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Der selbst ernannte Geschichtsbewahrer Gillies präsentiert keine "pingelige Chronik", sondern launige bis traurige Stories über Auf- und Aussteiger in einer Zeit, in der sich die ganze Nation in die Wirtschaft verliebt hatte. War 1995 das Internet hier zu Lande noch weit gehend unbekannt, so herrschte zum Milleniumswechsel bereits Goldgräberstimmung. Mit einem Knopfdruck machten Kids auf einen Schlag mehr Geld als ihre Eltern in einem ganzen Arbeitsleben. Cargohose und Ziegenbärtchen waren plötzlich in den Vorstandsetagen der Großkonzerne salonfähig geworden.
Wir erleben innovative, aber schreibschwache Glücksritter, die mit Adressen wie "foegeln.de" ihre schicksalhafte Visitenkarte abgaben, Kids, die direkt vom Sandkasten zum "Managing Director Europe" mutierten -- bis hin zur "nemax nation", dem absoluten Tollhaus des Kapitalismus. Am Ende durchstreift Gillies, der seine Helden gerne mit Western-Metaphern bedenkt, Geisterbüros von Unternehmen, die einst das Börsengeschehen bestimmten. Geblieben sind abgeschaltete Server, formatierte Festplatten, Firmen ohne Geschichte. Eines der Phänomene in einer digitalen Welt.
Übrigens gingen nicht alle Dotcoms im New-Economy-Orkus unter. Besonders ein gewisses, von Gillies häufig erwähntes Unternehmen und sein Gründer finden seine uneingeschränkte Bewunderung. Wir zitieren: "1995: Trip zum Buchhändler. Sieht schlecht aus. Müssen wir bestellen. Nach sechs Wochen wieder in die Stadt fahren. Das bestellte Buch ist natürlich nicht da. Heute: Ein Wort: Amazon. Das nur zur Erinnerung." -- Entschuldigung, aber ein wenig Eigenlob darf erlaubt sein. --Ravi Unger
Constantin Gillies unterhält seine Leser mit allerlei Schnurren aus der Zeit des großen Dotcom-Booms.
Eigentlich ist sie längst überfällig: die soziologische Analyse des Internet- Taumels, der Ende der 90er Jahre von den Deutschen Besitz ergriff. Eine Aufarbeitung jener Ära, in der plötzlich jeder Kegelklub über den Börsengang von T-Online diskutierte.
Constantin Gillies, ehemaliger Internet-Redakteur der "Welt", hat sich daran versucht, leistet diese Analyse aber nicht. Er hat für sein Buch den einfacheren Weg gewählt und schüttet einen großen Sack voller Anekdoten vor seinen Lesern aus. Gillies erzählt von Praktikanten, die für Dax-Konzerne die ersten Internet- Seiten bauen durften. Er lässt die absonderliche Büromode jener Ära auferstehen (Hosen mit Seitentaschen!) und begleitet uns zu den Pink-Slip-Partys der frisch entlassenen Content-Manager und Business-Developer. Wenig Tiefgang, aber eine amüsante Weißt-du-noch-Lektüre für alle, die damals dabei waren.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Drei Tage durchgelesen...,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Wie wir waren. Die wilden Jahre der Web-Generation (Gebundene Ausgabe)
Damals "anno boom" haben wir drei Tage am Stück durchgearbeitet - weils Spass gemacht hat obwohl man trotzdem einen krummen Rücken bekam. Heute sitzt man nach Erscheinen drei Tage hintereinander spät abends auf dem Balkon, schmökert durch "Wie Wir Waren", streichelt zwischendrin mal "remote" den AIBO, der tatsächlich seit Monaten ohne Saft verschlafen in der Ecke vor sich hingammelt und denkt an die Zeit zurück, wo man jeden Tag etwas in die Welt gesetzt hatte, das man vormittags noch nicht kannte.Gillies ist es gelungen, in "Wie Wir Waren" einzufangen, wie wir waren. Höhepunkte, die eigentlich Abgründe waren. Scheitern, das sich als gesund herausstellte: Grotesk und trotzdem treffend. Klar: Es stellt sich die Frage, wieso Gillies die Szenerie, Akteure und die Handlungen in einem Buch nicht auf DVD bündelt?! Aber Gillies hat sich entschieden: Er schreibt halt und schubst keine Pixel. Er dokumentiert, was bisher so nicht dokumentiert wurde. Mit (Sprach-)Witz und aus der Sicht eines Insiders. Man bekommt zwischendrin den Eindruck, dass er die Distanz zum Thema völlig auflösen kann und macht es so noch spannender. Es schreit nach Sammlung der noch nicht notierten Stories, die noch an vielen anderen Stellen schlummern. In einer zweiten Auflage? Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sehr amüsante Schilderung der Dotcom-Zeit,
Von Rolf Dobelli "getAbstract.de" (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Wie wir waren. Die wilden Jahre der Web-Generation (Gebundene Ausgabe)
Es liest sich ein wenig wie eine Liste der "Dont's" für Unternehmer, aber auch daraus kann man ja Gewinn ziehen: Wie die Internet-Firmen Mitte der 90er ihre wilden Gründerjahre begannen, sich zu immer grellerem Täterä steigerten und mit der Börsenrezession Anfang 2000 unter grösstmöglichem Lärm zu Tal krachten, erzählt Constantin Gillies hier im besten E-Commerce-Stil. Vor allem lustig, temporeich und in leicht verdaulichen Häppchen serviert der ehemalige Hofberichterstatter des Dotcom-Adels Anekdötchen und Schrullen aus einer Zeit, als alles gross und sensationell zu sein schien. Gillies verallgemeinert gnadenlos - aus ein paar tausend computerfixierten Chaoten skizziert er eine ganze Generation. Sein ausgelebter Wortspieltrieb will gelegentlich ein bisschen zu witzig sein; "Wie wir waren" ist vor allem ein Spassbuch zum schnellen Stöbern zwischendurch. Aber das passt ja zu einer Wirtschaft, die Zahlen als langweilig, Betriebsprüfer als Spielverderber und Gewinn als entbehrlich ansah. Da ist Gillies doch tatsächlich der Web-Generation, über die er so ironisch berichtet, noch nicht ganz entwachsen. Ein Buch wie eine typische Website jener Jahre, meinen wir: Etwas egozentrisch. Aber lustig.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Habe noch viel Neues gelernt und mitunter Tränen gelacht,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Wie wir waren. Die wilden Jahre der Web-Generation (Gebundene Ausgabe)
Ah, die gute alte Zeit: Fußballtisch im Büro, mit dem Kickroller zur Arbeit fahren, mit „Asahi"-Bier auf die erste Million Venture Capital anstoßen. Gerade mal vier Jahre ist es her - das wilde Wirtschaftswunder der New Economy. Und trotzdem schon fast vergessen. Deshalb hat der WELT-Autor Constantin Gillies jetzt noch alles schnell aufgeschrieben. Sein Buch „Wie wir waren" ist eine Sammlung von bizarren Episoden und grotesken Anekdoten rund um eine Ära, in alles möglich schien.Da liest man von zwanzigjährigen Unternehmern, die ihre Luxusmöbel vor den Aufsichtsrat verstecken. Von Porsches, die als Marketinggag von Hausdächern gestürzt werden. Von frei erfundenen Businessplänen und Wasserpistolenduellen im Büro. Kurz: Von allem, was die New Economy so interessant und liebenswert gemacht hat. Immer unterhaltsam und niemals larmoyant nimmt Gillies die Marotten und Moden der Zeit unter die Lupe: Von Cargo Hose bis Casual Friday, von Moorhuhn bis zum Neuen Markt. Das ganze macht der Journalist so gut, das sogar der Niedergang noch Spaß bringt. „Wie wir waren" ist trotzdem keine Lektüre nur für Insider. Selbst ich, der Teil der New Economy war und immer noch bin, habe noch viel Neues gelernt - und mitunter Tränen gelacht. Klar hat das auch ein bisschen mit Nostalgie zu tun. Aber wer sagt denn, dass man damit ein Vierteljahrhundert warten muss? Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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