Aus der Amazon.de Redaktion
Deutschlands bekanntester Zukunftsforscher präsentiert hier eine fulminante Future-Show, die den Mensch von morgen in den Mittelpunkt rückt. Wie werden wir künftig lieben, lernen, arbeiten, kämpfen, wählen, glauben und sterben? Werden wir dümmer oder klüger, reicher oder ärmer, romantischer oder rationeller? Wird uns die Arbeit ausgehen, der Dritte Weltkrieg ausbrechen, die Religionen verblassen oder der Tod endgültig besiegt werden? Der Popstar des modernen Orakels ist voll in seinem Element. Doch dabei vergisst er zu fragen, wer überhaupt morgen so leben will.
Schade, denn eigentlich würden wir schon gerne gefragt werden, wenn Zukunftsforscher unser Schicksal in die Hand nehmen. Zumal das Horxsche Bühnenbild der Welt von morgen zwar vielfältig und bunt, zugleich aber auch aalglatt und unterkühlt ist: Die globale Wissensgesellschaft, an der wir künftig unsere Biografien abarbeiten, wird nämlich bevölkert von eingefleischten Individualisten, deren Lebens- und Liebesglück darin besteht, im Dienste des Ego permanent zu optimieren, zu selektieren und zu kompensieren. Und Sex? Ja, bitte. Aber gezeugt wird keimfrei in der Petrischale, damit der Spross auch garantiert die besten Gene mitbekommt. Ist ja auch erfolgsentscheidend in einer Arbeitswelt, in der die kreative Klasse das Kommando übernommen hat und hypersensible Google-Minds sich pausenlos empowern, um originell zu sein und die komplexen Probleme der Wissensökonomie zu knacken.
Horx hätte ruhig auf ein paar kritische Geister hören sollen, als er mit seinem Raumschiff in die Zukunft abhob. Seiner Zukunft, nicht unbedingt unsere! -- Gundula Englisch
Pressestimmen
17.09.2005 / Süddeutsche Zeitung: Warum alles gut bleibt "Ein leicht zu verstehendes und dennoch kluges Kompendium ... Wer es liest, lernt eine Menge und darf sich gleichzeitig ein wenig von den ansonsten so beliebten Weltuntergangs-Szenarien erholen. Mehr kann der Leser von einem seriösen Zukunftsforscher wohl kaum erwarten."
01.10.2005 / Der Spiegel: Der Regenmacher "Zukunft macht Spaß."
01.10.2005 / Manager Magazin: Schlaue Fragen zur Zukunft "Ein substanzieller, umsichtiger und zukunftsweisender Beitrag zu der spannenden Debatte, wie wir denn morgen und übermorgen leben werden."
19.10.2005 / Falter: Blick nach vorne "Eine detaillierte Ansicht unseres Lebens nach dem Übergang von einer Industrie- in eine Wissensgesellschaft."
24.10.2005 / Das Parlament: Offenheit als ein Überlebensmittel "Das Buch reflektiert sachkundig über die wesentlichen Fragen des Menschseins."
Süddeutsche Zeitung, 17.09.2005
"Ein leicht zu verstehendes und dennoch kluges Kompendium ... Wer es liest, lernt eine Menge und darf sich gleichzeitig ein wenig von den ansonsten so beliebten Weltuntergangs-Szenarien erholen. Mehr kann der Leser von einem seriösen Zukunftsforscher wohl kaum erwarten."
Kurzbeschreibung
Auf der Grundlage umfangreicher Studien nimmt Horx unsere zukünftige Lebensgestaltung in den Blick. In spannenden Szenarien zeigt er: • Wie wir aufwachsen werden • Wie wir lernen werden • Wie wir arbeiten werden • Wie wir lieben werden • Wie wir uns verwirklichen werden • Wie wir konsumieren werden • Wie wir glauben werden • Wie wir altern und sterben werden Horx’ großes Werk ist eine optimistische Zukunftsprognose, die uns die Möglichkeiten der Gegenwart vor Augen führt:Wir können jetzt die Weichen stellen, um in Zukunft freier und selbstbestimmter zu leben.
