Ein Buch wie das vorliegende des seit 30 Jahren als Internist klinisch tätigen Arztes Michael de Ridder war lange überfällig. In dem über 300 Seiten starken Werk plädiert er dafür, das Sterben als Teil des Lebens wahrzunehmen und anzuerkennen.
Was vielen Religionen seit Jahrtausenden bekannt war, ist den Medizinern und in der Folge dann auch vielen Menschen, die nun in die "Götter in Weiß" ihre Hoffnungen setzten, schon lange verlorengegangen. Ärzte, denen immer kompliziertere und natürlich auch teurere medizinische und technische Apparate ermöglichen, Menschen an einem fragwürdig gewordenen Leben zu erhalten und die, wenn ihnen das nicht gelingt, den Tod eines Patienten als persönliche Niederlage erleben, sind die eine Adressatengruppe dieses engagierten Plädoyers "für eine neue Sterbekultur in Zeiten der Hochleistungsmedizin."
Ärzte, die, wenn die Apparate nicht mehr helfen, den Sterbenden gerne dem Pflegepersonal überlassen und es nicht gelernt haben, verständlich und mit Empathie mit Sterbenden und ihren Angehörigen zu sprechen.
Statt Todkranke um jeden Preis am Leben zu erhalten, müssen Mediziner lernen, "in aussichtslosen Situationen ein friedliches Sterben zu ermöglichen." Dabei muss die Würde des Menschen, sein Recht auf Selbstbestimmung unbedingt respektiert werden.
Eine Lebensverlängerung zum Selbstzweck lehnt de Ridder ab, grenzt sich aber deutlich von denen ab, die mittels der Sterbehilfe das Schicksal des Menschen selbst in die Hand nehmen wollen.
Ein wichtiges und empfehlenswertes Buch, dem eine positive Wirkung in die Ärzteschaft hinein zu wünschen ist.