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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
" Eines der häufigsten Koseworte im Ungarischen ist " mein süßes Fleisch". ( Vizinczey), 10. August 2007
" Da einem der Überschwang der Liebe einen emotionalen Blick auf die Ewigkeit gewährt, glaubt man zwangsläufig - wenn auch nur halbherzig-, dass wahre Liebe ewig währt." ( Vizinczey)
"Alles kommt von anderen zu uns...
Sein heißt jemanden gehören." ( Jean Paul Sartre)
Stimmt das wirklich, was Sartre hier gedanklich festhält ?
Der Protagonist dieses zu Recht hochgelobten Romanes ist der in die Jahre gekommene Philosophieprofessor Andras Vajda.
Dieser erinnert sich an die Zeiten von seiner Puberträt an bis etwa zu seinem 40. Lebensjahr und hier in erster Linie an seine vielen Frauenbeziehungen.
Ein hübsches Kind scheint der Ungar Andras gewesen zu sein, den die Freundinnen seiner Mutter gerne an ihre Brust drückten und im Pubertierenden schließlich den sexuellen Hunger- insbesondere auf reifere Frauen- weckten.
Als Andras während des Krieges von seiner Mutter getrennt wird, und viele Tote sieht, bildet sich bei ihm die Einstellung eines Libertins heraus. Er konstatiert, dass Menschen , die zu viele Leichen gesehen haben, offenbar die Hemmungen vor lebenden Körpern verlieren.
Im Flüchtlingslager lernt er Prostitution kennen und arbeitet für die Amerikaner als Übersetzer, Mittelsmann und Kuppler.
Er erkennt, dass die Werte , die Frauen in heimischer Umgebung wichtig waren, in den Flüchtlingslagern nicht von Belang sind.
Diese Frauen fragen nun errötend Vajda - nicht selten in Gegenwart ihrer schweigenden Ehemänner und Kinder - ob die Soldaten Geschlechtskrankheiten hätten und was sie ihnen bieten könnten.
Die Frauen prostituieren sich primär um ihre Familien vorm Verhungern zu retten, sind gewissermaßen aufopferungsvolle Göttinnen der Tugend.
Der Ich-Erzähler Andras lässt aber nicht unerwähnt, dass die Amerikaner häufig jünger und hübscher waren als die Ehemänner und die Stunden mit den Liebhabern unter Umständen durchaus auch eine amüsante Abwechslung darstellen konnten.
Dererlei Betrachtungen seitens des Protagonisten haben niemals einen süffisanten, entwertenden Charakter, denn Andras liebt die Frauen mit all ihren Stärken und Schwächen. Er ist geradezu vernarrt in das weibliche Geschlecht.
Er ist insofern der ideale Frauenmann, aus dessen Munde das ungarische Kosewort " mein süßes Fleisch" die von ihm geliebten Frauen keineswegs nur auf ihren Körper reduzierte.
Noch bevor Andras die Uni besucht, erkennt er , dass gleichaltrige Mädels aufgrund seiner ungestümen sexuellen Lust nicht die geeigneten Partnerinnen für ihn sein können.
Ständig an ihre Junfernschaft denkend, teilweise verklemmt und in der Folge frigide, stehen sie im Grunde seiner Jungmänner - Promiskuität im Wege.
Deshalb wendet er sich Frauen in den mittleren Jahren zu, die seinen sexuellen Appetit teilen und diesen ungehemmt durch gemeinsames Tun befriedigen möchten.
Während er immer wieder erotische Beziehungen zu verheirateten Frauen eingeht, von denen er weiß , dass sie nur die Lust mit ihm genießen, aber keine Ehe mit ihm eingehen wollen, befasst er sich in seinem Studium beinahe beiläufig , wie es scheint, mit den Schriften Kierkegaards, aber auch mit der elenden Lage Ungarns in den 50er Jahren und berichtet von der Geschichte der Niederlagen und vom Überleben seiner Landsleute, deren Köpfe voller Katastrophen sind, die sie beinahe vernichtet hätten.
Noch als Andras seine Doktorarbeit zu Sartres " Theorie der Selbsttäuschung, angewandt auf seine eigene Philosophie" verfasst, gelten seine primären Gedanken fleischig weichen Lippen, festen Brüsten, den Innenseiten der Schenkel und der Quelle des Mysteriums Frau.
