Wie vier Schwestern" ist ein gutes Buch. Eines dieser soliden, netten Sorte Jugendbücher, die sich leicht und flüssig lesen lassen und dazu noch durch einen erfrischenden Stil bestechen. Der Sorte Bücher, in der Mädchen nach der Schule in die Welt hinaus ziehen und - mit einer ordentlichen Portion Klischees - sich selbst und die ein oder andere Lebensweisheit kennenlernen. Am Ende sind sie reifer, erfahrener und trotzdem noch die sympathischen Heldinnen, mit denen sich die Leser im selben Alter identifizieren müssen.
So auch Harper, Sophie, Becca und Kate, die aller vier ihr eigenes Abenteuer bestehen und trotzdem - natürlich - die besten Freundinnen bleiben. Klingt ein bisschen wie die Carmen, Lena, Bridget und Tibby aus Eine für vier"? Ist es auch, ganz unsubtil wird schließlich sogar damit geworben und die Titelgestaltung mutet wie der fünfte Band über die Jeans-Schwestern an. Nur leider ist es für die vier Schwestern" nicht gerade förderlich, mit der Schwesternschaft der Jeans auf Reisen" verglichen zu werden, denn in diesem Vergleich verlieren sie letztlich. Die Charaktere sind ein wenig farbloser - nach der Lektüre kann man nicht, wie bei der Jeans", sofort erraten, welches der Mädchen wohl welchen Satz sagen würde - die Ideen ein wenig weniger innovativ (sehr viel mehr Jungs-Geschichten - und man kann, sobald ein neuer Typ auftritt, sofort sagen, ob er was taugt oder nicht, da gibt es keine Überraschungen) und die Freundschaft wirkt nicht ganz so eng. Ebenso was die Tiefe und den Stil angeht - so erfrischen Elizabeth Craft und Sarah Fain auch schreiben, mit ihrem Philosophiestudium hat Ann Brashares ihnen dann doch einiges voraus, wenn es um wirkliche Charakterstudien und Sätze, die im Gedächtnis bleiben, geht. Vielleicht sind die vier Schwestern" zu Beginn älter als die Schwesternschaft" es war, doch trotz eines größeren und detaillierten (dabei aber immer jugendfreien!) Aufgebots an Sex wird ein Erwachsener an Brashares' Büchern wohl letztlich mehr Freude haben.
Trotz allem ist Wie vier Schwestern" wirklich kein schlechtes Buch, im Gegenteil, die Mädchen sind liebenswert und authentisch, es steckt eine Portion Witz drin und ebenso eine Portion Ernsthaftigkeit, gerade wenn beispielsweise die Probleme Beccas mit ihrer Familie oder die Beziehung zwischen Kate und ihrer afrikanischen Adoptivschwester angesprochen werden.
Letztlich ist es auch verständlich, dass die Marketingagentur des Verlages die Auflage so gestaltet hat - ist der englische Titel auch sehr viel kreativer, auch ich habe mir das Buch schließlich gekauft, in der Hoffnung, hier etwas ähnliches wie in Eine für vier" zu finden. Nur leider, leider, leider werden diejenigen Fans, die mit derselben Hoffnung wie ich an dieses Buch herangehen, enttäuscht werden. - Für alle anderen bleibt eine frisches Jugendbuch, das sich locker an einem Sommerwochenende auslesen lässt. Und eines hat das Buch voraus: Anja Galic hat die Übersetzung weit besser hingekriegt, als Nina Schindler die wirklich grauenhafte des letzten Jeans-Buches.