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Wieder ein Tag Leben
 
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Wieder ein Tag Leben [Taschenbuch]

Ryszard Kapuscinski
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt (1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596128536
  • ISBN-13: 978-3596128532
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 12,6 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 978.677 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Aus dem Innern des Krieges

Ryszard Kapuscinskis Reportagen aus Angola

«Jeden Moment konnte der Aufstand losbrechen. Welcher Aufstand? fragte ich, um darüber nach Warschau zu berichten. Keiner konnte es genau sagen. Einfach – der Aufstand, aber was für ein Aufstand, das würde sich zeigen, wenn er losbrach.»

Aber es brach kein Aufstand los. Die Menschen in den Lehmhütten am Stadtrand sehen statt dessen ruhig zu, wie eine ganze Stadt in Kisten verpackt wird, wie sie schliesslich auf Schiffe verladen und übers Meer davontransportiert wird. Zurück bleiben die leeren Steinhäuser, die verlassenen Autos und die Hunde. Nach und nach verschwinden die Polizei, die Feuerwehr und die Müllabfuhr, schliesslich auch alle «Bäcker, Monteure, Briefträger und Hausmeister».

Wenige Wochen vor der endgültigen Unabhängigkeit Angolas: die Hauptstadt Luanda schwirrt vor widersprüchlichen Gerüchten, sieht in banger Erwartung dem Stichtag entgegen, dem 11. November 1975. Ryszard Kapuscinski, damals Berichterstatter für die polnische Nachrichtenagentur PAP, zeigt sich in seinem Buch über die ersten Wochen des Bürgerkriegs – wieder einmal – mehr als Erzähler denn als Reporter in seiner unmittelbaren und präzisen Art der Reportage, die die Gepflogenheiten journalistischer Aufbereitung weit hinter sich lässt. Analysen, reines Informationsmaterial und dergleichen Handgepäck sind in einem Schlusskapitel («Abc») verstaut, das ein halbes Jahr später geschrieben wurde und das man auch zuerst lesen kann, vielleicht auch sollte, um einen Begriff von der damaligen politischen Situation in Angola zu bekommen.

Kapuscinskis Buch lebt nicht von den Sensatio nen des Kriegsgeschehens, es lebt vom nahen Hinsehen, vom Dabeigewesensein. Es erzählt das Unvorstellbare, das Absurde, das Surreale: wie man lebt im anhaltenden Zustand allgegenwärtiger «confusão», wie man lebt, wenn die Umstände wenig für das Leben sprechen: Hitze und kein Wasser, Kämpfe und keine Munition, Willkür, Angst. Dazwischen – wie Regelverstösse – Ausbrüche von einer Art Normalität: junge Männer geraten sich über ein Fussballspiel beinahe in die Haare, wobei der eine Teil von ihnen gefangen hinter Stacheldraht sitzt und der andere Teil ihn bewacht. Die Fraktionsbildung in Sachen Fussball richtet sich nicht nach dem Verlauf des Stacheldrahts. Der Berichterstatter fährt an die Front (« . . . weil ich der Ansicht bin, dass ich nicht über Menschen schreiben soll, mit denen ich nicht wenigstens ein wenig von dem durchgemacht habe, was sie durchmachen») – oder dorthin, wo in einem Tausende von unkontrollierbaren Quadratkilometern grossen Gebiet gerade ein Dorf umkämpft, eine Strasse beschlossen wird, wo gestorben wird. Während der Krieg sich ausweitet, Südafrikaner und Kubaner schon eingreifen, sitzt er bei Nacht vor einem immer leiser werdenden Transistorradio und hört die gutgemeinten Ratschläge der Welt: die Angolaner sollen «ein Abkommen unterzeichnen, die Sessel untereinander aufteilen und einander um den Hals fallen. Man soll ihnen drohen, dass sie, wenn sie einander nicht umarmen, kein Geld mehr bekommen.»

