Dieses Buch zeichnet ein sehr detailgenaues Bild des bäurischen Lebens in der Schweiz um 1850. Der Held ist ein, wie sollte es auch anders sein, Knecht namens Uli. Dieser ist zu Beginn der Geschichte alles andere als fleißig und pflichtbewusst, sondern eher Wein, Weib und Gesang zugetan. Nachdem sein Meister ihn aber mehrmals ins Gebet nimmt, reißt Uli sich zusammen und macht aufgrund seiner immer tüchtigeren Arbeit gute Werbung für sich, was ihn zum Meisterknecht mit höherem Verdienst auf einem anderen Hof macht. Dort bringt er alles auf Vordermann und verdreht nebenbei und eher unfreiwillig dem einen oder anderen weiblichen Angestellten und/oder Familienmitglied den Kopf. Er hat mit faulen Arbeitern, Intrigen, falschen Versprechen und misstrauischen Meistern zu tun. Das alles scheint aber dem mittlerweile gereiften Uli nichts anhaben zu können und am Ende wird sogar geheiratet.
Jeremias Gotthelf verschafft uns Lesern einen sehr genauen Blick auf das Leben der Bauern, indem er alltägliche Begebenheiten fast minutiös beschreibt, ob es sich dabei um das Essen, das Heiraten, das Eheleben oder das Arbeiten auf dem Hof handelt, besser wird das kaum ein Geschichtsbuch darlegen können. Leider verläuft der Autor sich manchmal ein wenig und weniger wäre dann deutlich mehr gewesen. Ich hatte desöfteren das Gefühl, dass es nicht wirklich voranging. Vor allem in den Kapiteln, in denen der Baumwollhändler mit des Meisters Tochter anbändelt und Uli nur noch zu einer Randfigur verkommt, ist das besonders deutlich zu spüren. Nicht zu vergessen hierbei, dass man sich sowieso schon durch den, zumindest für mich, oft völlig unverständlichen schweizer Dialekt arbeiten muss, so dass dann eine Stagnation in der Geschichte doppelt schwer wiegt. Größtes Manko ist aber, das die Entwicklung Ulis dafür, dass es sich hier um einen Entwicklungsroman handelt, viel zu schnell abgeschlossen zu sein scheint. Wenigstens hatte ich das Gefühl, dass sich bei ihm seit der Ankunft auf dem neuen Hof nicht mehr viel ändert. Manchmal muss er noch seinen alten Meister um Rat fragen, das stimmt, aber das ist ja nun nicht unbedingt Zeichen einer noch nicht abgeschlossenen Entwicklung. Den gefestigten Charakter hat er nach wenigen Seiten schon.
Insgesamt tendiere ich also am ehesten zu 3 Sternen, also Mittelmaß. Denn das passt, bis auf die Beschreibung der einzelnen Charaktere, die ist psychologisch sehr gut, auf alles an bzw. in diesem Buch. Außerdem ist mir der erhobenen Zeigefinger, Gotthelf war ja Pfarrer und wollte dementsprechend natürlich seine Moralvorstellungen unter seinen Lesern verteilen, vor allem im letzten Kapitel ein bisschen zu weit erhoben.