Ich kann schon mal vorweg sagen, dass mir das Buch größtenteils sehr gut gefallen hat. McFadden ist ein wunderschöner, aber auch trauriger und dramatischer Familienroman gelungen, der mich beim Lesen ziemlich gefesselt hat.
Claire Noble steht kurz davor sich einen Lebenstraum zu verwirklichen, ein Fotografiekurs bei einem bekannten Fotografen. Außerdem ist sie kurz davor ihren Lebensgefährten Rick zu heiraten. Nachdem sie jahrelang nur für andere da war, will sie etwas für sich selbst machen.
Dazu kommt es jedoch nicht. Plötzlich steht ihre Tochter, mit der sie sich wenige Jahre zuvor überworfen hatte, vor der Tür. Die Ereignisse überschlagen sich dann plötzlich, als ihre Tochter (unerwartet) ein Kind bekommt und Claires Vater sich die Hüfte bricht.
Also stellt Claire ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse (nach kurzem Hadern) erneut hintenan und lässt den Fotografiekurs zunächst sausen und kümmert sich um ihre Tochter, die ihre Hilfe nur wiederwillig annimmt und ihre Eltern, die Claire eigentlich nicht zur Last fallen wollen. Als ihr nach einigen Wochen eine neue Chance auf einen Fotokurs am Cape Cod angeboten wird, nimmt sie diese wahr, packt ihre Eltern, ihre Tochter und Enkeltochter ins Auto und reist mit ihnen nach Cape Cod. Dort scheinen alle Familienmitglieder auf wundersamer Weise wieder aufzublühen und zu sich selbst zu finden. Viele Probleme scheinen sich nach und nach wie durch Wunderhand in Wohlgefallen aufzulösen.
Ich finde den Schreibstil der Autorin zwar wunderschön und den Roman auch ziemlich gut gelungen, allerdings habe ich inhaltlich doch Einiges leicht zu kritisieren aber auch einiges ziemlich zu loben. Mir wurde beim Lesen nicht so ganz bewusst, warum Claire überhaupt mit Rick zusammen ist, da die beiden nur wenige Gemeinsamkeiten haben. Rick kam mir insgesamt auch extrem egoistisch und rechthaberisch vor, so dass ich seine Figur in keiner positiven Erinnerung habe und ihn auch teilweise richtig abstoßend fand. Ich habe mich immer wieder gefragt, was Claire an ihm findet. Als sie sich erneut ihrer Familie widmet, macht er ihr klar, dass er zwar sie heiraten möchte, aber nicht ihre Familie. Er schlägt daher vor, die Hochzeit zu verschieben, bis Claire die Probleme mit der Familie geklärt hat. Da Claire mir extrem familienorientiert und auch größtenteils ziemlich selbstbewusst vorkam, ist es für mich verwunderlich, warum sie Rick gewähren lässt und immer nachgibt. Irgendwie ist sie nur ihrer Familie und Rick gegenüber ziemlich nachsichtig, während sie ansonsten ziemlich tough durchs Leben geht.
Ich finde allerdings den inneren Konflikt in dem scheinbar alle Familienmitglieder stecken, ziemlich gut gelungen: Amy, die ohne Vater aufgewachsen ist, und nun plötzlich auch alleinerziehend dasteht (und den Vater ihres Kindes zunächst nicht preisgeben möchte); Joe (der Vater), der schon immer ziemlich streng war, sich allerdings mit alten Geheimnissen rumschlägt; Fanny (die Mutter), die glaubt, dass sie Alzheimer hat (und sich dadurch zunächst selbst aufgibt) und dass die Liebe zu ihrem Mann erloschen ist; und Claire, die sich immer für andere geopfert hat, allerdings auch alte Wunden mit sich trägt und zwischendurch Gefühle für einen anderen Mann (John) entwickelt, die sich nicht eingestehen möchte.
Außerdem finde ich das Ende ein wenig befremdlich, da ich Claires Entscheidung nicht so richtig nachvollziehen kann (wobei ich jetzt auch nicht das Ende erzählen möchte).
Kritisieren möchte ich auch den Titel des Romans "Wiedersehen am Cape Cod", da hier kein wirkliches Wiedersehen stattfindet, sondern nur wenn man schon ziemlich weit herholt ein Wiedersehen der Personen zu ihren eigenen Persönlichkeiten, Wünschen und Träumen. Der englische Titel "So Happy Together" trifft es da schon etwas besser.
Ich kann jedem dieses Buch zum Lesen weiterempfehlen, der auf schöne, aber auch komplizierte Liebes- & Familiengeschichten steht. Man sollte sich allerdings evtl. eine Packung Taschentücher zur Seite nehmen, da einem die Geschichte zwischendurch ziemlich zu Herz gehen kann. Maryann McFadden ist jedenfalls ein wunderschöner Roman gelungen, der auch die Schönheit der Landschaft mit einfängt.
Von mir bekommt dieses Buch vier Punkte mit starker Tendenz zu 5 Punkten, da es zwar wunderbar geschrieben ist, inhaltlich aber nicht immer ganz nachvollziehbar war.