bis zum heutigen tag habe ich keinen roman gelesen, der die zeit 1989/90 besser beschreibt als brussigs <wie es leuchtet>. als ich dieses buch las, fühlte ich mich selbst in die zeit von damals zurückversetzt wie bei keinem anderen ähnlich gearteten buch.
ich war beim erscheinen des hardcovers bei einer lesung, ohne das buch zu kennen. aber was brussig da vorlas, machte mich mehr als neugierig. ich war gefangen beim lesen und wollte nicht mehr aufhören. was kann einem autor besseres passieren. und die problematik, daß es eigentlich keine hauptfigur gibt, kann man getrost bei seite lassen. alle sind sie hauptpersonen, ob sie lena heißen, wilder willi, kathleen bräunlich leo lattke oder albino und und und. sie alle spiegeln das besondere dieser zeit wider, in der alles und nichts möglich schien. da springen erfolgversprechende autoren in den tod, da wird die erste silvesterfeier am brandenburger tor beschrieben, als wäre man selbst dabei gewesen. brussig spart seinen humor auch nicht aus (siehe solimarke/kathleen bräunlich, aber es gibt da noch mehr stellen). er greift aber auch die politische lage auf. besonders bleibt der erste ostdeutsche wahlkmapf hängen mit den coca cola büchsen , die interessanter schienen als politische programme. und haben wir nicht alle nach dem westgeld geschielt und die möglichkeiten, die man damit hatte? und wieviele glaubten, daß man die ddr von innen hätte reformieren können.
brussig beschreibt das alles so real, und das gerade für leute, die das alles miterlebt haben. die westdeutschen protagonisten lattke und der sogenannte albino werden schonungslos beschrieben, das man gleichzeitig symphathie und mitleid empfindent. und es sind die ganzen zahllosen details, die dieses buch so wertvoll machen(siehe transen, mauerfall etc.).
gleich, was die ganze presse loslies, den roman teilweise verriß, ihn mit grass weites feld verglich. vergeßt das alles und lest dieses buch. es hat zwar nie diesen hype von ingo schulzes neue leben erfahren. aber ich habe nie verstanden, warum das so war. brussigs bilder waren in meinem kopf lebendiger und ich konnte mehr mit den protagonisten anfangen. man gönnt lena alles gute und freut sich mit dem fall des aufstrebenden hoteldirektors. wer hat damals nicht alles vom schnellen geld und ruhm geträumt.
dieses buch muß man lesen. es ist zeitgeschichte und sehr gute unterhaltung zugleich. für mich wird sich jeder kommende roman brussig mit diesem messen lassen.