Wie immer wir auch unsere Herkunftsfamilie oder unsere neugegründeten Familien sehen, oftmals ist der Blick unscharf auf nahe oder weiter zurückliegende Ereignisse oder damit verbundene Personen gerichtet.
Aus eigener Kraft fällt es einem schwer, eine klare Sicht auf unsere Familien zu entwickeln.
Daher hilft es schon einmal, in eigenen oder fremden Familienalben zu schauen und Erinnerungen wieder wach zu rufen oder Erinnerungslücken zu füllen - das Buch "Wieder heimkommen kann hier ein guter Anfang sein.
Durch die systemische „Brille" der Familiengeschichten und -genogramme ausgewählter Persönlichkeiten schärft die Professorin für Klinische Psychologie, Monica McGoldrick, unseren Blick auf die Zusammenhänge von früheren Familienereignissen bzw. -erfahrungen und der heutigen Lebensbewältigung einzelner Familienmitglieder.
Man wird eingeladen, verschiedene Fassungen und Sichtschärfen auszuprobieren.
So werden geschlechtliche, nationalitäten- und regionenbezogene, politische, religiöse sowie berufliche Gesichtspunkte vor dem Hintergrund der Familiengeschichten (beispielsweise von Beethoven, Kafka, Kennedy, Roosevelt, Freud) analysiert.
In den jeweiligen Kontext eingebettet wird die Leserschaft eingeladen, sich diversen Fragen zur eigenen Familien zu stellen.
Es werden unbekannte und überraschende Bezüge berühmter Schauspieler, Präsidenten, Politiker, Psychotherapeuten, Komponisten, Schriftsteller hergestellt und so manche „Geheimnisse" aufgedeckt.
Die zahlreichen Genogramme unterstützen dabei die dargestellten Beziehungsgeflechte.
Die vielfältigen Hintergrunddarstellungen ermöglichen einen facettenreichen, detaillierten Einblick in die Biographien.
Das Buch ist somit eine wahre Schatzkiste für politisch, historisch und künstlerisch-kulturell interessierte Menschen.
Dem schon 1995 in den USA erschienen Buch liegen vor allem Literaturrecherchen von 1980-90 zugrunde.
Die allgemeinen und die auf die einzelnen Personen bezogenen Literaturverzeichnisse berücksichtigen vor allem angelsächsische Literatur.
Die Genogramme sind durch die Fülle an Informationen und zeitweise unvollständige bzw. uneindeutige Angaben und Symbolverwendungen nicht immer auf den ersten Blick zu entschlüsseln.
Ein Stichwort- und Genogramm- bzw. Personenregister wäre für ein solch vielfältiges Werk eigentlich unerlässlich gewesen.
Die Personenauswahl und die gesellschaftlichen Bezüge zur Familiengeschichte beziehen sich überwiegend auf den US-amerikanischen Kulturraum.
Hier wäre eine Übertragung auf die deutsche Geschichte bei der Übersetzung eine große Bereicherung gewesen.
Wer aber seinen Blick auf die Rekonstruktion seiner Familie lenken möchte, hat hier einen unerschöpflichen Fundus an Ideen zur familiären Informationssammlung und -verarbeitung.
Die Auseinandersetzung mit der eigenen Familien- und Lebensgeschichte wird durch dieses Buch optimiert werden können.
Und so mancher Lesende wird mit der Lektüre nicht nur verschieden starke „Gläser" zur Behebung seiner Kurz-, Weit- oder Fehlsichtigkeit familiäre Zusammenhänge erwerben, sondern auch die Vorzüge flexibler Gleitsichtbrillen in Anspruch nehmen.
So ausgestattet wird man alltagstauglich seine individuelle Familiengeschichte als persönliche Bereicherung erleben können.