Über den Autor
Matthias Horx, Jahrgang 1955, gilt als einflussreichster Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum. Er war Redakteur u. a. bei Tempo und Die Zeit. Seine Bücher über Wertewandel, Technologie, Jugendkulturen, Trendforschung und Future Fitness wurden zu Bestsellern. Matthias Horx lebt mit seiner Frau Oona Strathern und zwei Söhnen in Wien.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Was würde einen Zeitreisenden, der durch einen kosmologischen Zufall vom Beginn des 20. Jahrhunderts, also über eine Distanz von 100 Jahren, in unsere Zeit geschleudert würde, am meisten erstaunen? Gewiss: Die Wunder der Technologie wären schwer zu verkraften. Einen Jumbo-Jet graziös in einen Abendhimmel abheben zu sehen, in einem BMW die taktilen Feinheiten des Fahrens zu erleben, einem Computer bei der rasenden Erzeugung von Bildern, Symbolen, Vernetzungen zuzusehen - das würde den Pulsschlag unseres Zeitenwanderers sicher stark erhöhen. Viele dieser Artefakte würde unser Zeitreisender jedoch bereits als Blaupause oder Prototyp kennen. Flugzeuge, Handys, Rolltreppen, selbst der Fernsehapparat hätten Analogien aus einer Zeit, in der das Panoptikum bereits das Kino vorwegnahm, Telefonieren weit verbreitet war (wenn auch nur auf regionale Distanz) und die großen Weltausstellungen die "Wunder des Elektrischen" präsentierten. Stellen wir uns vor, unser Zeitreisender landet an einem lauen Sommertag mitten in Berlin. Gerade machen sich auf dem Kurfürstendamm die Wagen für die "Christopher Street Parade" fertig. Lederschwule stehen in großen Gruppen herum, rauchen Marlboro Lights und tragen Lederhosen, die hinten offen sind. Fröhliche Lesben, mit Piercings durch die Brustwarzen, knutschen sich, während japanische Touristen das kichernd fotografieren. Was unseren Transtemporären völlig aus der Fasson bringen würde, wären die, wie er das wohl nennen würde, "Sitten und Gebräuche" unserer Gegenwart. Wie "unsittlich" Frauen sich in der Öffentlichkeit kleiden und benehmen (und sie rauchen!). Wie auf riesigen Plakaten aufreizende Unterwäsche mit geilen Körpern gezeigt wird. Wie Kinder mit ihren Eltern reden - überhaupt die ganze plappernde, obszöne Sprache der Jetztzeit, die Bilderwut und optische Dekonstruktion - das müsste unseren armen Zeitreisenden in schwerste seelische Nöte bringen. Zukunftsforschung hat im vergangenen Jahrhundert vor allem das technische Elemente zum roten Faden gemacht. Wenn wir ehrlich sind, dann haben sich trotz Computer, Handy und Jumbo die meisten dieser Visionen verflüchtigt. Die Autorin Marina Benjamin formuliert in ihrem Buch Rocket Dreams regelrecht beleidigt: "Wo bleiben sie, unsere Raumstationen, unsere herrlichen Unterwasserstationen, auf denen wir den Rest unseren Lebens mit einem kühlen Martini ein utopisches Leben führen können? (…) Wo bleiben sie denn, die Wundermittel gegen Krebs, die Raumfahrten und Flugautos für jedermann?"1 Dies ist ein Buch über die Kultur der Zukunft. Über die Frage, wie sich Zukunft anfühlt. Über Alltag. Leben. Tod. Es bewegt sich entlang der Frage, wie Komplexität in menschlichen Systemen entsteht und voranschreiten könnte. Das heißt nicht, dass Technologie keine Rolle spielt. Aber Technologie wird hier nicht als Trägerwelle, sondern als Produkt des Menschlichen betrachtet, als Ausdruck letztlich sozialer menschlicher Wünsche, Kränkungen und Phantasien. Technologie ist die Antwort auf eine Frage, die uns manchmal entfällt. Und ihre Evolution verläuft keinesfalls linear in eine determinierte hypertechnische Zukunft hinein, sondern wie alle lebendige Evolution in Brüchen, Widersprüchen, Umwegen. Auch die Technologie kennt ihre Nostalgien, ihre Retros und Rückwärtspfade. Der stolze Vogel unserer Kindheit, die schwanenweiße Concorde, steht heute stolz, aber ausgeschlachtet in den Museen.
