Pressestimmen
"Der geschmeidige Ton ihres Buches und die stets mit großer Sympathie verfassten Porträts (...) wichtiger Figuren der Kunstszene sind auf Verführung angelegt." (taz)
Spiegel, 10/2005
Von den Profis lernen heißt kaufen lernen: wen beispielsweise nur der Profit antreibt, der muss von Kunst in Wahrheit nicht viel verstehen. "Wer dieses Spiel durchschaut, braucht kaum noch auf das Werk zu schauen", behauptet Blomberg. So reichen im Grunde ein paar Informationen über den Künstler. Man müsse wissen, bei wem er studiert, welche Stipendien er bekommen und wo er ausgestellt habe, wer ihn vertrete, wer über ihn geschrieben und welcher Kurator sich zuletzt für ihn interessiert habe. Wenn man da die richtigen Adressen und Namen nennen könne, da dürfte am Markt "fast nicht mehr schief gehen". Die Betonung liegt auf fast. Denn die Bewertungskriterien veränderten sich, das gibt Blomberg zu, "fast ebenso unablässig wie die Schnitte der Haute Couture". Deshalb seien "Insiderwissen und Erfahrung" nach wie vor notwendig.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Financial Times Deutschland, 19.7.2005
Von Umsätzen und Preisen wird ungern geredet. Und wenn, nur im kleinsten Kreis. "Der Kunstmarkt ist einer der undurchsichtigsten überhaupt", kommentiert Blomberg. Geld verdient wird trotzdem kräftig. Laut aktuellem Geschäftsbericht der Kunstversicherung Axa Art haben allein die großen Auktionshäuser 204 weltweit 3,5 Mrd. $ mit Kunstversteigerungen umgesetzt. Inzwischen gehören Erwerb und Vorzeigen zeitgenössischer Kunst zum Selbstverständnis vieler, die schieren Besitz ansonsten keinen emotionalen Mehrwert mehr abgewinnen können. Blomberg spricht von einer "Contemporary Art Bubble", die den Kauf zeitgenössischer Malerei, Fotografie und Bildhauerei zum internationalen Gesellschaftsspiel macht."
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NZZ am Sonntag, 24. April 2004
Wertschöpfung. Kunst ist Geld, das ist eine verbreitete Erkenntnis. Katja Blombergs "Wie Kunstwerte entstehen" wartet mit guter Schreibe und netten Pointen auf: Die ehemalige FAZ-Online Redakteurin plaudert ungeniert über Zollfreilager, über Aldi als Kunstverkäufer und das Museum als Veredelungsmaschine der nicht immer gleich taxierbaren Ware. Aus der Schweiz ist der Züricher Galerist Mark Müller dabei - als Beleg für "Kunstdisziplin". Spassverbot - Calvin lässt grüßen.
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Hamburger Abendblatt. 5.2.2005
Konsumzurückhaltung und Zukunftspessimismus - auch auf dem Kunstmarkt? Verunsicherung macht es Kunstfreunden zurzeit schwer, sich für einen Kauf oder einen bestimmten Künstler zu entscheiden. Was sollen sie davon halten, wenn einerseits jeder Preis gezahlt wird, sobald große Namen mit ihren Meisterwerken bei Christie's, Sotheby's oder Philips auftauchen, andererseits anerkannten Künstlern der klassischen Moderne nur moderate Schätzpreise zuerkannt werden, während junge Zeitgenossen wie die Mitglieder der Leipziger Schule um Maler Nero Rauch fulminante Preise erzielen? Da kommt Katja Blombergs Buch gerade recht...Sie zählt nicht nur auf, was der Kunstmarkt heute hergibt, sondern fragt Künstler, Galeristen und Auktionatoren: Wie kommt es zur Wertschöpfung von Dingen, die, so die Berliner Künstlerin Swetlana Heyer, "ultimative Luxusprodukte sind", eigentlich überflüssig und trotzdem gemalt werden. ...Es ist ein aufschlussreicher, spannender Lesestoff,...
