Dies ist die erste von rund 120 Fragen, die der Fernsehjournalist Richard Schneider dem charismatischen Theologen und Psychotherapeuten Dr. Drewermann stellte. Ausgestrahlt wurden die jeweils dreißigminütigen Interviews im SFB und auf 3SAT zwischen November 1999 und Dezember 2001. Die hier abgedruckten Texte basieren darauf. Da es sich eher um ein Befragen Drewermanns handelte, empfinde ich die Bezeichnung >Im Gespräch< als irreführend: bei einem Gespräch würde ich erwarten, dass beide Seiten ihre Gedanken und Ansichten darlegen, was hier nicht der Fall ist.
Ein Vorzug dieses Buches ist das breite Spektrum an Themen, die von der aktuellen Weltpolitik bis zum Plädoyer für die Welt der Märchen reicht. Dazwischen werden fast alle Bereiche angesprochen, mit denen sich Drewermann in eigenen Publikationen detailliert und kenntnisreich auseinandergesetzt hat: Jesus Kampf gegen den Patriarchalismus, Liebe als Freispruch, die Trennung von Gott und Welt, von Geist und Körper durch kirchliche Behörden, Fleischverzicht als moralischer Sprung, usw.usf. Nun ist Drewermann der einen Seite zu katholisch, der anderen Seite nicht katholisch genug, den einen ist er zu moralisch, den anderen nicht moralisch genug, aber gerade diese Lebendigkeit, eben dieser Umstand, dass er sich nicht anpasst und den Mächtigen nicht das Wort redet, somit im besten Sinne unabhängig bleibt in seinen Ansichten, dies ist ein Vorzug, den viele Menschen inzwischen zu schätzen wissen. Mich beeindruckt stets seine Ernsthaftigkeit, seine Ausdauer, mit der er gegen den Strom der Spass- und Verschwendungsgesellschaft schwimmt, sowie seine eindringliche Art zu überzeugen. Davon kommt in diesem Taschenbuch viel rüber. Dass bestimmte Fragen ( wie die oben im Titel zitierte oder die Frage nach der Legitimation des Bibelwortes: >Machet euch die Erde untertan...< ) nicht schlüssig oder nachvollziehbar beantwortet werden, liegt möglicherweise auch an der speziellen Situation vor der Kamera; die meisten Antworten sind gerade in diesem Kontext erstaunlich fundiert.