Wie weit entfernt von der Realität des Krieges solche globalen Appelle sind, davon zeugen Kapuscinskis Mitteilungen aus Angola. Die hilflose Stimme der Aussenwelt, surrealer Traum der Vernunft aus dem Äther, verstummt, wenn die Batterien leer sind. «Der Krieg ist nur für jene Wirklichkeit, die in seinem blutigen, abstossenden Inneren sitzen.»

Katharina Döbler -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Mit detailgenauem Blick für den Zerfall der sozialen Strukturen und der Moral, für die unvorstellbaren Grausamkeiten des Kriegs, für Angst, Not und Verzweiflung der Menschen schuf Kapu_ciÒski aus der Innensicht eines Eingeschlossenen heraus mit dieser Reportage eine zeitlose Parabel auf die Unmenschlichkeit des Krieges. »Kapu_ciÒskis atemberaubende Mixtur aus Reportage und Kunst bringt uns das, was er das nicht vermittelbare Bild des Krieges nennt, so nahe wie es Lektüre irgend nahebringen kann.« Salman Rushdie


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Format:Taschenbuch
Der Pole Ryszard Kapuscinski bereist seit Ende der 50er Jahre Afrika, meist im Auftrag der polnischen Nachrichtenagentur PAP. Er berichtete aus Armenquartieren und den Vierteln der weißen "Kolonialherren", von Safaris und Wüstenmärkten, aus Flüchtlingslagern und von Bürgerkriegsfronten.

ANGOLA, 1975: Angola liegt im Südwesten Afrikas und war lange Zeit eine portugiesische Kolonie. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich hier eine Befreiungsbewegung, die MPLA. Während sich die Portugiesen langsam darauf vorbereiteten, die Kolonie aufzugeben und das Land den Afrikanern zu überlassen, entwickelte sich ein Bürgerkrieg zwischen der MPLA und zwei konkurriereden Organisationen.
Im Norden war das die FNLA, die vom Zaire (Kongo) und seinem Diktator Mobutu gesteuert wurde und sich auf die ethnische Minderheit der Bakongo stütze. Im Süden war das die UNITA, die sich aus den Ovimbundu rekrutierte und von Südafrika unterstützt wurde. Alle Parteien trugen hehre Ideale auf ihren Fahnen. Den Hintermännern ging es wohl mehr um die Kontrolle der Diamanten-, Erdöl-, Eisenerz- und Mangan-Vorkommen. Den Soldaten ging's wohl mehr darum, nicht mehr dem Hunger und der Willkür der jeweils anderen Soldateska ausgeliefert zu sein.

DAS BUCH: Rysuard Kapuscinski schildert seine Erlebnisse vor Ort, in den Tagen um die Unabhängigkeitserklärung. Er berichtet aus der Hauptstadt Luanda, deren Wasserversorgung immer wieder ausfällt, von der Front und der Fahrt dorthin - durch 500 km Niemandsland. Er berichtet von der Flucht der Portugiesen, dem verlassenen Viertel der Weißen. Die alltäglichen Widrigkeiten, die Schwierigkeit, überhaupt etwas über den Kriegsverlauf in Erfahrung zu bringen, das Leben der Einheimischen - all das schildert Kapuscinski sehr anschaulich und lebendig.
Während die Portugiesen Angola verlassen, wandelt sich der Bürgerkrieg zum internationalen Krieg. Natürlich vermeiden die USA und die UdSSR, zu direkten Kriegsgegnern zu werden.
Stattdessen geht zuerst Südafrika zu einer regelrechten Invasion über: Am 19. Oktober 1975 treten sie auf Seiten der UNITA in den Krieg ein, der professionellen und gut ausgestatteten Armee haben die Regierungstruppen der MPLA nichts entgegenzusetzen.
Ab dem 5. November 1975 wird die MPLA von kubanischen Verbänden unterstützt. Den Kubanern gelingt es, die Südafrikaner zu vertreiben und die UNITA weitgehend zu zerschlagen.
Kapuscinksi berichtet von diesen Ereignissen so, wie er sie damals vor Ort erlebt hat: Wie die Invasion begann, wie die portugiesischen Soldaten das Land verließen, wie die ersten Kubaner eintrafen. Und wie die Angolaner diese Tage erlebten, und er als Reporter mit ihnen.
Eine kurze Geschichte und Landeskunde Angolas schließen das Buch ab.

