Rezension
"Stahlhammer". Klingt phonetisch ebenso doof wie "Rammstein". Die Qualität doofklingender Wörter ergibt sich zumeist aus ihrer Profanität heraus, und jeder Mensch sonstwo auf der Welt wird ungefähr wissen, was er sich unter "Stahlhammer" vorzustellen hat. Den Wienern STAHLHAMMER würde diese Vorstellung vermutlich nicht ganz gerecht werden. "Wiener Blut" ist eine tragische Komödie: Allerhand Banales fällt im Gewande verfremdeter Coverversionen ("Can't Touch This", "Boom Boom Shake The Room") und textlichen Schwachsinns (DÖF-Zitate) auf das konzeptionelle Nagelbrett des ruchbaren Metals nach HaudraufundSchluß-Manier. Es darf gelacht werden, etwa über die Interpretation des STRAUSSschen "Wiener Walzers", die immerhin in Zusammenarbeit mit der Wiener Staatsoper generiert wurde. Es darf geweint werden, etwa über die Textarbeit des Herren Stocker, die sich zwischen Emotionalität und vermeintlich politischen Thematiken nicht zu entscheiden vermag. Je nachdem, welcher Ton angeschlagen wird, erreicht das Schema bestenfalls RÖDELHEIMer Niveau. Die Songstrukturen auf "Wiener Blut" sind einigermaßen komplex, die Arrangements scheinbar wahllos ineinander verwoben, so daß ein beträchtliches Blendwerk vorliegt, das streckenweise zunächst durchaus zu gefallen weiß, nach Aufschlüsselung der stählernen Kruste allerdings wie die Asche des Phönix einfällt. Und es bedarf keines Stahlhammers, um diese zusammenzukloppen.
Henning Poppe / © Intro - Musik & so
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