Diese Quelle immer wieder neu zu entdecken und ihr lustvoll zu huldigen ist das wahre Bestreben des jungen Vajdas, der fast ein wenig resigniert zu Ende des Romans resümiert: " Aber die Abenteuer eines Mannes im mittleren Alter sind eine andere Geschichte."
Ein kurzweiliger, keinesfalls frauenfeindlicher Roman, von gedanklich hohem Niveau.
Empfehlenswert!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein sehr schönes, nachdenkliches Buch, 30. März 2008
Titelbild und Klappentext könnten die Annahme aufkommen lassen, hier würde einer mächtig mit seinen erotischen Abenteuern angeben. Das ist (zum Glück) nicht so. Dies ist ein durchaus vielschichtiges Buch, das auch sehr viel Eindrucksvolles und Aufschlussreiches über Mitteleuropa zwischen Faschismus (in Ungarn) und den ersten Jahren des Kalten Krieges aussagt. Es ist schon sehr gekonnt, wie der Autor seine persönliche Entwicklung als junger Mann - und das schließt eben die überwiegend beglückende sexuelle Entwicklung ein - aufzeigt. Eingebunden in die zeitgeschichtlichen und lebensgeschichtlichen Umstände der beteiligten Personen, die er mit Respekt und Reflexion schildert.
Ein so nachdenkliches, schönes und zum Teil plötzlich sehr trauriges Buch, das die Liebe in ihren verschiedenen Varianten zum Gegenstand hat, findet man selten.
Schon wegen Maya, Boby und Paola wäre das Buch absolut lesenswert. Und wenn man nicht die Zeit findet das ganze Buch zu lesen, dann möge man bitte wegen Maya die Kapitel 5 bis 9 lesen. Das sind die schönsten Seiten, aber auch fast alle anderen sind sehr lesenswert. Es gibt die schönsten Frauen, doch auch fast alle anderen sind des Interesses des Liebenden wert. Das scheint mir die überzeugend begründete zentrale Aussage dieses Entwicklungsromans aus der Ich-Perspektive.
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eine wunderbare Jungend !, 3. September 2004
Vizinczey Stephen Wie ich lernte, die Frauen zu lieben Schirmer Graf Verlag München ISBN 3 86555 008 8Der Autor berichtet in der Figur des András Vajda über sein Leben. Seine Erinnerungen bilden den Inhalt der Geschichte. Die Erzählung ist voller Witz, Schalk und Wärme bei durchaus ernsthaftem Hintergrund : der junge Held András erlebt den 2. Weltkrieg und das traurige Ende. Politische Unruhen nehmen ihm früh den Vater, während die Mutter ihm eine stille, liebevolle und stets ihm vertrauende Gefährtin bleibt. Unterschwellig durchzieht die ganze Erzählung eine sehr herzhafte, fühlbare Erotik, voller hingebungsvoller Anerkennung und Liebe den Frauen gegenüber. Der Autor muß mit der Pychoanalyse vertraut sein, so wie er seine ersten Begegnungen mit Frauen, den Freundinnen seiner Mutter, beschreibt, und wie er seine Körperlichkeit erfährt. Seine Liebe zu Frauen ist durch diese guten, frühen Erfahrungen ganz allgemein positiv vorgeprägt . Gelegentlich erinnert die Geschichte an einen Entwicklungsroman mit schwer pubertären Sexualphantasien-und Wünschen. Aber der Stil und die Sprache bleiben immer diskret und vornehm. Daneben erfährt man mit einer gewissen Leichtigkeit beschrieben, vielleicht ein wenig zu sehr nebenbei , die politische Enwicklung Ungarns. Nach dem Ungarnaufstand 1956 flieht der Protagonist und ist am Ende dieser Geschichte in Amerika angekommen. Insgesamt ist das Buch in einem heiteren, unterhaltsamen Stil geschrieben. Der Leser merkt , daß mit der entsprechenden psychischen Grundhaltung, einem gut ausgebildeten Selbstvertrauen und ein wenig Glück auch schwere Zeiten zu bewältigen sind. Daß seine ungestüme Jugend eines Tages endet und ihm eine Vorahnung von den mittleren Jahren vermittelt, gibt dem Buch einen ernsthaften Erinnerungscharakter. Cl.B.
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