Auch wenn es gelingt, den zumeist mißtrauisch wie fasziniert beäugten 'Kathedralen der Neuzeit', also den pompös ausgestatteten Großkliniken auszuweichen, werden wir uns immer mal wieder in eine ärztliche Praxis begeben (müssen), wo es größtenteils dann aber nicht um die Feststellung von Gesundheit oder Krankheit geht, sondern zumeist um die Frage, ob wir als arbeitsfähig oder -unfähig gelten. Was wir uns dann wünschen, ist sicherlich nicht ein High-Tech-Arsenal, das die (Mensch-)Maschine wieder runderneuert, sondern in einer sicherlich bleibenden asymetrischen Beziehung ein berechtigtes Stück Gehör für die eigenen Sorgen, Nöte etc. kommunizieren zu können. Ein möglichst kompetentes Zusammentreffen zwischen Experte und Laie, bei dem am Ende beide Seiten voneinander erfahren und gelernt haben. Visiten (als inszenierte Rituale) im Krankenhaus oder Sprechstunden in einer ärztlichen Bestell-Praxis verlaufen immer noch zu oft am Ende paradox, weil beide Seiten sich möglicherweise gegen- oder oft auch nur einseitig mit Fakten füttern wollen, anstatt sich in sozialen Kompetenzen zu üben, die einen Dialog ermöglichen.
Dieses Buch verspricht mit einer spannenden doppeldeutigen Fragestellung, dass beide Seiten über die Schwierigkeiten des jeweils anderen in einen Reflexionsprozess zueinander in Beziehung treten können. Eine Beziehung, die dadurch charakterisiert ist, dass Laienkompetenz nicht einseitig vor Expertentum kapitulieren muss, sondern einen hohen, weil vielfältigen, subjektiven Wert besitzt.
Gesundheit ist keine einseitige und schon gar nicht passive Angelegenheit und Krankheit sollte nichts mit Geheimwissenschaft zu tun haben, die nur ebenfalls einseitig erhoben und gedeutet werden darf.
Ein gelungener therapeutischer Prozess verlangt immer beide Seiten - wie in dieser Lektüre ein unterschiedliches Autorenteam beide Sichtweisen gleichberechtigt zusammenführt!