Eigentlich hieß er Henryk Goldszmit und hat erst als Erwachsener den Namen Janusz Korczak angenommen,unter dem er als revolutionärer Märtyrer der Pädagogik berühmt werden sollte. Schon früh fiel er auf: sein Vater,ein jüdischer Advokat in Warschau,nannte ihn "Träumer" seine Großmutter "Philosoph". Beim Medizinstudium in Warschau fand er sich bald im "Zentrum der radikalen Intelligenz" im Widerstand gegen die russische Besatzungsmacht in Polen.Er profilierte sich früh mit Gedichten,Erzählungen und dem Sensationsroman:"Der Lakei-Tagebuch eines Entgleisten". Als Kinderarzt bedrückte ihn die Ratlosigkeit der Medizin gegenüber den sozialen Ursachen von Elend und Krankheit bes. bei Kindern."Wann werden wir aufhören Aspirin gegen das Elend zu verschreiben!" Ihn fesselte nicht nur das kranke Kind, sondern "das Kind mit allen seinen Problemen ...in der Gesellschaft". So wählte er als Leitwort:"das eigene Leid umschmelzen in Wissen und Freude für andere!" Seine Kommilitonen nannten ihn den "Heiligen für 1 Stunde", und in seiner bedingungslosen Opferbereitschaft hatte er durchaus franziskanische Züge.-- Bei seiner auf Wandlung und sozialem Engagement gegründeten Haltung fühlte er sich als Kinderarzt noch nicht am Ziel- es drängte ihn zur "verständigen Liebe", die sich in praktischen pädagogischen Erfahrungen erweisen sollte: er suchte den konsequenten "Kinderstaat" in Warschauer Elendsquartieren, und er fand ihn im 1911 errichteten Warschauer Heim für jüdische Waisenkinder. Hier sah er seinen Zugang zu:"Wie man ein Kind lieben soll!"Überlegungen dazu hatte er in seiner Studie über das Kleinkind "Bobo" geschrieben, ferner eine Studie über Pubertätsprobleme verfasst und das Urmanuskript zu "Wie man ein Kind lieben soll" konzipiert.In diesen Schriften drückte er sein Engagement für die "verständige Liebe" aus, mit der er die kindlichen Wandlungen von der Geburt bis ins Pubertätsalter durchforschen sollte.Damit hatte er wohl den Rahmen der zeitgenössischen Kinderheilkunde gesprengt, war aber zum Begründer & Lenker einer "pädagogischen Provinz"geworden und wurde Protagonist einer kindgerechten Verhaltenstherapie. Im pädagogischen Zentrum stand die Überzeugung von der Gleichberechtigung des Kindes in der Deklaration des Rechtes des Kindes auf Achtung . In der praktischen Pädagogik dominierte sein Konzept der organisierten Kindergemeinschaft mit kindlicher Selbstverwaltung und Dienst an der Gemeinschaft. Aus dem Gefühl konsequenter Verantwortung und Opferbereitschaft hat er schließlich auch den letzten Gang seines "Kinderstaates" in die Gaskammern einer verbrecherischen Kamarilla von selbsternannten Ariern angetreten. J.E.G. Birsina 22.Dez.2011