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Wie viel Moral verträgt der Mensch?: Eine Provokation [Gebundene Ausgabe]

Franz M. Wuketits
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

23. August 2010
Jenseits von Gut und Böse?

- Ein provozierendes Plädoyer für einen realistischen Moralkodex

- Eine Autopsie der menschlichen Moralfähigkeit

- Argumente wider eine Diktatur der Moral

Finanzkrise, Doping-Skandale, Wissenschaftsbetrug, Kriege, Mord und Totschlag – ist es wirklich so, dass die Moral schwindet? Oder ist der Mensch überfordert, weil er möglicherweise weniger Moral verträgt, als er sich selbst verordnet?

Wie alle anderen Lebewesen sind Menschen Egoisten, die in erster Linie das Problem des Überlebens zu lösen haben. Dazu benötigt der Mensch Ressourcen, um die er mit anderen im Wettbewerb steht. Von Natur aus ist der Mensch also weder gut noch böse, sondern er macht nur, was ihm sein biologischer Imperativ gebietet. Als soziales Lebewesen ist nun der Mensch auf ein Miteinander mit Artgenossen angewiesen und kann obendrein sein Verhalten und Handeln kritisch reflektieren, was zur Schaffung eines Wertesystems geführt hat.

Franz M. Wuketits untersucht Herkunft und Zweck moralischen Verhaltens und macht Vorschläge für eine Werteordnung, die an die Bedürfnisse des Individuums angepasst sein muss, wenn sie in der Realität unserer gesellschaftlichen Verhältnisse eine Chance haben soll.


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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Gütersloher Verlagshaus (23. August 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3579067540
  • ISBN-13: 978-3579067544
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,2 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 193.302 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Ein provokatives, informatives und unterhaltsames Fachbuch über existenzielle Grundfragen unserer Gesellschaft!" (Arthur Thömmes, lehrerbibliothek.de )

Über den Autor

Franz M. Wuketits, geboren 1955 ist österreichischer Biologe, Hochschullehrer und Wissenschaftstheoretiker. Er studierte Zoologie, Paläontologie, Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Universität in Wien.

Seine Arbeitsgebiete sind hauptsächlich: Geschichte und Theorie der Biowissenschaften, Evolutionstheorie, Evolutionäre Ethik, Evolutionäre Erkenntnistheorie und Soziobiologie.

Seit 1980 lehrt er an der Universität Wien am Institut für Philosphie. Daneben hat er Lehraufträge und Gastprofessuren an mehreren anderen Universitäten wahrgenommen. Seit 2002 ist er stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Konrad Lorenz Instituts für Evolutions- und Kognitionsforschung in Altenberg (Niederösterreich). Er ist langjähriger Mitherausgeber der Publikation Aufklärung und Kritik der Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg und im wissenschaftlichen Beirat (editorial/advisory board) verschiedener Zeitschriften (u. a. Biological Theory, Ludus Vitalis, Universitas).

Er ist Autor verschiedener Bücher zum Thema Ethik, Biologie, Evolution und lebt in Wien.

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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Soziales Leben ohne Moral. 28. September 2010
Format:Gebundene Ausgabe
Angesichts der gerade jetzt nach der Finanzkrise aufkommenden Rufe nach mehr Moral ist das Buch von Franz M. Wuketis geradezu wohltuend gegen den Zeitgeist geschrieben. Sicherlich wird im Lauf der Lektüre deutlich, dass weniger Moral nicht weniger Gerechtigkeit oder Fairness bedeutet. Eher im Gegenteil. Auch mit dem Wunsch nach Fairness verbindet sich dieser Ansatz durchaus, nur nicht über einen ideologischen Anspruch an Moral, sondern über eine ehrliche Eischätzung der menschlichen Lebensformen.

Das Verdienst des Autors besteht darin, die Ergebnisse seiner biologischen Arbeit (Wissenschaftstheoretische Probleme der modernen Biologie, 1978/ Grundriss der Evolutionstheorie, 1989/ Evolution, Erkenntnis, Ethik,. Folgerungen aus der modernen Biologie, 1984) in ethischer und populärphilosophischer Weise zum Tragen zu bringen und mit aktuellen Fragen zu verbinden (Warum uns das Böse fasziniert. Die Natur des Bösen und die Illusionen der Moral, 1999/ Bioethik, eine kritische Einführung, 2006/ Der freie Wille. Die Evolution einer Illusion, 2007/ Evolution ohne Fortschritt. Aufstieg oder Niedergang in Natur und Gesellschaft, 2009).