Angola wurde 1977 zu einer Diktatur unter A. A. Neto und seiner MPLA. Darüber, und was sonst bis zur Gegenwart noch so passierte, erfährt man nichts: Das Buch endet 1975, und obwohl es erst 1999 auf Deutsch erschien, hat der Verlag auf einen kurzen Anhang verzichtet. Es gibt auch keine Karten - leider.
Davon abgesehen, liefert Kapuscinski ein genaues, lebhaftes Bild davon, wie moderne "low-intensity" Kriege ablaufen: Wie sich Bürgerkriege vor Ort "anfühlen", wie das Leben der Menschen weiterverläuft, wie Chaos, Angst und Verwirrung um sich greifen. Seine Sympathien liegen klar auf Seiten der MPLA und der Kubaner - verständlich, wenn man bedenkt, daß er Reporter für eine Ostblock-Nachrichtenagentur war. Noch mehr liegen sie aber auf der Seite der Afrikaner - auch derer, die in die UNITA oder FNLA gepreßt wurden. Trotzdem würdigt er die Einheimischen (ob weiß, schwarz oder dazwischen) nicht zu "Opfern" herunter, macht eher beklommen und ratlos als auf billige Weise "betroffen".
Vieles, was Kapuscinski schildert, findet sich so ähnlich auch in Buchheims "Festung", aber auch in den besseren Berichten über die Bürgerkriege im ehemaligen Jugoslawien. "Wieder ein Tag Leben" besticht durch die Genauigkeit der Beobachtungen, seine Lebendigkeit und den Mangel an Beschönigungen.

Das Buch berichtet von einem vergessenen Krieg, in einem vergessenen Land, irgendwo südlich der Sahara. Menschen versuchten dort, von Tag zu Tag zu überleben, und es gelang ihnen nicht immer.
Kapuscinski schildert seine Erlebnisse aus diesen Tagen, den Alltag des Krieges - auf eine Weise und mit einer Genauigkeit, die sein Buch auch für diejenigen interessant macht, die sich sonst nicht für Afrika interessieren.

Lesenswert!

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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Kapuscinski gelingt es mit diesem Buch, den absoluten Unsinn und die unvorstellbare Grausamkeit eines jeden Bürgerkriegs lebhaft darzustellen, ohne jedoch in die Sensationslust oberflächlicher tagespolitischer Nachrichtenmeldungen zu verfallen oder permanent den moralischen Zeigefinger zu erheben. Seine Betrachtungen sind geprägt von der tiefen Liebe zu den Menschen an sich und lassen Afrika und seine Menschen in einem anderen Licht erscheinen, als man es sonst von anderen Schilderungen durch die europäische Brille gewohnt ist. Ein jeder der sich vorgenommen hat, die Geschichte und die derzeitige Situation Angolas -und darüber hinaus gehend ganz Afrikas- jenseits katastrophaler Schreckensmeldungen zu verstehen, wird um dieses Buch nicht herumkommen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Kapuscinski habe ich viel verdanken. Ein großer Teil meines Hintergrundwissens über Afrika stammt aus seinen Reportagen. Gerade sein schmales Buch über Angola wird man so schnell nicht wieder vergessen. Es zeichnet nicht nur - wie auf losen Blättern - grausame Skizzen, sondern ordnet den Krieg zugleich in ein Raster historischer Entwicklungen ein, die weit über Afrika hinausgehen. So gibt Kapuscinski einem einerseits ein starkes Gefühl und gleichzeitig versorgt er einen mit all den politischen Argumente zur theoretischen Einordnung. Hinzufügen kann ich noch, dass die Soldaten aus Cuba für ihren langjährigen Einsatz zum Lohn 700 Pesos kriegten, eine Ehrennadel und einen Ventilator.
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