Die Neuverfilmung der Granada-BBC-Fernsehserie von 1981
Brideshead Revisited - Wiedersehen mit Brideshead (7er DVD Box) nach dem Buch von John Mortimer erreicht die Vorlage bei weitem nicht. Von Evelyn Waughs vielschichtigem Roman
Brideshead Revisited. The Sacred and Profane Memories of Captain Charles Ryder. (Penguin Modern Classics) von 1945/1959 überhaupt nicht zu reden, da die Neuverfilmung sehr frei mit der Buchvorlage umgeht, etwa indem sie den Stoff radikal und ohne Verständnis für die inneren Zusammenhänge kürzt und dabei unzusammenhängende Handlungsmotive und Charaktereigenschaften verschiedener Figuren in eine zusammenzieht. Wichtige Nebenfiguren kommen überhaupt nicht bzw. so stark reduziert vor, so daß ihre Funktion für den Fortgang der Geschichte nicht mehr ersichtlich ist. Auch die im Roman und auch noch in der Serie von 1981 angelegte Vielschichtigkeit der Hauptfiguren wird - es ist wohl dem Spielfilmformat geschuldet, das trotzdem auf zwei Stunden überdehnt wurde - nicht einmal im Ansatz erreicht, so daß Charles etwa auf den Emporkömmling und Ehrgeizling reduziert wird, der Brideshead, den Familiensitz der Flytes, besitzen will und dafür alles tut (eine Rolle, die eigentlich eher Rex Mottram, Julias Ehemann, zukäme, der hier merkwürdig blass bleibt).
Dies führt dazu, daß die Hintergründe der Geschichte dem Zuschauer bei aller Opulenz der Bilder häufig verborgen bleiben und sich leider durch den allzu freien Umgang mit der Vorlage auch nicht aus dem Roman erschließen lassen. Was etwa aus Charles am Ende dieser Verfilmung wird, erschließt sich mir nicht. Er konvertiert wohl nicht am Totenbett des alten Lords, was nach der strikten Ablehnung des Katholizismus im Film auch verblüffend wäre, aber was ihn dann in der Rahmenhandlung des Films (glorifizierende Erinnerung an die Brideshead-Zeit während seiner Dienstzeit als Reserveoffizier im Zweiten Weltkrieg) dazu bringt, sich diesen üppigen Erinnerungen hinzugeben, wird nicht ersichtlich. Immerhin löscht er die Flamme in der katholischen Kapelle auf Brideshead, wohin sein Regiment während des Krieges verlegt wird, nicht, aber welche Bedeutung das hat (wenn es denn im Film überhaupt eine hat), erschließt sich mir nicht.
Vielleicht wäre der Film ein guter Kostümschinken geworden, wenn er nicht Castle Howard, den Drehort der Serie und wohl auch eine Vorlage Waughs für das Brideshead des Romans, zur Location genommen hätte und wenn er sich nicht häufig nahezu identischer Einstellungen bedient hätte wie die Serie. Dadurch legt er die Messlatte unnötig hoch und scheitert verdientermaßen.