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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Virtuose E.M. Forster-Verfilmung: Irgendwo zwischen hochtrabender Langeweile und wundervoller Verzauberung, 19. September 2007
Es ist die edwardianische Zeit in London, Anfang des 20. Jahrhunderts. Zwei Familien stehen miteinander in einer seltsamen Verbindung. Da sind die feingeistigen und idealistischen Schlegel-Schwestern Margaret (Emma Thompson) und Helen (Helena Bonham-Carter), die gerne in Diskussions- und Literaturzirkeln verkehren und ein unabhängiges Bohèmeleben führen. Auf der anderen Seite, gibt es die kapitalistischen, altmodischen und nüchternen Wilcoxes.
Immer wieder kreuzen sich die Wege dieser Familien. Zuerst als sich Helen und der jüngere Sohn Paul Wilcox überstürzt verloben und diese Verlobung dann ebenso schnell wieder lösen. Einige Zeit später beginnt Margaret eine Freundschaft zu Ruth Wilcox (Vanessa Redgrave) der Mutter der Familie. Als Ruth unerwartet stirbt vererbt sie Margaret Schlegel sogar ihr Geburtshaus Howards End. Die Familie Wilcox lässt Margaret über dieses Erbe allerdings im Dunkeln und speist sie mit einem Riechfläschchen als Erinnerungsstück ab. Trotz dieser Widrigkeiten heiratet Margaret später sogar den Witwer Henry Wilcox (Anthony Hopkins).
Und da gibt es noch den kleinen Versicherungsangestellten Leonard Bast (Samuel West), ein Bekannter der Schlegels, der dieses fragile Gefüge aus Geldstreben, geschäftlichem Kalkül, Idealismus und freier Denkart unbeabsichtigt ins Wanken bringt. Auf Ratschlag der Schlegel-Schwestern hin hat Mr. Bast seine Stellung bei der Versicherung gekündigt und ist dadurch an den Rand der Armut geraten. Helen Schlegel fühlt sich schuldig und engagiert sich leidenschaftlich für Leonard Bast, dies führt aber zu Zwiespalt unter den Schwestern. Als sich beide Schwestern endlich in Howards End wieder sehen kommt es zu dramatischen Ereignissen.
"Howards End" ist nach "Zimmer mit Aussicht", "Engel und Narren" und "Maurice" die vierte Verfilmung eines E.M. Forster Romanes durch das erfolgreiche Merchant-Ivory Gespann. Und wie nicht anders zu erwarten war, ist diese opulente Verfilmung meisterhaft gelungen.
Besonders überwältigend und bildgewaltig sind die Kulissen (Alleine die Location für Howards End hätte nicht schöner sein können), dazu Wohnungseinrichtungen, die bis ins kleinste Detail stimmig sind und nicht zuletzt auch die erlesenen Kostüme, die zum Beispiel Margarets Werdegang von der Bohème zur reichen Lady hin verdeutlichen.
Auch die Drehbuchadaption von Ruth Prawer Jhabvala lässt keine Wünsche offen. Ohne den Roman von E.M. Forster zu kennen, spürt man doch in jedem gesprochen Satz und jeder Geste dieser großartigen Schauspieler die subtile Kritik des Autors an der Gesellschaft seiner Zeit, den Gegensätzen von gefühllosem Kapitalstreben und der Brotlosigkeit von romantischem Idealismus. Und gleichzeitig spürt man aber auch seine Liebe zu den Menschen, die in Margaret Schlegel eine wunderbare Gestalt erhält. Emma Thompson - so schön wie nie - wurde für ihre lebendige und seelenvolle Darstellung der Margaret mit einem Oscar ausgezeichnet und den hat sie wahrhaftig verdient. Schwer zu sagen ob nicht auch Anthony Hopkins und Helena Bonham-Carter einen Oskar für ihre geniale und glaubwürdige Darstellung zweier so schwieriger Charaktere verdient hätten.
Auf jeden Fall steht und fällt dieser Film, dem es an Actionszenen völlig mangelt, mit seinen hochkarätigen Darstellern und der Kameraführung. Tatsächlich gibt es insgesamt zwei Szenen mit sogenannter "Action", wobei eine Szene (eine Katze wird überfahren) dem Schnitt zum Opfer fiel (so erfährt man aus den Special Features). Wenn ich in der Überschrift von "hochtrabender Langeweile" sprach, so meinte ich genau das damit. Kammerspielartig werden gepflegte Unterhaltungen beim Tee oder Dinner oder in Diskussionszirkeln geführt und nur gelegentliche Spaziergänge durch herrliche Landschaften oder Kulissen bringen einen Hauch von Bewegung in den Film.
Was für ein Segen also, dass jeder einzelne Darsteller in diesem Film sich als Glücksgriff erweist!