Auszug aus Wie wir leben werden von Matthias Horx. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Was würde einen Zeitreisenden, der durch einen kosmologischen Zufall vom Beginn des 20. Jahrhunderts, also über eine Distanz von 100 Jahren, in unsere Zeit geschleudert würde, am meisten erstaunen? Gewiss: Die Wunder der Technologie wären schwer zu verkraften. Einen Jumbo-Jet graziös in einen Abendhimmel abheben zu sehen, in einem BMW die taktilen Feinheiten des Fahrens zu erleben, einem Computer bei der rasenden Erzeugung von Bildern, Symbolen, Vernetzungen zuzusehen - das würde den Pulsschlag unseres Zeitenwanderers sicher stark erhöhen.
Viele dieser Artefakte würde unser Zeitreisender jedoch bereits als Blaupause oder Prototyp kennen. Flugzeuge, Handys, Rolltreppen, selbst der Fernsehapparat hätten Analogien aus einer Zeit, in der das Panoptikum bereits das Kino vorwegnahm, Telefonieren weit verbreitet war (wenn auch nur auf regionale Distanz) und die großen Weltausstellungen die "Wunder des Elektrischen" präsentierten.
Stellen wir uns vor, unser Zeitreisender landet an einem lauen Sommertag mitten in Berlin. Gerade machen sich auf dem Kurfürstendamm die Wagen für die "Christopher Street Parade" fertig. Lederschwule stehen in großen Gruppen herum, rauchen Marlboro Lights und tragen Lederhosen, die hinten offen sind. Fröhliche Lesben, mit Piercings durch die Brustwarzen, knutschen sich, während japanische Touristen das kichernd fotografieren. Was unseren Transtemporären völlig aus der Fasson bringen würde, wären die, wie er das wohl nennen würde, "Sitten und Gebräuche" unserer Gegenwart. Wie "unsittlich" Frauen sich in der Öffentlichkeit kleiden und benehmen (und sie rauchen!). Wie auf riesigen Plakaten aufreizende Unterwäsche mit geilen Körpern gezeigt wird. Wie Kinder mit ihren Eltern reden - überhaupt die ganze plappernde, obszöne Sprache der Jetztzeit, die Bilderwut und optische Dekonstruktion - das müsste unseren armen Zeitreisenden in schwerste seelische Nöte bringen.
Zukunftsforschung hat im vergangenen Jahrhundert vor allem das technische Elemente zum roten Faden gemacht. Wenn wir ehrlich sind, dann haben sich trotz Computer, Handy und Jumbo die meisten dieser Visionen verflüchtigt. Die Autorin Marina Benjamin formuliert in ihrem Buch Rocket Dreams regelrecht beleidigt:
"Wo bleiben sie, unsere Raumstationen, unsere herrlichen Unterwasserstationen, auf denen wir den Rest unseren Lebens mit einem kühlen Martini ein utopisches Leben führen können? (
) Wo bleiben sie denn, die Wundermittel gegen Krebs, die Raumfahrten und Flugautos für jedermann?"1
Dies ist ein Buch über die Kultur der Zukunft. Über die Frage, wie sich Zukunft anfühlt. Über Alltag. Leben. Tod. Es bewegt sich entlang der Frage, wie Komplexität in menschlichen Systemen entsteht und voranschreiten könnte. Das heißt nicht, dass Technologie keine Rolle spielt. Aber Technologie wird hier nicht als Trägerwelle, sondern als Produkt des Menschlichen betrachtet, als Ausdruck letztlich sozialer menschlicher Wünsche, Kränkungen und Phantasien.
Technologie ist die Antwort auf eine Frage, die uns manchmal entfällt. Und ihre Evolution verläuft keinesfalls linear in eine determinierte hypertechnische Zukunft hinein, sondern wie alle lebendige Evolution in Brüchen, Widersprüchen, Umwegen. Auch die Technologie kennt ihre Nostalgien, ihre Retros und Rückwärtspfade. Der stolze Vogel unserer Kindheit, die schwanenweiße Concorde, steht heute stolz, aber ausgeschlachtet in den Museen.