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Neue Züricher Zeitung, 30.7.2005
Vielleicht ist es tatsächlich der Sex-Appeal von an der Decke hängenden Stofftier-Knäueln (Mike Kelley), der den momentanen Hype auf Positionen der Gegenwart erklärt - viel mehr geht es um Geld: Blomberg legt die einzelnen Schnüre des gordischen Knotens frei, der deutscher Kunstmarkt heißt, und beleuchtet die Funktionen von Künstlern, Sammlern, Galeristen, Kritikern, Kuratoren, Museumsdirektoren und Messeveranstaltern. Sie alle tragen mit einigem Kalkül dazu bei, dass der Wert von Kunst teilweise ins Kometenhafte steigt. Die Autorin vergleicht dieses Zusammenspiel mit Schnitzlers "Reigen" in dem "Jagdfieber und Besitzwunsch, Zuneigung und Diskretion" vorherrschen und in dem jeder hofft, "dass der Deal am Ende doch mehr Werte schafft als frisst". Dabei besticht die Autorin mit Hintergrundwissen und gut recherchierten Berichten. Ihr affirmativer Ansatz Sammlungen gegenüber, die in Feuilletons mitunter harsch kritisiert werden, wirkt erfrischend...Die Autorin erschließt immer wieder spannende Zusammenhänge in der Wertschöpfungskette des Kunstbusiness und jongliert dabei gekonnt mit verblüffenden Zahlen, zum Beispiel wenn sie vorrechnet, wie die Ausstellung einer Privatsammlung in einem anerkannten Museum zu Wertsteigerung der Werke beiträgt. ...
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Kurzbeschreibung
Seit der Erstausgabe des Buches hat sich das Milliardenspiel um Kunst noch einmal gesteigert. Vor allem wurde die Geschwindigkeit erhöht. Fonds und Banken kaufen ungenierter denn je Kunst als Geldanlage. Bei den Künstlern hält sich das Bonmot, »dass man jetzt auch schon nass verkaufen kann« - die Einkäufer warten schon vor der Tür und kaum noch auf den letzten Pinselstrich.
Der Verlag über das Buch
Kunsthistorikerin Katja Blomberg führt erneut in den aktuellen deutschen Kunstmarkt ein. Sie hat ihre Gespräche mit Künstlern, Galeristen, Sammlern, Auktionatoren und Kritikern aktualisiert. Alle wichtigen Ereignisse, Ausstellungen und Messen des Jahres 2007 werden für diese Neuausgabe berücksichtigt. Mit neuen Auktionspreisen.
Der Autor über sein Buch
"Das Buch öffnet ein Fenster zur Kunstwelt, von der immer noch viele Glauben, dass dort nachtaktive Falter flattern, Galeristinnen sich die Nägel polieren und Auktionatoren mit einem Hammerschlag die Preise in die Höhe treiben, bevor sie zum nächsten Champagnerglas greifen."
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Klappentext
Dieses Buch wendet sich an alle Kunstinteressierten, die mehr wissen wollen, als ihnen die klassische Museumsführung und die üblichen Medienberichte verraten. Und an alle Wirtschaftsinteressierten, die Einblick nehmen wollen in einen boomenden Markt mit recht eigenen Gesetzen. Vor allem wendet es sich an private Kunstliebhaber, die sammeln möchten aber noch nicht wissen, wie. Wer sich langfristig und mit innerer Bereicherung im Kunstmarkt bewegen will, dem nützen simple Ratgeber und flotte Anlagetipps wenig. Deshalb lädt dieses Buch ein, die Mechanismen eines hoch spezialisierten Feldes kennen zu lernen - und einige Persönlichkeiten, die in unterschiedlichen Rollen an ihm wesentlich beteiligt sind. Es will sensibel für jene Wege machen, die auch dann noch gangbar sein werden, wenn die momentane Konjunkturblase geplatzt ist.
