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Die Begegnung mit einem blinden Mädchen öffnet Lukas die Augen für die Schönheit der Welt. Doch je mehr er sieht und erkennt, deso mehr gibt es zu verlieren.
Eigentlich braucht er niemanden, findet Lukas. Alleine, aber glücklich streift er durch die Stadt. Doch dann trifft er Sonja, ein blindes Mädchen, die ihn völlig aus der Fassung bringt. Selbstbewusst lädt sie ihn zum Schwimmen und in ein Restaurant ein und zeigt ihm eine Welt, wie er sie noch nie gesehen hat. Plötzlich spürt Lukas alles viel intensiver, das Licht in den Straßen, den Wein auf der Zunge, eine zarte Berührung. Lukas weiß, dass er Sonja nicht mehr verlieren will, nur wie er das schaffen kann, weiß er noch nicht.
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Lukas wünscht sich zum Geburtstag vier Tage allein in München. Er wird vierzehn, kommt sich recht erwachsen vor und liest Beckett. Überhaupt ist Lesen das, was er am liebsten tut - außer Leute beobachten natürlich.
Sein Vater ist Meister im Schweigen und der Großvater redet auch nicht mehr. Lukas findet das blöd, aber eigentlich schweigt auch er genauso ausdauernd - was er aber niemals zugeben würde. Die Mutter legt Horoskope, Tarotkarten und Sternkarten.
Jeden Satz, jedes Wort dreht Lukas dreimal im Kopf herum, bis er es rauslässt. Kein Wunder, dass er vielen merkwürdig erscheint. Und natürlich ist er in der Pubertät, was alles noch viel schlimmer macht.
Als ihm sein Geburtstagswunsch nicht gewährt wird, haut er einfach auf eigene Faust ab. Er trifft die blindes Sonja (genauer gesagt, stolpert er über sie), glaubt ihr erst die Blindheit nicht, weil sie als Kellnerin jobbt, weil sie so viel von der Welt mitbekommt, weil sie ihn sogar zum Schwimmen mitnimmt. Und plötzlich ist er verliebt, wehrt sich dagegen, bricht aber doch manchmal sein Schweigen, jedenfalls Sonja gegenüber. Was ihm früher belanglos schien oder gar verrückt, wird plötzlich selbstverständlich. Wie Wein schmeckt und dass es eine Stelle in der Maximiliansstraße gibt, an der das Licht einen ganz besonderen Geschmack hat.
Ani, sonst für Spannung und Krimi bekannt, hat diesmal ein eher ruhiges Buch geschrieben, ein bewegendes Porträt des pubertierenden Lukas gezeichnet, zart, verhalten. Ein bisschen „Der Fänger im Roggen", ein bisschen Beckett und sehr viel eigenes aus München, aus Obergiesing. Die erste Liebe und wie sie einem Jungen zusetzen kann, fern von aller Coolness. Kein Page-Turner, sicher nichts für jeden, aber vielleicht entdecken ja auch Jugendliche, die sonst eher Krimis oder Fantasy lesen, wie Licht schmeckt und dass auch ruhige Bücher spannend sein können.
(c) Hans Peter Roentgen, Textkraft Moderator
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