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Dazu gehört schon Chuzpe. Ausdruckslos vor sich hinberlinernd, trägt ein Mensch, der seine ersten Leseerfahrungen offenkundig erst kürzlich hinter sich gebracht hat, Selbstverfasstes vor. "Avanti Dilettanti", feierte die FAZ das Werk des "Surfpoeten" Ahne, Kultdichter der neuen Ost-Literatenszene. Dagegen die Klage eines irritierten Amazon-Lesers: "Immer wenn ich solche Bücher lese, frage ich mich, warum ich nicht selber schreibe und damit mein Geld verdiene."
Worum geht es hier eigentlich? Fensterguckende Spießbürger, die auf ihre Spießbürgerkissen gelehnt, Anarchos ausspähen. Das Urlaubsalbtraumland Spanien ("Land der Minze, äh..."). Interessante Details wie der Tanz einer Kopfhautschuppe. In "Sechs arme Gonokkoken" werden wir mit feinst Gereimtem verwöhnt. Von versauten Schweizer Politikern, der Kultheldin Regine Hildebrandt, Kackspur- und Vorhautproblemen werden wir -- oft unfreiwillig komisch -- unterrichtet. Rutscht Ahne versehentlich einmal das Wörtchen "fokussieren" über die Lippen, fürchtet der Bildungsfeind schon, zur besseren Gesellschaft gezählt zu werden.
Krude Alltagsbetrachtungen mit Antiklimax-Garantie, gegossen in ungelenke Pop-Prosa, das Ganze vorgetragen mit der Furiosität einer Valiumtablette. Kein Zweifel, Ahnes gesammelte Werke spalten die Geschmäcker wie ein bildungsbürgerlicher Keil. Es darf diskutiert werden. --Ravi Unger
Autorenlesung; 2 CDs, Gesamtlänge 115 Minuten.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
"Dass auch Dilettantismus eine hohe Kunst ist, kann man bei Ahne lernen. Er bewegt sich mit großer Sicherheit auf dem schmalen Grat zwischen Schulaufsatz und Genialität, wo Charme, Komik, gespielte Naivität und Geistesblitze zusammenfallen. Ahne ist die Avantgarde der Unambitioniertheitsdarsteller aus der Elite der Dilettanten." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
"Eine neue und vergleichsweise anspruchsvolle Form der Unterhaltung jenseits von RTL - und ein sichtbarer Aufstand des Echten, Absurden, Hässlichen gegen die leer drehende Hochglanzwelt der Medienvirtualität." (Der Spiegel)