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Umschlagtext
Der ultimative Scout für den deutschen Kunstmarkt! Nach dem Zerplatzen der New Economy-Blase investieren die großen Investmentfonds bis zu 10 Prozent ihres Anlagevermögens in Kunst. Dieses Buch zeigt die spannenden Mechanismen, nach denen Werte im boomenden Markt der Kunst entstehen. Katja Blomberg führt uns flanierend durch die Wertschöpfungskette vom Künstler bis zum Museumsdirektor. Sie gewährt uns Einblick in die Welt von Sammlern wie Ingvild Goetz und Friedrich Christian Flick, von Auktionatoren wie Simon de Pury und Galeristen wie Gerd Harry Lybke, Max Hetzler und vielen mehr... "Das ist das Schöne an diesem Buch: Es behandelt seinen Gegenstand durchaus kritisch und macht trotzdem Lust drauf." Deutschlandradio Kultur
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Über den Autor
Katja Blomberg berichtete zehn Jahre lang für FAZ online über zeitgenössische Kunst. Heute lebt sie in Berlin, wo sie das »Haus am Waldsee«, ein Veranstaltungsort für internationale Gegenwartskunst, leitet.
Auszug aus Wie Kunstwerte entstehen von Katja Blomberg. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Kunst ist in Mode gekommen. Seit 2003 erleben wir eine
»Contemporary- Art- Bubble«, die den Kauf zeitgenössischer Malerei,
Fotografie und Bildhauerei zum internationalen Gesellschaftsspiel macht.
Neue Käuferschichten lassen den bisher fast hermetisch funktionierenden
Kunstbetrieb an den Rändern durchlässiger werden. Wer als Investor bereits
genügend Firmen, Immobilien und Autos in seinem Portfolio hat, schaut sich
inzwischen im Markt mit aktueller Kunst um. Wenn er auf einer New Yorker
Auktion eine sichere Anlage sucht, achtet er auf die Stars der Szene - und
nicht auf den Dollar. Im Kunstmarkt greifen Strategien um sich, die vor
allem wirtschaftlichen Gesetzen folgen. Die Grenzen zur Werbung, zum
Modedesign und zur Vergnügungsindustrie sind immer schwerer zu ziehen. Eine
neue Erbengeneration sucht Sachwerte mit Ästhetik und Genuss zu verbinden
und schnitzt am individuellen Image.
Auch Käufergemeinschaften interessieren sich als Fondsgesellschaften für
die Künste der Gegenwart - wenn sie gut und teuer sind und satte
Wertzuwächse versprechen. Kunst ist ein »ultimatives Luxusprodukt«, es ist
eigentlich überflüssig und wird trotzdem gesammelt, konstatiert die 1969
geborene Swetlana Heger, die, nach ihrer Akademiezeit in Wien heute als
freie Künstlerin in Berlin lebt: »Jeder anerkannte Künstler besitzt ein
Label im Sinne eines Wiedererkennungseffekts.« Heger gehört zu den wenigen
Zeitgenossen, die die Regeln des Kunstbetriebes und die Mechanismen des
Marktes in ihrem Werk sichtbar machen. Statt für eine Münchner Ausstellung
ein neues Werk zu schaffen, vermietete sie ihre Fläche im Musentempel an
BMW. Ihr Image als Künstlerin war dem Konzern immerhin 62. 000 Euro wert.
Heger erhielt einen BMW Z3, den sie, als eigenes Kunstwerk, später an das
Museum für Angewandte Kunst nach Wien verkaufte. In einer anderen Aktion
verlieh Heger ihren Körper für ein Fotoshooting des Luxuslabels Hermès -
als Künstlerin, nicht als Modell. Heger agiert zwischen Werbung, Kunst und
Mode. Aus den Strategien der freien Wirtschaft zieht sie ihren Profit und
wirft die Frage auf, warum es bei Schauspielern oder Musikern klarere
finanzielle Regeln gibt als bei bildenden Künstlern. Hier ist die allzu
offensichtliche Nähe zur Wirtschaft immer noch verpönt - und Geldverdienen
ein Thema, über das man nicht spricht. Anders als in den USA und
Großbritannien, wo Kunst mehr in die Massenkultur integriert ist und
weniger streng zwischen High und Low unterschieden wird, glaubt man im
deutschsprachigen Raum den Mehrwert zeitgenössischer Kunst vor allem über
den fachlichen Diskurs zu gewinnen. In Wirklichkeit haben auch hier Sammler
und Händler längst das Sagen. Und die sind an Wertzuwächsen und Umsätzen
durchaus interessiert. Dieses Buch wendet sich an alle Kunstinteressierten,
die mehr wissen wollen, als ihnen die klassische Museumsführung und die
üblichen Medienberichte verraten. Und an alle Wirtschaftsinteressierten,
die Einblick nehmen in einen boomenden Markt mit recht eigenen Gesetzen.
