Widmete sich Martin Scorsese in "Taxi Driver" einem, an der Umwelt zerbrechenden Einzelgänger, in "Hexenkessel" zwei Freuden wie sie unterschiedlich nicht sein könnten; so konzentriert er sich in diesem, in eindringlichen Schwarz-Weiß photografierten Drama, dem ehemaligen Box- Weltmeister Jake LaMotta.
Was an "Wie ein wilder Stier" alles Geschmacksache ist, muss nicht diskutiert werden, der Film ist aber alleine wegen Robert De Niro absolut sehenswert. De Niro trainierte monatelang mit dem echten Jake La Motta, studierte seine Kampfstile, seine Aussprache sowie die Mimik. Dieser Aufwand, gepaart mit seinen darstellerischen Künsten, lässt nur eine Aussage zu: De Niro i s t Jake La Motta.
Scorsese drehte den Film, wie gesagt, in Schwarz- Weiß. Eine gewagte Entscheidung, denkt man alleine an den Beleuchtungsaufwand. Rein Handwerklich ist der Film aber trotzdem überragend. Gleitet das Bild zuerst einige Male über De Niros blutigen, von harten Schlägen bearbeiteten Kopf, so breitet sich ein Gefühl aus, als ob man direkt davor stehen würde, als ob man selbst einen Schlag nach dem anderen einstecken müsste. Die Box- Szenen sind unglaublich realistisch, packend und zugleich abstoßend. Was hier alles gezeigt wird ist atemberaubend, zumahl die ausgezeichnete, aber sehr traurige Musik hier ihr übriges tut.
Der Großteil besteht aber aus "Pseudo- Familienszenen", wo La Motta seinen Bruder, oder seine Frau misshandelt. Diese Sequenzen sind unglaublich gut gespielt, aber die Indifikationsfigur ist schlicht und einfach ein Ekel. So muss man sich erst einmal überwinden, der "Held" der Handlung ist nähmlich kein angesehener Wissenschaftler, der eines Tages mit seiner Familie auf der Straße steht, sondern eine agressive Figur.
Der Streifen wurde von den Kritiken teilweise als "verstörend abgestuft", was man auch verstehen kann. Wer will nur einen Film über einen brutalen Versager sehen? Aber hier liegt gerade der Reiz. Beginnt der Film mit Boxkämpfen wo sich La Motta zum Weltemister hinaufkatapultiert, so endet er mit der Einstellung eines alten Fettsackes, der seine Klagen durch einen Spiegel ruft.
Diese "Special Edition" ist jedoch nicht ihr Geld wert, zumahl der auf einem Sticker großartig angekündigte "Audio Kommentar" nicht vorhanden ist. Auf diesem Sticker wird dann auch noch eine Dokumentation angekündigt (das gebotene ist zwar bei weitem nicht schlecht, aber unter einer Dokumentation verstehe ich ein einstündiges Filmchen, das ganz nebenbei auch einen Schauspieler, geschweige denn einen Regisseur zu Wort kommen lässt). Normalerweise sind Menüs egal, aber so etwas unfreiwillig komisches und ohne geringsten Aufwand erstelltes Machwerk ist einfach eine Frechheit. Nur das ausführliche Booklet rettet die DVD ein bisschen. Das Bild ist gut, der Ton rauschfrei, die "Hidden Features" unnötig, das Filmchen "Jakes Jokes" nur noch lächerlich.