James Ivory charakterisiert seine Filme selbst als Filme für "Heart, Mind and Intelligence" und natürlich ist auch Howards End so ein Film für Heart, Mind and Intelligence!
Viel Freude wünsche ich also all jenen Zuschauern, die genau dies besitzen. ;-)
DVD:
(Digitally remastered and restored), Special Widescreen Edition:
Lauflänge: 136 Minuten, DVD 9, Stereo Dolby 5.1, 2 PAL, 2.35:1 Anamorph, Widescreen Version.
Special Features: Helena Bonham-Carter talking about Howards End, Ismail Merchant and James Ivory talking about Howards End, The Design of Howards End, Luciana Arrighi talking about her drawings for Howards End.
Ärgerlich und unverständlich: Für diese rein englischsprachige DVD gibt es keinerlei Untertitel!
Free Bonus Disc: In dieser "Merchant Ivory Collection" ist noch eine Bonus Disc enthalten, die sich mit dem Gesamtwerk von Ismail Merchant und James Ivory befasst. Mit Kommentaren und Filmausschnitten werden alle bedeutenden Filme von Merchant und Ivory seit den 60er Jahren vorgestellt.
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Welt kann man täuschen, sich selbst nicht., 19. Juli 2009
Howards End stellte nach Maurice und Zimmer mit Aussicht die dritte Verfilmung eines Edward Morgan Forster Werkes von James Ivory dar. Im gesellschaftskritischen Oeuvre von Forster sicher die schonungsloseste und entlarvendste Zeichnung spätviktorianischer Prüderie und Standesdünkel. Anfang des 20. Jahrhunderts kreuzen sich auf einer Reise die Wege der Geschwister Schlegel, intellektuelle, progressive und sozialkritische Freigeister der englischen Mittelklasse und der gut betuchten Familie Wilcox, die ein in Konventionen gefangenes Leben führt. In der Folge verstricken sich die beiden gegensätzlichen Familien in ein komplexes Geflecht von Beziehungsstrukturen, die in Auseinandersetzungen um die Emanzipation von gesellschaftlichen Zwängen münden, deren Gravitationszentrum das Anwesen Howards End der Familie Wilcox ist.
Ivorys Verfilmung versucht dem Anspruch der Werktreue mit penibler und akurater Darstellung und schwelgerischer Ästhetik des spätviktorianischen Gesellschaftsbildes gerecht zu werden. Die Ausstattung der Sets ist entsprechend detailliert. Vor allem die Kameraarbeit ist so impressionistisch, dass man fast meinen könnte, Ivory versucht auf sublime Art und Weise und mit sensiblem Empfinden für die Zeit diese untergegangene Epoche auferstehen zu lassen. Was allerdings auch zwangsläufig dazu führte, dass das Heben des Themas auf eine überzeitliche (zeitlose) Ebene weitgehend verschlossen bleibt, ebenso wie die satirischen Seitenhiebe von Forsters Romanvorlage. Passend gewählt für Ivorys Art der Herangehensweise ist der Soundtrack im Stile der Spätromantik. Herausragend sind die erlesenen schauspielerischen Leistungen. Emma Thompson bekam für ihre Rolle der Margaret Schlegel den Oscar. Dem Ensemble um Hopkins, Thompson und Bonham Carter gelingt es grandios den Konflikt zwischen Lebenslügen, dem Vorspielen und dem Glaubhaftmachen falscher Gefühlswelten und dem daraus resultierenden inneren seelischen Sprengstoff auf die Leinwand zu bringen. Keine der Figuren wirkt bedingungslos sympathisch, da alle ihre wahre Persönlichkeitsstruktur hinter das gesellschaftliche Scheinleben zurückstellen und in der latenten Antizipation der heilenden Kraft der Wahrheit auf dramatische Punkte zusteuern. Gesten, Blicke, Mimik, Bewegungen, Unausgesprochenes anstatt Worte diktieren die wesentliche Kommunikation der Protagonisten.
Die Neuveröffentlichung dieses Sittendramas war längst überfällig. Die DVD ist mit vielen Boni sowie erstmals auch mit Originalbild und -tonspur ausgestattet.
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Virtuose E.M. Forster-Verfilmung: Irgendwo zwischen hochtrabender Langeweile und wundervoller Verzauberung, 14. März 2008
Es ist die edwardianische Zeit in London, Anfang des 20. Jahrhunderts. Zwei Familien stehen miteinander in einer seltsamen Verbindung. Da sind die feingeistigen und idealistischen Schlegel-Schwestern Margaret (Emma Thompson) und Helen (Helena Bonham-Carter), die gerne in Diskussions- und Literaturzirkeln verkehren und ein unabhängiges Bohèmeleben führen. Auf der anderen Seite, gibt es die kapitalistischen, altmodischen und nüchternen Wilcoxes.