Vor allem wendet es sich an private Kunstliebhaber, die können, aber nicht
wissen, dass sie wollen, und wenn ja, wie? An Verliebte also, die aus ihrer
noch blinden Leidenschaft eine dauerhafte Beziehung machen möchten.
Spekulanten, die Werke ebenso leicht ankaufen wie abstoßen, und anonyme
Kunstfonds- Eigner, die in der Kunst nicht mehr als Preise und
Zentimeterzahlen sehen, brauchen dieses Buch eigentlich nicht. Wer sich
längerfristig und mit innerer Bereicherung im Kunstmarkt bewegt, dem nützen
simple Ratgeber und flotte Anlagetipps wenig.
Deshalb lädt dieses Buch ein, die spannenden Mechanismen eines hoch
spezialisierten Feldes kennen zu lernen - und einige Persönlichkeiten, die
in unterschiedlichen Rollen an ihm wesentlich teilhaben. Es will sensibel
für jene Wege machen, die auch dann noch gangbar sein werden, wenn die
momentane Blase geplatzt ist. Nämlich, wenn das heiß gehandelte, aber
endliche Gut der zeitgenössischen Kunst nicht mehr so ideal die Waage
zwischen Qualität und Quantität hält wie in der jüngsten Vergangenheit. Die
Spielregeln, wie Werte im Kunstmarkt entstehen, sollen anhand von Porträts
und persönlichen Erfahrungswerten anschaulich werden.
Und so passieren alle Revue, die heute an der Werteschraube mitdrehen:
Künstler und Sammler, Galeristen, Berater, Auktionatoren, Redakteure und
Kritiker, Kuratoren und Museumsdirektoren, Kunstsachverständige und
Versicherer. Das Buch schaut aus deutscher Perspektive auf den privaten
Kunstmarkt mit internationaler Kunst. Denn seit dem Zusammenbruch der »New
Economy« bewegt sich dieser Markt eindeutig in Richtung kapitaler
Privatsammlungen.
Es werden Fenster zu einer Welt geöffnet, von der einige immer noch
glauben, dass dahinter nachtaktive Träumer flattern und Galeristinnen auf
Kundschaft warten. In Wirklichkeit weht hier der Wind von vorn.
Weder Künstler noch Galeristen haben viel Raum für Ausschweifungen und
Boheme im Stil der Pariser Avantgarden des vergangenen Jahrhunderts. Dafür
ist das Geschäft mit der Kunst zu hart, zu schnell, zu teuer und, trotz des
immer noch nötigen Spielerglücks, zu ernst geworden.
Wer erfolgreich mitmacht, ist diszipliniert - und hellwach für das beste
Geschäft. Und doch ist dieser Markt einer der letzten, der nach Gentleman-
Art mit persönlichem Vertrauen und per Handschlag funktioniert. Was nicht
heißt, dass immer gute Sitten herrschen. Schließlich lief die Kunst schon
immer im Tross der Sieger mit, oder, in den Worten des Kunsthistorikers
Beat Wyss: Sie »liebt den Luxus und das Zwielicht gediegener Halbwelt, für
die sie die Ausstattung liefert«2.
Risikobereitschaft und Selbstausbeutung sind im Kunstbetrieb an der
Tagesordnung. Hier agiert ein Volk von Intellektuellen und Individualisten,
und zwar mit Hingabe und oft in doppelten Rollen. Es gibt Künstler, die
auch als Kuratoren auftreten. Kuratoren, die Kritiker sind. Kritiker, die
sammeln, und Sammler, die eine Galerie betreiben. Angetrieben von der Jagd
nach Kunstgenuss, erinnert dieses Szenario in vieler Hinsicht an das feine
Netz der zwischenmenschlichen Beziehungen in Arthur Schnitzlers Reigen.
