Gert Scobel, einer großen Zahl von an Kultur und gutem Fernsehen interessierten Menschen in Deutschland und Österreich aus seinen Sendungen bei 3 SAT bekannt, hat ein Kinderbuch geschrieben und es von der Japanerin Ayano Imni zauberhaft und zart illustrieren lassen.
Es ist die Geschichte eines kleinen Jungen namens Niklas, der nach dem Tod seines geliebten Hundes Lola in seiner Trauer versinkt und mit der Hilfe der Weisheit eines alten Mannes, dem er begegnet, "ins Herz der Welt gerät" und wieder Freude am Leben findet.
"Nichts konnte Niklas mehr freuen, seit sie gestorben war. Jedenfalls nicht richtig. Selbst wenn er mit seinen Freunden spielte, war es nicht mehr dasselbe wie früher. Alles war in Traurigkeit getaucht. Deshalb wollte er am Morgen nicht aufstehen und am Abend nicht schlafen gehen. Er vermisste Lola sehr. Wie anders das Leben war ohne sie. Er hatte sie so geliebt. Und jetzt war Lola tot."
Seine Mutter versucht ihm das Leben in der Trauer um seinen Hund leicht zu machen, aber Lola fehlt ihm. Dass es Herbst ist und alle Blätter fallen, macht ihn auch nicht gerade fröhlicher. Die Blumen im Gartenholzkasten seiner Klasse sind verblüht und die Lehrerin nimmt sie heraus. Da erinnert sich Niklas an einen Satz, den die Lehrerin einmal gesagt hatte: "Man sieht die Schönheit der Dinge immer erst, wenn sie weit weg oder verschwunden sind."
Ein wahrer Satz, wie Niklas jetzt erlebt. Denn auch das Spielen mit anderen Hunden hilft ihm nicht viel weiter und er ist voller Erinnerungen an Erlebnisse mit Lola.
Eines Tages trifft er auf einen Bank unter dem großen Ahorn in der Nähe seines Hauses einen alten Mann. Sie kommen in ein zunächst schweigendes Gespräch, das sie in den kommenden Tagen vorsichtig mit Worten fortsetzen. Auch dem Mann ist das Liebste gestorben, seine Frau Martha. Und Niklas lernt selbst zu spüren, was ihm der alte Mann nach vielen Gesprächen so erklärt:
"Aber manchmal spüren wir auch die Kraft des Lebens viel stärker. Wir spüren dann all das, was und nahe ist, und all das, was sich weit weg in unendlicher Ferne befindet. Und dabei geraten wir unmerklich ins Herz der Welt."
Ein wunderbar philosophisches Bilderbuch ist Gert Scobel gelungen über den Tod, die Trauer, die Freude am Leben und eine Transzendenz, die bewusst versucht, ohne religiöse Formeln auszukommen und gerade darum tief religiös ist.