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Produktinformation
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Der Chirurg und Medizinhistoriker Sherwin B. Nuland zeigt in seinem Buch, auf weiche Weise bestimmte Krankheiten uns das Leben nehmen, und beschreibt die grausame biologische und klinische Realität. Doch er entwirft kein Horrorgemälde, sondern er entmythologisiert das Sterben und hilft uns, die Furcht vor dem Unbekannten zu überwinden. Nulands Blick auf den Tod ist hart, ernst und klar, aber auch voller Mitgefühl und Hoffnung. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Sehr beeindruckend finde ich die Darstellung, daß auch ohne Krankheit der Tod Endpunkt eines bereits im frühen Embryonalstadium beginnenden Alterungsprozesses ist, der, weil er einer biologischen Gesetzmäßigkeit folgt, objektiv nicht aufgehalten werden kann. Demzufolge seien, so Nuland, solche Symptome wie Arteriosklerose, Bluthochdruck, Altersdiabetes, Fettleibigkeit, Verwirrtheit, Krebs und Immunschwäche u.a. zwar die konkreten Anlässe, nicht aber die eigentliche Ursache des Todes: die Altersschwäche. Der Autor zieht daraus die Schlußfolgerung, daß die Ärzte sich mit den Grenzen der Natur abfinden müßten und nicht ihren Berufsehrgeiz dafür einsetzen sollten, das Leben sterbenskranker alter Menschen bis über diese natürliche Grenze hinaus um jeden Preis ausdehnen zu wollen.
Als einen Kernsatz habe ich meinem Exemplar von Nulands Buch dick rot unterstrichen: "Am Ende des Lebens steht der Tod und nicht der Versuch, das Sterben zu verhindern. Der atemberaubende Fortschritt der Wissenschaft in unserem Jahrhundert hat dazu geführt, daß unsere Gesellschaft hier falsche Akzente setzt. Der Sterbende muß im Drama des Todes als Hauptfigur wieder in den Mittelpunkt rücken." (S. 376)
Bei aller prinzipiellen Zustimmung zu diesem Standpunkt sehe ich aber auch eine große Gefahr in ihrer möglichen logischen Konsequenz. Wenn Nuland z.B. den Sinn krebsbedingter Totaloperationen oder gar von Dialysebehandlungen für Hochbetagte ernsthaft in Frage stellt, dann könnte sich in der Zukunft eine zahlungsunfähig gewordene gesetzliche Krankenversicherung auf solche Überlegungen berufen, wenn sie (wie in Großbritannien heute schon Realität) alten Menschen ohne Vermögen aus Kostenersparnisgründen lebenswichtige Therapieformen vorenthalten und sie damit zum vorzeitigen Tod verurteilen will!
Ebenso teile ich nicht Nulands befürwortende Haltung gegenüber der aktiven Euthanasie und seine abwertende Ansicht zur Selbsttötung, die sich nach meiner Überzeugung jeglicher moralischer Bewertung entzieht.
Der Verfasser führt den Leser zu der ernüchternden Erkenntnis, daß trotz bester Absicht ein Sterben in Würde nur in seltenen Einzelfällen erreichbar ist: Den meisten von uns wird ein Ende ohne die spürbaren Merkmale einer auch heute noch unbeeinflußbar grausamen biologischen und klinischen Realität versagt sein.
Diese schonungslose Darstellung der Wirklichkeit habe ich aber nicht als Horrorszenario empfunden, sondern
- es hilft mir dabei, von idealisierten Sterbensvorstellungen Abschied zu nehmen;
- es erleichtert mir die Erfüllung meines Anliegens, beim medizinischen Personal für die notwendige Prioritätsverschiebung zugunsten der mitmenschlichen Zuwendung zu Sterbenden zu werben;
- und es verstärkt meinen Wunsch, die mir verbleibende kostbare Zeit möglichst sinnerfüllt zu leben.
Die Sprache Nulands ist trotz der Härte der dargestellten Realität einfühlsam bis ehrfürchtig; jene Rigorosität im Ausdruck mancher Mediziner, die tagtäglich mit dem Sterben konfrontiert sind, ist ihm erfreulicherweise nicht anzumerken.
Dieses Buch ist mir nicht nur eine wertvolle Grundlage für meine Arbeit geworden, sondern hat auch mein Verhältnis zum Sterben nachhaltig beeinflußt.
Bei aller Widersprüchlichkeit überwiegt sein informierender, aufklärender und (im positiven Sinne) bewußtseinsverändernder Wert. Ich möchte es jedem kritischen Leser empfehlen, der die – unbedingt auch kontrovers zu führende - Auseinandersetzung mit den behandelten Themen nicht scheut. Die meisten von uns beschäftigen sich ohnehin zu wenig mit den wirklich wichtigen Fragen des Lebens, wie ich immer wieder bedauernd feststelle.
Hier schreibt ein Chirurg und Medizinhistoriker über seine Berufs- oder treffender Lebenserfahrung mit dem Tod. Das heißt aber nicht, das Autor Nuland nur die physikalische und biologische Seite einseitig darstellt. Er schreibt zudem treffend wie unsere Gesellschaft heute und in der Vergangenheit mit diesem Thema und den betroffenen Menschen umgeht. Deshalb ist der Untertitel des Buches „Ein Ende in Würde?" auch gut gewählt.
Niemand sollte Angst haben vor seinem Tod und erst recht nicht vor diesem Buch haben. Im Gegenteil dieses Buch hilft, in dem es sehr detailliert erläutert, was da mit dem Menschen bei seinem nahenden Ende passiert. Die Beschreibung der realen biologischen und physikalischen Tatsachen sind nicht brutal oder gar schokierend -wie meist unsere Erwartungshaltung dazu ist-, sondern Wissen und Einsicht vermittelnd. Mit diesem Wissen und der Einsicht, das wir ein Teil der Natur sind und das wir den Tod als etwas natürliches begreifen, tritt beim Leser Frieden und Ruhe ein. Die Angst verschwindet und ermöglicht einen sachlichen Umgang mit sich selbst und seiner Umwelt in dieser Frage.
Ich kann jedem, den Ungewissheit und Ängste quälen, dieses Buch nur nahelegen. Es vermittelt dem modernen Menschen ein leider verloren gegangenes Wissen und versetzt ihn in die Lage mit dem Tod wieder natürlich umzugehen, wie es unsere Vorfahren auch konnten.
Der Tod? Ist er für uns Menschen nur so schwer zu akzeptieren, weil wir uns vor ihm verstecken - ein Leben lang, bis es keinen Ausweg mehr gibt?
Stirbt es sich leichter, wenn man solche Bücher gelesen hat?
Sherwin B.Nuland beschreibt die Phasen, die ein Mensch durchlebt der z.B. die Diagnose "Krankheit ohne Heilungschance" durchläuft - er kennt das nur zu gut aus seiner beruflichen Laufbahn (Chirurg und Medizinhistoriker) heraus...
Ein Mediziner der mit dem Tod vertraut ist teilt uns sein Wissen, seine Erfahrungen mit und das nimmt die Angst vor dem unausweichlichen Ereignis - bereitet vor!
Ein Buch das nicht gedacht ist Todessehnsucht zu wecken, ein Buch das vorbereiten möchte auf den Tag X
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