Die Sprengung ist mir nicht ins Gesicht geschlagen, da ich das Ende bereits kannte und mich schwach erinnerte. Das Wort AIDS wird übrigens nie erwähnt, Charlie spricht von Tobys besonderer Krankheit, doch man muss kein Mediziner sein, um eben diese Krankheit zu erkennen. Ich denke, die Vermeidung der Bezeichnung ist zeittypisch und zeigt die Ignoranz der Betroffenen und des Milieus.
Charlie, Rodney, Roland, Edna und die anderen sind die haute volée am Mittelmeer, in New York und in den Berkshires. Max, der eigentlich nicht dazu gehört und hineinpasst, wird durch die 'Freundschaft' mit Arthur, später durch das Votum von Charlie und durch eine gute Erbschaft 'integriert'. Aber er bleibt immer ein Außenstehender, der zeitweilig völlig aus der Gesellschaft heraus und in sein Professorenleben geht. Deshalb ist es die Geschichte as Max saw it, die jemand erzählt, der zwar dabei, doch nicht mittendrin ist, der teil nimmt wie ein Beobachter, doch nicht teil hat wie ein Betroffener.
Die Novelle entzieht sich Kategorisierung, es ist kein Gesellschaftsroman (hat jedoch Teile davon), es ist kein Schwulendrama (hat jedoch Teile davon), es ist kein Heldenepos über Freundschaft, Treue und Liebe (hat jedoch Teile davon). In den Rezensionen taucht bisweilen die Frage auf, wie und warum Begley über Schwule schreibe und ob das überhaupt könne, vielleicht sogar dürfe? Es treten schwule Charaktere auf so wie andere auch; Camilla ist ein ziemlicher Vamp - wird die Story dadurch zur Nymphomanenkisten? Zum zweiten Teil der Frage, ob er das könne, sei gefragt, ob man im Krieg gewesen sein muss, um einen Roman zu schreiben, der im Krieg spielt? Oder Satanist sein muss, um darüber zu schreiben?
Für die Tiefen, die Begley ansteuert, ist der Roman recht kurz, so dass manches an der Oberfläche bleibt. Das stört die Handlung nicht, es bricht sie eher auf die kühle Beobachtung, die nicht in Emotion aufgeht, sondern beschreibt. Trotzdem werden starke Charaktere eingeführt, der stärkste von allen ist Charlie, der eigentliche Protagonist. Ich finde die Figur meisterlich beschrieben in ihren Brüchen, Anspielungen, Manierismen und Verzweiflungen. Charlie ist der tragische Held, der alles andere als tragisch sein will und bewusst daraus ausbricht, um sich kurz darauf in die Rolle zu ergeben - bis zum nächsten Affront, bis zum nächsten Bruch (um nicht gebrochen zu werden?).
Toby, die Edelnutte, geht an sich selber zugrunde; schön und anbetungswürdig, ist er zugleich selbstverliebt und ignorant; eine Art verkürzter Dorian Gray. Doch auch er ist gebrochen: Auf der einen Seite das strahlende Leben des schönen Bonvivant, auf der anderen Seite die Suche nach Halt und Unterstützung bei Charlie und in Max, der zu einer Art Mentor aus der Ferne wird. Sicherlich ist Toby ein tragischer Held en miniature, zum wahren Helden fehlt ihm jedoch das Format und die Selbsterkenntnis. Sein Tod ist so traurig wie unvermeidlich.