Aus der Amazon.at-Redaktion
Geschlagen mit einem Namen wie Karl "Charlie" Kolostrum ist sein Held die ideale Zielgruppe für Ratgeber aller Art, wie "Die große Geschichte der Rockmusik, psychologisch betrachtet" oder "So mache ich mir Freunde". Charlie ist nach Ratgeberdiktion ein "Sitzer". Konkret ein sehr dicker Sitzer, der immer Zweiter ist. Er hat eine Vorliebe fürs Essen, Karl-May-Romane und abenteuerliche Tagträume. Sonst interessiert ihn eigentlich nichts. Gar nichts. Außer Sex natürlich. Damit wir nun sehen, was Ratgeber so alles anrichten, dürfen wir Charlie durch sein Leben begleiten, von Mitte der 80er-Jahre bis in die Gegenwart. Zuerst also im Gymnasium, später dann während des Studiums der Kunstgeschichte, als Klinkenputzer für das Rote Kreuz, als Taxifahrer und schließlich als Sänger.
Das könnte nun eine sehr öde Geschichte sein, doch Glavinic erzählt mit einer gehörigen Portion Ironie vom Leben der "Wicki, Slime und Piper"-Generation, der er auch selbst angehört. Dann lässt er Charlie in einer Reihe von sehr grotesken Situationen auftauchen, etwa wenn seine Freundin eine Gräte verschluckt und er versucht sie mit einem Luftröhrenschnitt zu retten. Klappt natürlich nicht. Oder wie er des Nachts seine 100-jährige Tante Ernestine besucht, da er sich überzeugen möchte, ob sie noch lebt und ihr dabei so einen Schrecken einjagt, dass sie gleich verstirbt.
Verglichen zu seinem ersten Roman Kameramörder, hat Glavinic hier einen ganz anderen Ton angeschlagen, der manche verwirren dürfte. Doch zeigt der Autor damit, dass er auch mit den Methoden des Slapstick und der Groteske umgehen kann, obwohl er manchmal ein wenig zu witzig sein möchte. --Tobias Hierl
Pressestimmen
Kurzbeschreibung
Da wäre zunächst natürlich die Liebe, denn man braucht eine Freundin, um überhaupt zur Geltung zu kommen. Auch den Intellekt sollte man nicht unterschätzen, hier kommt die Kunst des Scheins vor allem Sein. Unabdingbar ist außerdem die Frage nach den finanziellen Ressourcen, schließlich wird die 97jährige Tante, die einen immer so großzügig versorgt, nicht ewig leben. Mit dem Reifezeugnis in Händen wird's allerdings erst richtig kompliziert, vor allem deshalb, weil man noch immer die meiste Zeit sitzt: als Student der Kunstgeschichte unter lauter schönen Frauen, als Taxifahrer im Auto, um Geld zu verdienen, vor dem Computer des Mitbewohners, um zu spielen, und am Küchentisch der WG, um zu essen.
Doch merke: Auch als Sitzer lernt man irgendwann, wie man zu leben hat in einer Gesellschaft, die keine Helden mehr kennt. Und deshalb geschieht etwas mit Charlie Kolostrum, das sein Leben verändern wird.
Der Verlag über das Buch
»Ein tiefkomisches und hochironisches Buch.« Braunschweiger Zeitung
»Dieses hinreißend komische Lehrbuch sollte man unbedingt lesen.« TZ, München
»Ein Buch, das vielen Männern aus der Seele spricht und Frauen interessante Einblicke in männliche Erlebnis- und Gedankenwelten gewährt.« Gesundheit
»Eine Gesellschaftssatire, schön schräg und manchmal auch schaurig... Der Witz des unterhaltsamen und ... äußerst komischen Romans resultiert nicht allein aus dem genüsslich unter die Lupe genommenen Leben eines sympathischen Taugenichts, sondern vor allem aus der bewusst umstandskrämerischen Sprache des Autors, die irgendwo zwischen Loriot und Max Gold angesiedelt ist.« DeutschlandRadio
»Doch soll der böse Schluss dieses gelungenen Romans nicht ganz verraten werden, schließlich ist Thomas Glavinic hier eine Gesellschaftssatire gelungen, die im besten Sinne in der Tradition österreichischer Literatur steht: mit präziser Sprachkraft wird hier eine Art umgekehrter Entwicklungsroman erzählt, der ironisch wie wahr, so humorvoll wie abgründig vorführt, wie man eben nicht leben soll.« Hessischer Rundfunk
»Eine herrlich ironische Zeitreise durch die 80er und 90er.« TV Digital
»Wie man leben soll ist ein Roman aus der Mitte einer Gesellschaft, in der jeder gewinnen will und in der es immer mehr Verlierer gibt, deren einziger Trost das öffentliche Interesse an ihrem Scheitern ist.« editonline.de
»Charlie erzählt sein Leben aus einer erschreckenden Distanz, als hätten die Erlebnisse nichts mit ihm zu tun. Er filtert alle Emotionen und macht sie zu allgemein gültigen Erfahrungen. So entsteht ein oft ungustiöses, schockierendes und zuweilen frustrierendes Spiegelbild einer Gesellschaft, die energielose Looser produziert. Glavinic ist keiner, der romantische Töne anschlägt, und so sind die Darstellungen von Sexualität an der Grenze zum beinharten Sex, dem keinerlei Eros anhaftet. Das muss man aushalten. Aber dem Autor ist es um Aufdeckung zu tun und damit um Gesellschaftskritik. Ich meine: Die Botschaft ist angekommen.« bn. Bibliotheksnachrichten Österreich
»Wie man leben soll von Thomas Glavinic ist eine wunderbare Anleitung zum Überleben für alle Zeitgenossen, die gern ungestraft dick wären, am liebsten von Erbtanten leben würden und partout nicht kapieren wollen, warum zur Vollständigkeit des Daseins eine schöne Frau unbedingt dazu gehört.« Nürnberger Nachrichten
»Thomas Glavinic, 32 Jahre jung und (...) in Graz geboren, hat in seinen vorherigen Romanen in sich geschlossene Soziotope wie die des Schachs, des Fußballs und der Medien satirisch aufs Korn genommen. In seinem vierten Roman nun spitzt er die Erfahrungsmuster einer ganzen Generation grotesk zu und beschert dem Leser damit ein Lesevergnügen zwischen Lachen und Erschrecken.« Lesart »Wer den österreichischen Humor liebt, ist hier auf alle Fälle richtig.« stadtmagazine.de