Reclams „Wie interpretiert man einen Film?" (216 Seiten) richtet sich primär an Schüler der Sekundarstufe II und soll die Filmanalyse erleichtern. Folglich nehmen die Methoden zur Filmanalyse den Hauptteil des Buches ein. Erläutert werden alle gängigen Analysemethoden, von der formalen Methode über die psychoanalytische bis zur strukturellen Interpretation. Der Autor Peter Beicken versucht, die Thematik durch Bilder und Beispiele zu veranschaulichen und verständlicher zu machen, was den komplexen Stoff etwas eingängiger zum Verstehen gestaltet. In einem weiteren großen Kapitel behandelt er dabei auch die verschiedenen Filmgenres anhand von bekannten Vertretern, um dann letztendlich einen kurzen Blick auf die Problematik Literaturverfilmung zu werfen. Als Beispiele dienen ihm hierbei Kafkas „Prozess" und Frischs „Homo Faber". Des weiteren sind kurze Interpretationen zu Klassikern des deutschen Films enthalten (u.a. Nosferatu, Metropolis) sowie eine kurze Abhandlung über charakteristische Elemente des Films (z.B. Schnitt, Ton).
In der Praxis nimmt sich das gute Konzept leider recht unspektakulär aus. Zum einen sind die Texte größtenteils sehr knapp gehalten, zum anderen sind die Filmbeispiele recht einseitig. Der Autor referiert zu oft über alte Filmklassiker wie „Der Blaue Engel" oder „Metropolis", um die Filmanalyse zu veranschaulichen. Leser, welche diese Filme nicht kennen, werden an diesen Stellen Schwierigkeiten haben, den Ausführungen zu folgen. Es fehlen einfach Beispiele zu aktuellen und bekannten Filmen, in die man sich problemlos hereinversetzen kann. An anderen Stellen benutzt Beicken explizit die Fachsprache der Filmanalyse, was eine gewisse Vertrautheit mit dem Sujet voraussetzt, da das Glossar sehr knapp verfasst ist.
Letztendlich bietet das Buch fundierte Einführungen zur Filmanalyse, erschwert den Einstieg jedoch durch eine einseitige Auswahl an Filmbeispielen und stellenweise anspruchsvollen Fachjargon. geeignet ist es vor allem für Fortgeschrittene, die schon andere Literatur zur Filmanalyse gelesen haben.