Luyendijk will die Arbeitsweise und Bedingungen des Journalisten im Nahen Osten zeigen. Dabei kommt auch das Eingeständnis heraus, dass die verfügbaren Nachrichten oft von zweifelhafter Herkunft sind. Er beschreibt seine Arbeit als Journalist und Korrespondent als einen Prozess zunehmender Ernüchterung. Vom Berichterstatter zu einem Moderator von den Nachrichten, die andere machen reduziert. So wird z.B. im Alltag der Berichterstattung israelischen Menschenrechtsverletzungen mehr Platz eingeräumt als denen, für die beispielsweise die arabische Seite verantwortlich ist, auch wenn diese gravierender sind. Der Autor nennt Gründe, warum eigene Recherche nur in sehr eingeschränktem Masse möglich ist, so dass man von unüberprüfbaren Daten abhängig ist. Mehrere Faktoren schieben sich wie Filter zwischen die tatsächliche Realität und ihre Vermittlung als Bericht in Zeitung, Radio und TV. Die größte Schwierigkeit, verlässlich aus arabischen Ländern zu berichten ist, dass es sich bei diesen Ländern um Diktaturen handelt. Seriöse Berichterstattung ist daher unter den Bedingungen einer Diktatur nicht möglich. Es gibt in arabischen Ländern keine freie Meinungsäußerung oder Infoverbreitung. Es herrscht ein Klima der Unterdrückung und Gewalt. Der Journalist kann auch vieles schon deshalb nicht berichten, weil er um die Sicherheit der Menschen, über die er berichtet, fürchten muss. Viele Geschichten bleiben ungeschrieben, weil freie Recherche nicht möglich ist.
In der Medienwelt zählt das Bild. An welches Land denkt man wenn die Begriffe Folter" oder unmenschliche Haftbedingungen" fallen? USA, Guantanamo. Man denkt nicht an Marokko, Ägypten, Libyen, Iran- obwohl in jedem dieser Länder die Haftbedingungen um ein vielfaches schlimmer sind als in Guantanamo und Folter dort alltäglich ist. Aber aus arabischen Ländern gibt es keine Fotos und keine Berichte.
Ein libanesischer Anwalt, so wird berichtet, vertrete nur reiche Mandanten, denn wenn man den Richter nicht bestechen kann, ist es sinnlos, überhaupt einen Prozess zu führen. Alle gesellschaftlichen Bereiche sind durchdrungen von diesem System der Unredlichkeit. Es verhindert jede freie Entwicklung der Gesellschaften, politisch wie ökonomisch.
Ein interessantes Buch, wenngleich die Kritik an Israel überzogen erscheint. Der Autor bringt nicht zur Sprache oder ignoriert, dass es auch religiöse Gründe für das gibt, was er kritisiert. Die arabischen Kulturen und die arabische Politik sind stark von der Religion bestimmt. Sonderbar, wenn davon ein Journalist nichts wissen will.