Obwohl die Ozeane über zwei Drittel unseres Planeten einnehmen, den meisten Sauerstoff produzieren und den größten Teil des irdischen Lebens beheimaten, wissen wir doch nur wenig über die Welt des Wassers.
Stefan Rahmstorf und Katherine Richardson liefern in ihrem Buch daher nicht nur eine umfassende Darstellung dieses vielfältigen und hochkomplexen Lebensraums sondern widmen sich insbesondere der immer dringenderen Umweltproblematik.
Die Autoren erläutern nach einer kurzen Einführung in die biologischen und chemischen Mechanismen und Stoffkreisläufe der Weltmeere die wichtigsten Gefahren die, verursacht durch Klimawandel, Überfischung, Müll- und Giftstoffverklappung, nicht nur den dortigen Habitaten drohen, sondern langfristig unser aller Leben entscheidend beeinflussen werden. Während beispielsweise der zunehmende Treibhauseffekt bedingt durch den anhaltenden CO2-Ausstoß den meisten Menschen bekannt sein wird, ist hingegen vielen nicht bewusst, dass auch die Ozeane immer mehr CO2 aufnehmen, da Atmosphäre und Wasseroberfläche wie alle Gemische stetig um Konzentrationsausgleich bemüht sind. Durch diese Anreicherung aber wird das Wasser mit der Zeit immer saurer, bis zu dem Punkt an dem chemische Prozesse wie der Aufbau von Kalziumkarbonat nicht mehr möglich sein wird - ein unverzichtbarer Baustein für Muscheln, Korallen und viele andere Kleinstlebewesen. Gleichzeitig wird durch die fortgesetzte, massive Überfischung auch das ökologische Gleichgewicht langfristig massiv verändert. So führt eine übermäßige Muschelentnahme vielerorts zur deutlichen Sauerstoffabnahme, da dort nun das Phytoplankton überhand nimmt, was zu Algenblüte führt und zur Verschlechterung der Wasserqualität beiträgt. Anhand dieser zwei Beispiele erahnt man bereits die vielfältige Verzahnung des Ökosystems Meer.
Sehr detailliert, aber immer leichtverständlich, zeichnen die Autoren nicht nur ein umfangreiches Bild der bereits bedrohlichen Lage sondern bemühen sich auch um eine möglichst exakte Prognose für die Zukunft.
Noch, so die gute Nachricht, halten wir die Zukunft in den Händen. Doch wenn die Chance einzugreifen ungenutzt verstreicht, werden die Konsequenzen drastisch, wenn nicht gar verheerend ausfallen. Trotz, oder vielleicht gerade wegen, ihres kühl-sachlichen Schreibstils ist den Autoren ein sehr aufrüttelndes Buch gelungen, die sowohl nachdrücklich auf die gewaltigen Herausforderungen hinweist vor denen die Menschheit im kommenden Jahrhundert stehen wird als auch die phantastische Schönheit der marinen Welt beschreibt, die es um jeden Preis zu schützen und zu bewahren gilt.