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Wiener Blut
 
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Wiener Blut [Gebundene Ausgabe]

Adrian Mathews
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Wenn er sich doch nur erinnern könnte. Sharkey, Kolumnist der Wiener Tageszeitung, hat keine Ahnung, was ihm Leo Detmer vor einigen Monaten anvertraut haben soll. Doch Petra, Leos Frau, lässt nicht locker, sie ist überzeugt, dass Leos Tod kein Autounfall war. Und sie glaubt zu wissen, dass Sharkey den Grund für den Mord kennt. Sie bittet ihn um Hilfe und schon bald hängen beide tiefer im Schlamassel als ihnen lieb ist. Leo, der seine Computerfähigkeiten einsetzte, um seinen Lebensunterhalt -- nicht ganz legal -- zu bestreiten, hat mit privaten Nachforschungen bei einer Reproduktionsklinik in ein Wespennest gestochen, dass nicht nur sein, sondern auch viele andere Leben kosten wird.

Wiener Blut, ein SF-Krimi, der in der österreichischen Hauptstadt anno 2026 spielt, ist mehr als nur spannend erzählt. Mit konsequent weitergedachter Technologie lässt Adrian Mathews ein Europa entstehen, das frei zu sein scheint von Emotionen und Moral. Auch wer sich noch nie für Biotech-Thriller erwärmen konnte, wird hier ein neues Faible für ein Genre entdecken, in dem leider viel zu selten Literatur von dieser Qualität erscheint. Adrian Mathews lässt es sich nicht nehmen, seine Charaktere so detailliert zu zeichnen, dass der Leser sie schon mit Zuklappen dieses Romans zu vermissen beginnt. Intellektuelle Anforderung an den Leser: Sharkey lässt seinen philosophischen Ansichten von Zeit zu Zeit freien Lauf und nötigt den Leser, sich Gedanken zu machen, ob er in einem Land wie Mathews es entwirft, leben möchte. To make a long review short: Unbedingt lesen! --Anna Rupaski

Kurzbeschreibung

Wien 2026: Sharkey, ein Journalist Anfang Dreißig, verbringt zufällig einen Abend mit Leo, einem gleichaltrigen Computerfreak. Drei Monate später ist Leo tot, und seine Witwe Petra, zu der Sharkey sich hingezogen fühlt, bittet ihn, die Umstände dieses Todes zu untersuchen. Erste Nachforschungen führen ihn in die Hacker-Szene und weiter in die Abgründe der Fruchtbarkeitsmedizin. Sharkey kommt einer Verschwörung auf die Spur, die die Frage nach seiner eigenen Identität und dem Menschenbild der Zukunft grausam beantwortet.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Letzte Woche kriegten wir bei der Wiener Tageszeitung die Meldung rein, und der Leitende Redakteur hat sie auf Seite vier vergraben. Sogar im E-Mail-Bulletin der Polizei hab ich seinen Namen gesehen. Aber erst, als seine Frau hier bei der Wiener Tageszeitung anrief und nach mir, Sharkey, fragte, hat es bei mir geklickt. Sie will mich sehen, sie will reden. Armer Detmers, sage ich, als ich den Hörer auflege. Ein Tiefdruckgebiet kriecht von der dunklen Alpenfront quer durchs Donaubecken auf die Pußta zu. Es ist der 28. November 2026, ein lausig kalter Morgen, und als ich die Redaktion verlasse, fängt es an zu schneien. Pulverschnee - wie im Themenpark. Die Leute kommen raus und staunen. Seit sieben Jahren hat es nicht mehr geschneit. Wir dachten schon, die globale Erwärmung hat die Schneeflocke ins Geschichtsbuch verbannt, aber dieser meteorologische Rückschlag ist eher beängstigend als erfreulich. Wieder so eine unberechenbare Laune der Natur - periodische Rückfälle, eine perverse Tücke der Klimakatastrophe. Mein Auto ist kaputt, also warte ich auf die Straßenbahn, sehe das gelbe Auge ihres Scheinwerfers aus dem trüben Dunst auftauchen. Ich steige ein und setze mich. Schon sind die Jugendstilfassaden der Ringstraße von Puderzucker überstäubt. Die 2er-Bahn surrt und rattert am Kunsthistorischen Museum vorbei, an der Oper, am Stadtpark. Der Fahrer hat den Ledervorhang zugezogen, aber gegen die Kälte hilft das kaum. Wien, die alte Schlampe, macht ächzend die Beine breit und gibt sich der Winterkälte hin. Detmers ... Ich fröstele, mache die Augen zu und schlage den Kragen des Parka hoch, schotte mich radikal gegen die Umgebung ab wie der Mann vor mir mit seiner VR-Brille. Ich versetze mich drei Monate zurück, in den Flughafen Schwechat, wo ich Detmers getroffen habe. Ich saß im Terminal West, als die Durchsage kam. Eine samtig-erotische Stimme, die mühelos den Lärm übertönte: "Mr. Kaposi von Mars, bitte zum Infoschalter." Detmers saß im Schalensitz neben mir, sah mich stutzen und stotterte leutselig grinsend: "Die K-konfektfirma, nicht der P-planet."Irgendwie kam er mir bekannt vor, ohne daß ich genau sagen konnte, woher. Vermutlich ein Allerweltstyp, Dutzendware wie aus dem Supermarkt. Jünger als ich, Mitte zwanzig vielleicht, klein und dick, als Gepäckstück hätte er Übergewicht gekostet. Diese menschliche Fettkugel trug ein kragenloses javanisches Batikhemd und Kunstfaserhosen. In der Hemdtasche steckte ein Networker der C-Klasse, das neueste Modell mit Mikroreaktor. Auf dem Nachbarsitz lag seine leichte Sommerjacke, im Knopfloch eine müde Nelke. Seine Glatze war schon weit fortgeschritten, aber der hormonelle Kahlschlag auf dem Kopf wurde wettgemacht durch kräftig behaarte Arme und buschige Augenbrauen, die sich wie Hanfseile über seine unschuldig blassen Babyaugen wölbten. Kurz, ein harmlos-jovialer Typ, der an die Engelchen auf den Etiketten des Grünen Veltliners erinnerte ..."

