Der Orginaltitel ist (wie meistens) besser: "Making up the Mind". Ein herrlicher Doppelsinn: einmal "to make up" im Sinne von "etwas erfinden", und dann natürlich "Make up your mind" = "Entscheide dich!" - Denn um beides geht es in diesem Buch: das Gehirn erfindet (die innere wie auch die äußere Welt), und es entscheidet sich fortwährend, und erschafft durch den spezifischen Charakter dieser Entscheidungen SEINE Welt.
Der Autor zeigt, dass die Unterscheidung zwischen dem Geistigen, oer sagen wir besser: dem Mentalen und dem Physischen nicht haltbar ist. Diese Unterscheidung ist nur eine durch das Gehirn geschaffene Illusion. Was immer wir zu wissen glauben, über die Welt "da draußen", oder über meine Welt "hier drin", ist ein Produkt des Gehirns. Dass das für uns so kontraintuitiv ist, liegt daran, dass das Gehirn die vielen unbewussten Prozesse und Schlussfolgerungen, durch die es das Bild einer Innen- oder Außenwelt kreiert, vor uns verbirgt. Wir sehen nur die Benutzeroberfläche. Ich bin (als Ich-Phänomen) nur diese Benutzeroberfläche, die nicht weiß, wie sie zustandekam.
Auch die Illusion eines direkten Kontaktes mit der Außenwelt ist ein Trick meines Gehirns. So haben wir zwei Illusionen. Wie kommen wir aber damit klar, im Alltag ? Indem wir die scheinbar privaten Illusionen vernetzen. Aus dem scheinbar in seiner Höhle sitzenden Ich wird ein WIR, im alltäglichen Abgleich der Gehirne untereinander entsteht Kultur, welche ihrerseits auf das vermeintlich isolierte Gehirn zurückwirkt. Das ist der entscheidende Punkt im dritten Teil des Buches: Wahrheit ist immer ein soziales Konstrukt.
Entscheidend dafür, dass hier keine idealistische Solipsismus-Gefahr aufkommt, ist neben der Kultur des "social brains" die Tatsache, dass dass der Mensch immer schon ein Handelnder ist. Das Gehirn beobachtet nicht desinteressiert vor sich hin, sondern erlebt die Welt als ein Spektrum von Handlungsmöglichkeiten. Aus der verwirrenden Fülle von Eindrücken errechnet es sich in jedem Moment eine innere Landkarte von in die Zukunft weisenden Möglichkeiten. Treibend dabei ist, dass jeder dieser Möglichkeiten ein WERT beigemessen ist. Das verkörperte Gehirn will immer schon etwas erreichen, und interpretiert alle Sinnesdaten dementsprechend.
Fazit: Ein wundervolles Buch, dass Hirnforschung mit Sozialpsychologie und Philosophie verknüpft, und ein in sich stimmiges Bild eines "pragmatischen Konstruktivismus" vorstellt.