Dort hielten, vor über 100 Jahren, Jagdfieber und Besitzwunsch, Zuneigung,
Diskretion und der unerschütterliche Glaube an die Einzigartigkeit des
Umworbenen das Begehren genauso in Gang wie heute die Wartelisten der
Galerien und die Angebotsverknappung auf Kunstmessen. Im Kunstmarkt wie im
Theaterstück herrschen Neid und Eifersucht - und die Hoffnung, dass der
Deal am Ende doch mehr Werte schafft als frisst. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
»Contemporary- Art- Bubble«, die den Kauf zeitgenössischer Malerei,
Fotografie und Bildhauerei zum internationalen Gesellschaftsspiel macht.
Neue Käuferschichten lassen den bisher fast hermetisch funktionierenden
Kunstbetrieb an den Rändern durchlässiger werden. Wer als Investor bereits
genügend Firmen, Immobilien und Autos in seinem Portfolio hat, schaut sich
inzwischen im Markt mit aktueller Kunst um. Wenn er auf einer New Yorker
Auktion eine sichere Anlage sucht, achtet er auf die Stars der Szene - und
nicht auf den Dollar. Im Kunstmarkt greifen Strategien um sich, die vor
allem wirtschaftlichen Gesetzen folgen. Die Grenzen zur Werbung, zum
Modedesign und zur Vergnügungsindustrie sind immer schwerer zu ziehen. Eine
neue Erbengeneration sucht Sachwerte mit Ästhetik und Genuss zu verbinden
und schnitzt am individuellen Image.
Auch Käufergemeinschaften interessieren sich als Fondsgesellschaften für
die Künste der Gegenwart - wenn sie gut und teuer sind und satte
Wertzuwächse versprechen. Kunst ist ein »ultimatives Luxusprodukt«, es ist
eigentlich überflüssig und wird trotzdem gesammelt, konstatiert die 1969
geborene Swetlana Heger, die, nach ihrer Akademiezeit in Wien heute als
freie Künstlerin in Berlin lebt: »Jeder anerkannte Künstler besitzt ein
Label im Sinne eines Wiedererkennungseffekts.« Heger gehört zu den wenigen
Zeitgenossen, die die Regeln des Kunstbetriebes und die Mechanismen des
Marktes in ihrem Werk sichtbar machen. Statt für eine Münchner Ausstellung
ein neues Werk zu schaffen, vermietete sie ihre Fläche im Musentempel an
BMW. Ihr Image als Künstlerin war dem Konzern immerhin 62. 000 Euro wert.
Heger erhielt einen BMW Z3, den sie, als eigenes Kunstwerk, später an das
Museum für Angewandte Kunst nach Wien verkaufte. In einer anderen Aktion
verlieh Heger ihren Körper für ein Fotoshooting des Luxuslabels Hermès -
als Künstlerin, nicht als Modell. Heger agiert zwischen Werbung, Kunst und
Mode. Aus den Strategien der freien Wirtschaft zieht sie ihren Profit und
wirft die Frage auf, warum es bei Schauspielern oder Musikern klarere
finanzielle Regeln gibt als bei bildenden Künstlern. Hier ist die allzu
offensichtliche Nähe zur Wirtschaft immer noch verpönt - und Geldverdienen
ein Thema, über das man nicht spricht. Anders als in den USA und
Großbritannien, wo Kunst mehr in die Massenkultur integriert ist und
weniger streng zwischen High und Low unterschieden wird, glaubt man im
deutschsprachigen Raum den Mehrwert zeitgenössischer Kunst vor allem über
den fachlichen Diskurs zu gewinnen. In Wirklichkeit haben auch hier Sammler
und Händler längst das Sagen. Und die sind an Wertzuwächsen und Umsätzen
durchaus interessiert. Dieses Buch wendet sich an alle Kunstinteressierten,
die mehr wissen wollen, als ihnen die klassische Museumsführung und die
üblichen Medienberichte verraten. Und an alle Wirtschaftsinteressierten,
die Einblick nehmen in einen boomenden Markt mit recht eigenen Gesetzen.
Vor allem wendet es sich an private Kunstliebhaber, die können, aber nicht
wissen, dass sie wollen, und wenn ja, wie? An Verliebte also, die aus ihrer
noch blinden Leidenschaft eine dauerhafte Beziehung machen möchten.