Auszug aus Wiener Blut. von Adrian Mathews. Copyright © 2000. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Letzte Woche kriegten wir bei der Wiener Tageszeitung die Meldung rein, und der Leitende Redakteur hat sie auf Seite vier vergraben. Sogar im E-Mail-Bulletin der Polizei hab ich seinen Namen gesehen. Aber erst, als seine Frau hier bei der Wiener Tageszeitung anrief und nach mir, Sharkey, fragte, hat es bei mir geklickt. Sie will mich sehen, sie will reden. Armer Detmers, sage ich, als ich den Hörer auflege. Ein Tiefdruckgebiet kriecht von der dunklen Alpenfront quer durchs Donaubecken auf die Pußta zu. Es ist der 28. November 2026, ein lausig kalter Morgen, und als ich die Redaktion verlasse, fängt es an zu schneien. Pulverschnee - wie imThemenpark. Die Leute kommen raus und staunen. Seit sieben Jahren hat es nicht mehr geschneit. Wir dachten schon, die globale Erwärmung hat die Schneeflocke ins Geschichtsbuch verbannt, aber dieser meteorologische Rückschlag ist eher beängstigend als erfreulich. Wieder so eine unberechenbare Laune der Natur - periodische Rückfälle, eine perverse Tücke der Klimakatastrophe. Mein Auto ist kaputt, also warte ich auf die Straßenbahn, sehe das gelbe Auge ihres Scheinwerfers aus dem trüben Dunst auftauchen. Ich steige ein und setze mich. Schon sind die Jugendstilfassaden der Ringstraße von Puderzucker überstäubt. Die 2er-Bahn surrt und rattert am Kunsthistorischen Museum vorbei, an der Oper, am Stadtpark. Der Fahrer hat den Ledervorhang zugezogen, aber gegen die Kälte hilft das kaum. Wien, die alte Schlampe, macht ächzend die Beine breit und gibt sich der Winterkälte hin. Detmers ... Ich fröstele, mache die Augen zu und schlage den Kragen des Parka hoch, schotte mich radikal gegen die Umgebung ab wie der Mann vor mir mit seiner VR-Brille. Ich versetze mich drei Monate zurück, in den Flughafen Schwechat, wo ich Detmers getroffen habe. Ich saß im Terminal West, als die Durchsage kam. Eine samtig-erotische Stimme, die mühelos den Lärm übertönte: "Mr. Kaposi von Mars, bitte zum Infoschalter." Detmers saß im Schalensitz neben mir, sah mich stutzen und stotterte leutselig grinsend: "Die K-konfektfirma, nicht der P-planet." Irgendwie kam er mir bekannt vor, ohne daß ich genau sagen konnte, woher. Vermutlich ein Allerweltstyp, Dutzendware wie aus dem Supermarkt. Jünger als ich, Mitte zwanzig vielleicht, klein und dick, als Gepäckstück hätte er Übergewicht gekostet. Diese menschliche Fettkugel trug ein kragenloses javanisches Batikhemd und Kunstfaserhosen. In der Hemdtasche steckte ein Networker der C-Klasse, das neueste Modell mit Mikroreaktor. Auf dem Nachbarsitz lag seine leichte Sommerjacke, im Knopfloch eine müde Nelke. Seine Glatze