Die preisgekrönte Literaturverfilmung von E.M. Forsters empfindsamen Romanwerkes spiegelt die Schönheit der Erzählung mit eindringlichen Bildern und eindrucksvoller Musikuntermalung. Zwischen Tradition und Moderne zeigt sich die angedeutete Umbruchstimmung der Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit setzt die Geschichte ein, genauer gesagt, in "Howards End", dem Landhaus der Familie Wilcox, die als Gast die junge Helen Schlegel aus London beherbergt. Was mit einer vorschnellen und bald wieder gelösten Verlobung zwischen Helen und Paul beginnt, entwickelt sich zu einer fast schon schicksalhaften Symbiose der gegensätzlichen Familien Schlegel und Wilcox.
Dabei steht immer die Frage im Raum, was ein wirkliches Zuhause bedeutet. Ist es überhaupt wichtig, einen festen Lebensmittelpunkt zu haben?
Für Mrs. Wilcox bedeutet ihr Elternhaus "Howards End" einfach alles. Es ist ihr jedoch bewusst, dass ihr Mann und auch ihre Kinder diese Empfindungen nicht mit ihr teilen. Als sie erfährt, dass ihre neue Freundin, Margaret Schlegel, das Haus ihrer Geburt in naher Zukunft aufgeben muss, trifft die todkranke Frau eine folgenschwere Entscheidung. Sie hinterlässt ihr einziges Erbe, "Howards End", der jungen Miss Schlegel, die ihr in den letzten Wochen ihres Lebens so viel Gutes geschenkt hat, ihrer Familie aber völlig fremd ist. Folgerichtig ignoriert die Familie Wilcox dann auch den letzten Willen der Verstorbenen. Doch "Howards End" scheint ein Eigenleben zu führen und das Geschick der Beteiligten zu beeinflussen...
Parallel zu der Geschichte, die sich um Howards End rankt, wird das tragische Leben des jungen Bankangestellten Leonard Bast (wundervoll poetisch und tragisch: Samuel West) beleuchtet, der durch einen Zufall die Bekanntschaft der gutsituierten Schwestern Margaret und Helen Schlegel macht. Diese Verbindung verläuft, trotz des guten Willens auf beiden Seiten, recht unglücklich. Der Idealismus, der die intellektuellen Damen auszeichnet, scheitert an der unüberwindlich festgelegten Kluft zwischen Arm und Reich. Und da Margaret in der Zwischenzeit mit dem Witwer Henry Wilcox zarte Bande geknüpft hat, kommt es zu weiteren Konflikten, die schließlich eine Entfremdung zwischen den Schwestern bewirkt. Helen, die sich so leidenschaftlich für das Schicksal der Basts einsetzte und nun nicht einsehen will, warum ihr zukünftiger Schwager, der durch einen unbedachten Rat das Unglück ihrer Schützlinge mit verursacht hat, nun nicht zu seiner Schuld stehen kann, bricht mit ihren Angehörigen und Freunden und verlässt beinahe fluchtartig das Land.
Doch es gibt ein Wiedersehen aller Beteiligten - in "Howards End".
Eine gute Besetzung ist für diese an Dialogen reiche Erzählung unabdingbar und sie kann sich in diesem Fall auch wirklich sehen lassen. Emma Thompson ist für die Besetzung der altklugen Margaret Schlegel mit dem fleißigen Mundwerk einfach perfekt. Die leidenschaftliche Helen ist die ideale Rolle für Helena Bonham Carter, die bereits als "Beethoven-spielende-Lucy" in
Zimmer mit Aussicht verzauberte. Auch die Wilcox-Männer wurden überzeugend besetzt. Anthony Hobkins ist ein souveräner Henry Wilcox und er sein Auftreten überzeugt durch fast patriarchalische Autorität. James Wilby, dessen Part von Anfang an recht negativ besetzt ist, schafft es für seine Figur des Charles Wilcox am Ende doch noch etwas Empathie aufkommen zu lassen.
Der heimliche Star dieser Verfilmung ist jedoch Vanessa Redgrave. Ihre Figur schafft es im
Roman, die Stimmung bis zur letzten Seite zu beeinflussen, obwohl sie ja schon im Kapitel 10 verstirbt. Und diese Präsenz verleiht die filmische Ruth Wilcox. Allein die Eingangsszene des Films ist grandios und gehört nur ihr und ihrem geliebten Besitz. Im Abendlicht oder im Morgengrauen umrundet sie Howards End. Ihre anmutige Gestalt verschmilzt mit der Schönheit der Natur. Sie wirft einen Blick auf die fröhliche Gemeinschaft, die im Haus zusammen ist und ein beglücktes Lächeln verzaubert ihre Gesichtszüge. Wann immer man in der Folge dieses Haus sieht, mit seinen fest verwurzelten Mauergeflecht, wird man an diesen ersten Augenblick zurück denken und an das Gefühl, welches diese erste Szene mit viel Erwartung geweckt hat.
Das Bild ist überraschend klar und scharf. Manchmal vielleicht etwas zu scharf, denn man kann in einer Szene sogar die Hautunreinheiten von Emma Thompson bemerken. Die Kulissen sind dagegen immer wunderschön. Egal, ob sie die Stadtansichten in London zeigen oder ländliche Idylle andeuten.
Die Musik ist sehr stimmungsvoll. Allerdings wirkt sie manchmal schon fast zu dramatisch, wenn Londoner Straßen gezeigt werden. Vielleicht sollte damit die bedrohliche Stimmung einer unpersönlichen Großstadt angedeutet werden, aber die Wirkung wurde etwas übertrieben, vor allem wenn man bedenkt, dass die Schlegel Schwestern, um die es hier in der Hauptsache geht, auch ziemlich normal in London aufgewachsen sein sollen. Gelungen dagegen ist die musikalische Szene in der Mr. Bast von Helen der Regenschirm entwendet wurde. Diese Szene kommt so nicht im Roman vor, wurde aber ganz hervorragend gelöst.
Die DVD-Ausgabe kommt ohne nennenswerte Extras aus, aber präsentiert das Meisterwerk in zufriedenstellender Qualität.