Der philosophische Ansatz von Franz M. Wuketis geht hier zurück auf das grundlegende Werk von Friedrich Nietzsche über die "Genealogie der Moral" und greift dessen Moralkritik auf, stellt diese aber hinein in einen aktuellen Kontext. Der wissenschaftliche Standpunkt von Wuketis basiert auf Ergebnissen der Verhaltensforschung, die er in grandioser publizistischer Aktivität für die Bildungsdiskussion produktiv macht. Wuketis tritt entschieden ein für einen, wie er es nennt, moralischen Individualismus, der die Bedürfnisse des einzelnen Menschen anthropologisch würdigt. Die Religion kommt insofern kritisch ins Spiel, als dass eine religiöse Vorstellung, die elementare Lebensrechte der Einzelnen unberücksichtigt lässt, ihre Wünsche in die wie auch immer geartete Ewigkeit projizieren muss. Die Beispiele aus der Tierwelt beziehen sich immer nur auf bestimmte Verhaltensweisen und stellen nur Vergleiche dar. So ist der Löwe das Tier, dass zum Nahrungserwerb ständig auf Jagd ist, aber, da er ohne äußere Feinde lebt, dann, wenn er seinen Hunger gestillt hat einfach still in der Sonne liegt und döst, während der Mensch auch danach seine Jagd fortsetzt, wenn er eigentlich "satt" sein müsste bzw. nicht satt wird.

Realistisch ist die Darstellung insofern, als dass Wuketis die menschlichen Verhaltensweisen keinesfalls idealisiert. Er kritisiert Moralsysteme lediglich, weil sie die Bedürfnisse der Individuen unterdrücken und dadurch zu einer Doppelmoral führen. Dies zeigt er an einigen aktuellen Theman auf. Die Befürworter der aktiven Sterbehilfe beispielsweise vertreten das individuelle Recht der Menschen auf ihr eigenes Leben und Sterben, nicht aber das Recht, über das Leben anderer Menschen verfügen zu dürfen oder zu sollen, z. B. weil man ihr Leben etwa für nicht lebenswert hielte, was im Nationalsozialismus unter "Euthanasie" verstanden wurde. Man mag zur Serbehilfe stehen wie man will, systematischer Massenmord wie bei den Nazis ist es jedenfalls nicht. Auch in der Diskussion um die Freigabe von Rauschgift zeigt er auf, dass die Zahl der Opfer der Rauschgiftkriege die Zahl der sog. Drogentoten um Einiges übersteigt. Der Ansatzpunkt für eine grundlegend nicht-moralische Anthropologie steht nicht im Gegensatz zu biblischen Traditionen, trägt aber erneut dazu bei, einen ideologisierten Ansatz als metaphysisch zu entlarven. Insofern ist dieses Buch über die fragwürdigen Folgen von Moral geeignet, die Diskussion über unmoralisches Verhalten in der Wirtschaft zu versachlichen. Es geht davon aus, dass ökonomische Strukturen und Gesetzmäßigkeiten nicht durch moralische Impulse geändert werden können, sondern durch Umlenken und Umsteuern im System selbst. Korruption ist beispielsweise nicht nur deshalb zu bekämpfen, weil sie mit unmoralischen Handlungen einhergeht, sondern weil sie eine massive Schädigung einzelner Ökonomien bedeutet. Die Argumentation gegen Moral ist kein Votum für Rechtlosigkeit, eher im Gegenteil. Nicht moralische Appelle, sondern klare Vorgaben und Strukturen sind gegen die beklagten Folgen der Globalisierung angebracht.

Sicherlich liegt hier kein religiöses Buch vor, und aus theologischer Sicht wäre hier auch zu ergänzen, dass die Verkündigung Jesu einen antimoralischen Zug hat, so wie er die Stärke der Nächstenliebe an die Eigenliebe bindet. Wuketis macht allerdings zu recht deutlich, dass es schon interessant ist, wie sich die weitgehende moralische Integration nach innen mit einer Abgrenzungstendenz nach außen verbindet. Das Buch ist faktisch antimetaphysisch und zeigt, dass sich Nietzsches Gedanken in aktuelle Diskussionen hinein fortsetzen lassen. In vielen Fragestellungen ist weniger Moral demnach oft mehr.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Werte und Normen so ganz ohne Gott ? 30. August 2010
Von Christian Döring HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Gibt es den Werteverfall tatsächlich oder blicken wir wieder einmal zu pessimistisch in die Zukunft? Noch eine andere Frage stellt der Autor seinen Lesern: " . . . ist der Mensch überfordert, weil er möglicherweise weniger Moral verträgt, als er sich selbst verordnet ?"