war schon weit fortgeschritten, aber der hormonelle Kahlschlag auf dem Kopf wurde wettgemacht durch kräftig behaarte Arme und buschige Augenbrauen, die sich wie Hanfseile über seine unschuldig blassen Babyaugen wölbten. Kurz, ein harmlos-jovialer Typ, der an die Engelchen auf den Etiketten des Grünen Veltliners erinnerte. Als wir ins Gespräch kamen, änderte sich allerdings dieser Eindruck. Sein hartnäckiges Stottern, seine Blässe, das nervöse Zucken um Augen und Mund deuteten auf alles andere als ein harmonisches Innenleben hin. Aber egal. Für die paar Minuten vor dem Boarden war mir seine Gesellschaft recht. Auch er flog nach Hamburg zur Jahrestagung der Securicom, Thema Datenschutz. Ich als Berichterstatter für die Zeitung, er aus geschäftlichen Gründen, die er nicht weiter erläuterte. Der Delta-Airbus war ausgebucht, und wir saßen getrennt. Beim Lunch im Konferenzzentrum kam er auf mich zu und lud mich zu einem abendlichen Kneipenbummel ein. Ich sagte zu, wie es Journalisten eben tun - aus Prinzip, aus Neugier. Mein Riecher für ungewöhnliche Stories. Doch diesmal wurde ich enttäuscht. Detmers war ein Melancholiker, ein trübsinniger, larmoyanter Langweiler. Ab und zu stolpert man über solche Leute. Das läßt sich nicht vermeiden. Ich ergab mich in mein Schicksal. Er schleppte mich in einen miesen kambodschanischen Imbiß, dann folgte eine vierstündige Sauforgie im La Paloma, einem verräucherten Bierpalast in St. Pauli. Bruchstücke seines endlosen Monologs fallen mir wieder ein: der Tod seiner Mutter, seine kriselnde Ehe, eine kräftige Überdosis Computergeschwätz. Mir dämmerte, daß ich mich mit einem Cyberpunk eingelassen hatte, einem professionellen Online-Hai. Mit jedem Halbliter Weizenbier wurde er gesprächiger, seine Melancholie wandelte sich in betrunkene Leutseligkeit, bis ihn am Ende des Abends nur noch der kohlensaure Gasdruck in seinen Eingeweiden aufrecht hielt. Ich selbst begann auch schon doppelt zu sehen, als er plötzlich wie ein Stehaufmännchen aufsprang und mit mir ins Puff wollte. Ich lehnte dankend ab, und wir trennten uns, nachdem wir Visitenkarten getauscht und er mir überschwenglich stotternd das Du angeboten hatte. Seine Hanfbrauen sträubten sich ein letztes Mal über den unschuldig-blassen Babyaugen, als er die Kneipe verließ. Durch die Butzenscheiben sah ich ihn draußen vorbeitreiben wie einen Ozeandampfer auf großer Fahrt. Er winkte fahrig nach einem Taxi, zwängte sich hinein und brauste davon, Gott weiß wohin. Die gute Fee der Betrunkenen wird ihn schon sicher in sein Hotelbett geleiten, hoffte ich, aber war ungeheuer erleichtert, daß er weg war. Und nun hat er sich wirklich verdrückt. Endgültig.
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