Immer wieder kreuzen sich die Wege dieser Familien. Zuerst als sich Helen und der jüngere Sohn Paul Wilcox überstürzt verloben und diese Verlobung dann ebenso schnell wieder lösen. Einige Zeit später beginnt Margaret eine Freundschaft zu Ruth Wilcox (Vanessa Redgrave) der Mutter der Familie. Als Ruth unerwartet stirbt vererbt sie Margaret Schlegel sogar ihr Geburtshaus Howards End. Die Familie Wilcox lässt Margaret über dieses Erbe allerdings im Dunkeln und speist sie mit einem Riechfläschchen als Erinnerungsstück ab. Trotz dieser Widrigkeiten heiratet Margaret später sogar den Witwer Henry Wilcox (Anthony Hopkins).
Und da gibt es noch den kleinen Versicherungsangestellten Leonard Bast (Samuel West), ein Bekannter der Schlegels, der dieses fragile Gefüge aus Geldstreben, geschäftlichem Kalkül, Idealismus und freier Denkart unbeabsichtigt ins Wanken bringt. Auf Ratschlag der Schlegel-Schwestern hin hat Mr. Bast seine Stellung bei der Versicherung gekündigt und ist dadurch an den Rand der Armut geraten. Helen Schlegel fühlt sich schuldig und engagiert sich leidenschaftlich für Leonard Bast, dies führt aber zu Zwiespalt unter den Schwestern. Als sich beide Schwestern endlich in Howards End wieder sehen kommt es zu dramatischen Ereignissen.
"Howards End" ist nach "Zimmer mit Aussicht" und "Maurice" die dritte Verfilmung eines E.M. Forster Romanes durch das erfolgreiche Merchant-Ivory Gespann. Und wie nicht anders zu erwarten war, ist diese opulente Verfilmung meisterhaft gelungen.
Besonders überwältigend und bildgewaltig sind die Kulissen (Alleine die Location für Howards End hätte nicht schöner sein können), dazu Wohnungseinrichtungen, die bis ins kleinste Detail stimmig sind und nicht zuletzt auch die erlesenen Kostüme, die zum Beispiel Margarets Werdegang von der Bohème zur reichen Lady hin verdeutlichen.
Auch die Drehbuchadaption von Ruth Prawer Jhabvala lässt keine Wünsche offen. Ohne den Roman von E.M. Forster zu kennen, spürt man doch in jedem gesprochen Satz und jeder Geste dieser großartigen Schauspieler die subtile Kritik des Autors an der Gesellschaft seiner Zeit, den Gegensätzen von gefühllosem Kapitalstreben und der Brotlosigkeit von romantischem Idealismus. Und gleichzeitig spürt man aber auch seine Liebe zu den Menschen, die in Margaret Schlegel eine wunderbare Gestalt erhält. Emma Thompson - so schön wie nie - wurde für ihre lebendige und seelenvolle Darstellung der Margaret mit einem Oscar ausgezeichnet und den hat sie wahrhaftig verdient. Schwer zu sagen ob nicht auch Anthony Hopkins und Helena Bonham-Carter einen Oskar für ihre geniale und glaubwürdige Darstellung zweier so schwieriger Charaktere verdient hätten.
Auf jeden Fall steht und fällt dieser Film, dem es an Actionszenen völlig mangelt, mit seinen hochkarätigen Darstellern und der Kameraführung. Tatsächlich gibt es insgesamt zwei Szenen mit sogenannter "Action", wobei eine Szene (eine Katze wird überfahren) dem Schnitt zum Opfer fiel (so erfährt man aus den Special Features). Wenn ich in der Überschrift von "hochtrabender Langeweile" sprach, so meinte ich genau das damit. Kammerspielartig werden gepflegte Unterhaltungen beim Tee oder Dinner oder in Diskussionszirkeln geführt und nur gelegentliche Spaziergänge durch herrliche Landschaften oder Kulissen bringen einen Hauch von Bewegung in den Film.
Was für ein Segen also, dass jeder einzelne Darsteller in diesem Film sich als Glücksgriff erweist!
James Ivory charakterisiert seine Filme selbst als Filme für "Heart, Mind and Intelligence" und natürlich ist auch Howards End so ein Film für Heart, Mind and Intelligence!
Viel Freude wünsche ich also all jenen Zuschauern, die genau dies besitzen. ;-)
DVD: Obwohl Amazon in seiner Produktbeschreibung eine "deutsche Tonspur" angibt ist diese doch nicht auf der DVD enthalten (siehe Kommentare) Also bitte Vorsicht beim Kauf
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