Zunächst stellt Wuketitis fest, dass der Mensch so wie alle anderen Lebewesen ein Egoist ist. Zuallererst geht es ihm ums Überleben und dazu muss er sich Ressourcen erobern. Der Mensch ist allerdings auch ein Lebewesen, das nur im Miteinander mit anderen Menschen überleben kann und der sein Verhalten und Handeln kritisch reflektieren kann. Aus diesem Miteinander der Menschen hat sich das gegenwärtige Wertesystem entwickelt.

"Wir Menschen sind keine Engel. Dass jeder von uns in erster Linie das eigene Wohlergehen beziehungsweise das Wohlergehen seiner eigenen Familie, seiner engsten Verwandten und dann seiner guten Freunde im Sinn hat, kommt aus biologischen Gründen nicht überraschend." meint der Autor. Soll dies bedeuten wir können nichts für unseren Egoismus - also nur weiter so ?

Wuketitis beantwortet diese Frage nicht eindeutig mit nein. So wie er behauptet unsere Normen seien nicht eines Tages vom Himmel gefallen und auch keine Naturgesetze, sondern "menschliche Konstruktionen", so tritt er dafür ein, dass sich unsere Werte entwickeln, so wie auch wir Menschen uns weiter entwickeln.

Da bringt er auch sogleich ein Beispiel für verselbstständigte Werte und Normen "indem sie -zum Beispiel in der jüdisch - christlichen Tradition- zu Gegebenheiten stilisiert wurden, denen ein höherer, göttlicher Ursprung beigemessen wurde". Auch auf die zehn Gebote geht der Autor ein und sagt auch sie kommen nicht "von oben her" sondern resultieren aus dem Zusammenleben der Menschen.

Für Franz M. Wuketitis geht die Welt nicht gleich Morgen wegen des Werteverfalls unter. Egoismus und Unmoral hat es immer gegeben, wir sollten aber eben nicht vergessen neue Moralvorstellungen genau zu definieren. So vermisst der Autor eine genaue Formulierung der Wertevorstellungen, die die 500 Millionen Europäer miteinander vereint. Wir hören oft das Wort "europäische Wertevorstellungen" so Wuketitis, aber genau formuliert, die Definition in unseren Alltag geholt, dies hat noch keiner. Vielleicht ist es ja gerade das was uns fehlt.

Mein Fazit: Gewagte aber gute Thesen, die sich gut lesen lassen und über die man gut diskutieren kann um weiter gut Miteinander zu leben.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Entzweiend, aber gut 18. April 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch ist auf den ersten 80 - 100 Seiten eine Provokation. Nichts anderes wollte der Autor anscheinend. Habe mich richtiggehend geärgert über diesen "wir brauchen keine Moral"-Ansatz. Der Autor stellt in Zeiten ausufernder Untugenden, um nicht zu sagen Todsünden, die Moral und dass wir mehr davon bräuchten nicht nur in Frage, sondern in Ablehnung. Er kommt dann aber auf den verbleibenden Seiten auf einen Punkt, der mir einleuchtete: Wir brauchen individuelle Moral. Und das dringend. Wir brauchen keine absolutistisch gestellte Moral, denn die führt zu etwas, das wir alle nicht wollen... Er schreibt einerseits biologisch aufgezogen, andererseits aus seiner persönlichen Wahrnehmung. Das Buch ist lesenswert, weil es nicht versucht, einen extremen Standpunkt einzunehmen. Es war zwar kein Monumentalwerk, aber ein paar Einsichten teile ich mit dem Autor. Der Welt wird es besser gehen, wenn wir durch mehr persönliches Wohlbefinden neu in den Tag gehen können. Und das schaffen wir durch in selbst, uns Individuen auferlegten und zugebilligten Moralvorstellungen. Moral kann nicht von oben oder von aussen indoktriniert werden.
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