problematiken, sowie ein gutes Literaturverzeichnis. Lesenswert.