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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Taubheit ist komisch?, 25. April 2009
In diesem ungemein klugen Roman von David Lodge heisst es einmal: Taubheit ist komisch. Tod ist tragisch.
Das könnte auch der Titel dieses Romans sein, denn Taubheit und Tod sind die beiden Säulen dieser autobiographischen Erzählung. Die eigene Taubheit des Ich-Erzählers wird immer wieder zum Schmunzeln verführen, weil Lodge mit unglaublich viel Witz diese Behinderung beschreibt.
So entstehen Sätze wie diese: Es fetzte der letzte Zankscheich urlaut war nur Scheiss. Doch in Wirklichkeit wurde gesagt: Ich sagte, der letzte Frankreichurlaub war zu heiss, wir verbrachten die meiste Zei in unserem Landhaus. Dieses ist nur ein Beispiel und macht deutlich was die Übersetzerin Renate Orth-Guttmann für dieses Buch leisten musste.
Es wirkt trotzdem so als ob es übersetzt worden wäre, auch wenn das meistens wohl unmöglich war.
Die andere Seite dieser Geschichte beschreibt auf eindringliche Weise den Prozess des älter werdens. Desmond Bates gehört zwar auch schon zum alten Eisen, doch sein Vater ist natürlich entsprechend älter. Der Sohn kann seinen Vater noch auf den letzten "Metern" begleiten und sieht so den Verfall dieses Menschen, der einst ein fröhlicher Charakter war. Hier setzt die Tragik ein, doch Lodge versteht sogar diesen Passagen, in denen Vater und Sohn sich wieder näher kommen, eine lustige Seite abzugewinnen, ohne dass es albern wirkt. Schliesslich wird dem Leser deutlich, dass die paar Jahre die zwischen Desmond und seiner Frau und den übrigen Protagonisten liegen, ziemlich unerheblich sind. Denn jeder bewegt sich auf diesen Moment zu, wo er vielleicht zum Gespött wird oder auch andere anekelt durch seine Verhaltensveränderungen. Es ist nur eine Frage von 20-25 Jahren und was ist das schon in einem ganzen Leben mit unterschiedlichsten Phasen, von total aktiv bis zum bitteren Ende.
Lodge wird gerne mit Philip Roth und J.M. Coetzee verglichen und das ehrt ihn, doch beiden Vorbildern fehlt dieser herrliche, selbstironische Humor, der Lodge so einmalig macht.
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Frühpensioniert --und was kommt dann?, 10. April 2009
Schon der Einband signalisiert Aufmerksamkeit!
Da neigt einer sein Ohr, um besser zu hören.
Und um das Hören geht es im Buch auf vielfache, teils humorige und teils ernste und komische Weise.
Desmond Bates, Professor für Linguistik, leidet schon länger an Hörschwäche, so dass er sich früh pensionieren ließ.
Was er zuerst noch genießen konnte, das wächst sich schon bald zu einem Gefühl des Überdrusses aus. Seine Frau hat sich spät erst mit einer Freundin ein Geschäft für Innenarchitektur und Textilien aufgebaut. Nun ist sie viel beschäftigt und es ist an Desmond, den Haushalt zu versorgen.
Komisch und anrührend erzählt er von den Missverständnissen, die durch seine Schwerhörigkeit ausgelöst werden. Wer sich schon einmal im Umfeld von Schwerhörigen bewegt hat, wird schnell verstehen, welcher Art und wie irritierend die Verständigung werden kann. Desmond Bates macht recht detaillierte Angaben zu Art und Schwere seiner Hörstörungen. Die Geräte, die zur Behebung der Schwerhörigkeit entwickelt wurden, erfahren makaber- skurrile Würdigung. Da kann es vorkommen, dass die Batterie ausfällt, das Gerät beim Wechseln der Batterien aus den Händen gleitet, sich auf Strassen verflüchtigt oder unter Autositzen verklemmt.
Die regelmäßigen Besuche bei seinem noch viel älteren Vater zeigen ihm sein mögliches Abbild in noch späteren Jahren: einen knauserigen Alterscharakter, der an Heizung, Kleidung, am Taxi und Restaurantbesuchen spart.
In einem Exkurs hört man von der Abgeschlossenheit der Gehörlosen von der Welt, wie sie in der Literatur, bei Goya und Beethoven zu finden ist ; Blindheit zählt zur Kategorie der Tragik, während Taubheit eher der Dummheit und Komik zugerechnet wird.
Bates denkt, Taubheit sei leichter erträglich als Blindheit. Doch beide Behinderungen sind Ausdruck von Deprivation. Das Tragische gegen das Komische, das Poetische gegen das Prosaische. Das Sublime gegen das Lächerliche,--in dieser Weise sind Blindheit und Taubheit anthitetisch.
Was als Roman deklariert ist, zeig den Ernst und die komisch-traurigen Seiten eines realistischen Zustands, der tausendfach das Leben einzelner beeinträchtigt. Desmond Bates zeigt sich als wacher Geist, der alles beobachtet und seinen außergewöhnlichen Zustand mit Ironie und Witz zu begutachten weiß.
Was man von ihm außer den Alltagserlebnissen noch so erfährt, das betrifft Universitätskollegen, eine psychopathische Linguistikstudentin, seine Ehe, Kinder und immer wieder die Eindrücke über das Altern des Vaters. Bates ist sympathisch, selbstkritisch und rührend in seinem Verständnis allen jenen gegenüber, die er mit seiner Schwerhörigkeit nervt.
In der Form eines Tagebuches hat er seine Erlebnisse festgehalten. Sie treffen den Alltag genau, sind realistisch, uneitel und frei von Selbstmitleid.
David Lodge hat eine Altersstudie betrieben. Ganz im Gegensatz zu den gängigen Geschichten über Familie, Jugend und Liebeserlebnisse geht es hier um das Alter mit allen Begleiterscheinungen. Die Geschichte klingt so authentisch, dass man sie als echte Erfahrungen wahrnimmt. Klug und listig, weise und erfinderisch sind die von Taubheit Bedrohten. Und klug und witzig ist die Geschichte, die einmal das Alter unter die Lupe nimmt, um zu zeigen, wo ein jeder bei entsprechender Lebenserwartung enden kann. Ein Roman, der in seinem literarischen Wert einem Philip Roth oder J.M. Coetzee ebenbürtig ist.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schwerhörigkeit leicht gemacht, 13. April 2009
Das neue Buch von David Lodge gehört in die Hand eines jeden, der schwerhörig ist oder Schwerhörige im Familien- oder Bekanntenkreis hat. Hier erfährt er auf mitfühlende - und trotzdem amüsante Weise - wie der Schwerhörige "tickt", welche ungeheuren Probleme man zu bewältigen hat und warum man vielleicht manchmal komisch reagiert. Spannend bereits am Anfang die Zusammenfassung eines Gesprächs mit seiner Frau in ca. 10 Zeilen und dann ein Protokoll des wirklich statt gefundenen Gesprächs auf mehreren Seiten mit den vielen Wiederholungen und Missveständnissen durch die Schwerhörigkeit. Darüberhinaus wird der liebevolle Umgang des Schwerhörigen mit seinem alten Vater geschildert. Einer der Höhepunkte ist seine Teilnahme an einem Kurs zum Lippenablesen, um den Widrigkeiten des Alltags trotz zu können. Ein Buch, dass lange im Gedächtnis bleiben wird, nachdem man es aus der Hand gelegt hat.
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