Spekulanten, die Werke ebenso leicht ankaufen wie abstoßen, und anonyme
Kunstfonds- Eigner, die in der Kunst nicht mehr als Preise und
Zentimeterzahlen sehen, brauchen dieses Buch eigentlich nicht. Wer sich
längerfristig und mit innerer Bereicherung im Kunstmarkt bewegt, dem nützen
simple Ratgeber und flotte Anlagetipps wenig.
Deshalb lädt dieses Buch ein, die spannenden Mechanismen eines hoch
spezialisierten Feldes kennen zu lernen - und einige Persönlichkeiten, die
in unterschiedlichen Rollen an ihm wesentlich teilhaben. Es will sensibel
für jene Wege machen, die auch dann noch gangbar sein werden, wenn die
momentane Blase geplatzt ist. Nämlich, wenn das heiß gehandelte, aber
endliche Gut der zeitgenössischen Kunst nicht mehr so ideal die Waage
zwischen Qualität und Quantität hält wie in der jüngsten Vergangenheit. Die
Spielregeln, wie Werte im Kunstmarkt entstehen, sollen anhand von Porträts
und persönlichen Erfahrungswerten anschaulich werden.
Und so passieren alle Revue, die heute an der Werteschraube mitdrehen:
Künstler und Sammler, Galeristen, Berater, Auktionatoren, Redakteure und
Kritiker, Kuratoren und Museumsdirektoren, Kunstsachverständige und
Versicherer. Das Buch schaut aus deutscher Perspektive auf den privaten
Kunstmarkt mit internationaler Kunst. Denn seit dem Zusammenbruch der »New
Economy« bewegt sich dieser Markt eindeutig in Richtung kapitaler
Privatsammlungen.
Es werden Fenster zu einer Welt geöffnet, von der einige immer noch
glauben, dass dahinter nachtaktive Träumer flattern und Galeristinnen auf
Kundschaft warten. In Wirklichkeit weht hier der Wind von vorn.
Weder Künstler noch Galeristen haben viel Raum für Ausschweifungen und
Boheme im Stil der Pariser Avantgarden des vergangenen Jahrhunderts. Dafür
ist das Geschäft mit der Kunst zu hart, zu schnell, zu teuer und, trotz des
immer noch nötigen Spielerglücks, zu ernst geworden.
Wer erfolgreich mitmacht, ist diszipliniert - und hellwach für das beste
Geschäft. Und doch ist dieser Markt einer der letzten, der nach Gentleman-
Art mit persönlichem Vertrauen und per Handschlag funktioniert. Was nicht
heißt, dass immer gute Sitten herrschen. Schließlich lief die Kunst schon
immer im Tross der Sieger mit, oder, in den Worten des Kunsthistorikers
Beat Wyss: Sie »liebt den Luxus und das Zwielicht gediegener Halbwelt, für
die sie die Ausstattung liefert«2.
Risikobereitschaft und Selbstausbeutung sind im Kunstbetrieb an der
Tagesordnung. Hier agiert ein Volk von Intellektuellen und Individualisten,
und zwar mit Hingabe und oft in doppelten Rollen. Es gibt Künstler, die
auch als Kuratoren auftreten. Kuratoren, die Kritiker sind. Kritiker, die
sammeln, und Sammler, die eine Galerie betreiben. Angetrieben von der Jagd
nach Kunstgenuss, erinnert dieses Szenario in vieler Hinsicht an das feine
Netz der zwischenmenschlichen Beziehungen in Arthur Schnitzlers Reigen.
Dort hielten, vor über 100 Jahren, Jagdfieber und Besitzwunsch, Zuneigung,
Diskretion und der unerschütterliche Glaube an die Einzigartigkeit des
Umworbenen das Begehren genauso in Gang wie heute die Wartelisten der
Galerien und die Angebotsverknappung auf Kunstmessen. Im Kunstmarkt wie im
Theaterstück herrschen Neid und Eifersucht - und die Hoffnung, dass der
Deal am Ende doch mehr Werte schafft als frisst. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.