"Wien wartet auf Dich!" ist die etwas unglückliche Übersetzung des englischen Management-Bestsellers "Peopleware". Der englische Titel trifft den Kern des Buches nämlich weitaus besser und legt bereits eines der wichtigsten Geheimnisse offen: Bei Projekten geht es meist nicht um Technologie, sondern um Menschen! Mit dieser These haben es die Autoren DeMarco und Lister in den Management-Olymp geschafft: Wohl kaum ein anderes Buch wird bei Diskussionen über die Führungskultur so oft zitiert, wie dieses.
Auch wenn die erste Auflage bereits 1991 erschienen ist, hat sich an der Aktualität dieser Thematik nichts geändert. Wer schon ein paar Softwareprojekte hinter sich hat, weiß höchstwahrscheinlich, dass gute Mitarbeiterführung auch heute keineswegs selbstverständlich ist. Viele Manager scheinen die gute Leistung aus ihrem Team förmlich herauszuprügeln wollen. Mit strenger Hand und ohne Rücksicht auf die Individualität der Teammitglieder erwarten sie, dass die Mitarbeiter einfach funktionieren - und zwar wie Maschinen. Länger und härter arbeiten, das scheint für viele von ihnen die Lösung für unhaltbare Terminpläne zu sein. Und Freizeit oder Zeit für Familie muss diesen Zielen dann eben hin und wieder geopfert werden. Für einen kurzen Zeitraum mag das auch funktionieren, doch auf lange Sicht bewirkt man das genaue Gegenteil: Die Motivation der Mitarbeiter rutscht ab, die Kreativität und Qualität der Arbeit leidet und vom eingeschworenen Team ist bald nichts mehr zu sehen. Im schlimmsten Fall beginnen die Mitarbeiter damit, sich langsam nach neuen Arbeitsplätzen umzusehen.
Doch mit dieser Feststellung fängt das Buch erst an. DeMarco und Lister geben im Verlauf der über 30 Kapitel zahlreiche unschätzbare Weisheiten sowie Tipps und Tricks preis. Sie erklären, wie ein perfektes Arbeitsumfeld auszusehen hat, welche Arbeitsorganisation zu höherer Produktivität führt und zeigen, wie gute Mitarbeiter ausgewählt werden und wie man diese auch hält und die Fluktuationsraten vermindert. Äußerst interessant sind auch die Kapitel zur Teambildung, die die Frage klären, wie gute Teams zusammengestellt werden - eingeschworene Teams, die stärker sind, als die Summe der einzelnen Teammitglieder. Und zu guter Letzt zeigen die Autoren, dass Arbeit nicht nur Spaß machen kann, sondern auch sollte und wie dieses Ziel erreicht werden kann.
Wie alle Bücher von DeMarco und Lister glänzt auch das vorliegende durch einen lockeren und eingängigen Schreibstil und tolle Anekdoten, sodass man es mit Freude in wenigen Stunden verschlingt. Zur Zielgruppe gehören alle, die irgendwie in ein Softwareentwicklungsteam eingebunden sind, egal ob als Manager, Projektleiter, Programmierer, Architekt oder Ähnliches. Allerdings werden aufgrund der Universalität der Ratschläge auch Projekte außerhalb der Softwarebranche von diesem Buch mehr als profitieren können.
Um das Fazit kurz zu machen: Wenn Ihnen dieses Buch noch fehlt, ist ihre Management-Sammlung einfach noch nicht perfekt. Absolute Kaufempfehlung!