Auch der vorliegende Band hat mich wieder begeistert. Die Autorin versteht es so brisante Themen die die Ärzte Anfang des 19.Jh. beschäftigten gut verpackt in einem historischen Krimi den Lesern nahe zu bringen. Nicht nur der Kampf der Hebammen um die vielen Frauen die in den Geburtshäusern im Kindbett starben, sondern auch der Kampf um ihren Berufsstand ist in die Geschichte eingewoben. Mit viel Spannung erzählt die Autorin von der Überheblichkeit der Ärzte, die Kraft ihres Medizinstudiums sich in der Lage sehen als Geburtshelfer zu praktizieren und damit den Hebammen ihren Platz an der Seite der gebärenden Frauen streitig machen. Ein anderer Kampf oder eher ein Wettlauf mit dem Tod im Wochenbett ist das Kindbettfieber. Hier die Unerfahrenheit und auch die Machtlosigkeit der Ärzte zu erleben geht dem Leser selbst an die Nerven, insofern, weil wir heute genau wissen wie diese Problematiken gelöst wurden. Nun kommt die Geschichte, in die alles eingewoben ist. Auch sie besteht aus mehreren einzelnen Episoden, zwischen denen oft hin und her gesprungen wird und die am Ende alle zu einem Ganzen werden. Da ist die junge Hebamme Helene Heuser, die in Berlin an der Charité als Hebamme arbeitet und ganz privat, so quasi nebenbei, zur Ärztin ausgebildet wird. Das geht aber nur, weil ihr Vater, der renommierte Professor Clemens Heuser, bereit ist seine Stelle in Marburg aufzugeben um ebenfalls an der Charité zu arbeiten. Desweiteren ist da noch die Schwester Helenes die Schauspielerin Elsa Heuser, ein aufstrebender Stern am Berliner Theaterhimmel, die beste Verbindungen zum Hof König Friedrich Wilhelm III von Preußen hat. Persönlich kennt sie die königliche Familie und spielt am königlichen Hoftheater. Eine ebenfalls eigene Geschichte ist die des großen Unbekannten, der immer öfter jungen Berliner Frauen aus sehr peinlichen Lagen hilft, von Huren bis Damen aus bester Gesellschaft, sie so zu sagen befreit vom "lästigen Übel". Die Frauen wenden sich hilfesuchend an ihn, keine kennt ihn, und sterben oft nachher einen qualvollen Tod. Bald erkennen die Ärzte, diesem Menschen ist schnellstens das Handwerk zu legen.
Frau Cantz versteht es hervorragend die Fülle an Stoff ineinander zu fügen und daraus, vor historischem Hintergrund, eine spannende Geschichte zu schreiben. Am Ende bleibt man trotz aller Unterhaltung grübelnd zurück und ist froh nicht damals gelebt zu haben.