Rebecca, Petra, Fabian, Halef, Gülay, Biggi... Das Leben der Jugendlichen aus Berlin-Kreuzberg, geplagt von der Schule, genervt von den Eltern, bildet den Hintergrund des Romans " Wie ein Vogel im Käfig ". Rebecca ist entsetzt, als sie erfährt, daß Halef ihre Freundin Petra vergewaltigt haben soll. Halef, den sie seit langem durch ihren Bruder Fabian kennt und auf den sie ein Auge geworfen hat. Halef streitet alles ab. Aber es steht Aussage gegen Aussage , zudem bekräftigen die Striemen auf Petras Rücken ihre Beschuldigungen. Halef kommt in Untersuchungshaft. In der Folge -beschäftigen sich Rebecca, Fabian und ihre Freunde/Innen eindringlich mit dem Geschehenen. Vermutungen werden aufgestellt, Beschimpfungen werden laut, ausländerfeindliche Parolen finden sich an den Schulwänden wieder. Diskussionen über Männergewalt, über die Unterschiede islamischer und christlicher Kulturwerte sind Themen im Schulunterricht. Kurz vor der Gerichtsverhandlung nimmt Petra ihre Aussage zurück, sie hat unter dem Druck ihres Vaters eine Falschaussage gemacht, er ist der Täter, ihr Vater hat sie mißbraucht und vergewaltigt.
Die Geschichte wird erzählt aus der Perspektive der 16 jährigen Rebecca, ihre Gedankenwelt, ihre Zerrissenheit und Wut bieten Gelegenheiten zur Diskussion. Die Frage nach der Glaubwürdigkeit eines Menschen, nach der Wahrheit ist zentral, polarisiert sich an Rebecca, die ihrer Freundin glaubt und sich gleichzeitig nicht vorstellen kann, daß Halef der Täter sein soll. Der Text läßt sich flüssig und spannend lesen. Die Jugendlichen bleiben in ihren Persönlichkeiten etwas schemenhaft, sie sind in erster Linie HandlungsträgerInnen und erfüllen bestimmte Funktionen in der Geschichte. Die Autorin vermeidet aber Klischees und stereotype Darstellungen. Gut gefallen hat mir die Schilderung des Berliner Großstadtmilieus, das selbstverständliche Mit- und Nebeneinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Familienerfahrungen. Die Auseinandersetzungen im Buch sind nahe am Alltag von Jugendlichen, gleiches gilt für die Sprache. Ein Roman, der einen bis zum Schluss nicht mehr los lässt.