Wem das Thema Juden am Herzen liegt, wer sich für deren Leben überhaupt, also von der Wiege bis zur Bare, die Tages- und Jahresabläufe, die Gegenstände und Handlungen interessiert, wird hier auf fast 400 Seiten fündig. Mir ist es nicht nur als Religionslehrer, sondern als Deutscher und Freund Israels wichtig, fundierte Antworten zu bekommen und natürlich auch an Kinder, Jugendliche, Erwachsene weiterzugeben. Mich ärgern ehrlich gesagt aktuelle Berichterstattungen, wo es um Judentum oder auch Israel geht. Es ist meistens eine Mischung aus Polemik und die Wenigsten machen sich die Mühe, fundierte Antworten zu geben. Vielleicht, weil dies Mühe machen würde, hier Zeit zu investieren und zum anderen langweilig wäre, da Stammtischparolen lieber gehört werden. Gerade in Talkshows wird leider manches verkürzt, durch unsachliche Beschimpfungen am Wesentlichen vorbeigeredet. Ich will keine neue Reich-Ranicki-Diskussion, aber er hat auch hier recht, wo es um das Leben von Juden geht. Dankbarerweise gibt es Menschen wie Israel Meir Lau, die uns einfach mit in ihr Leben hinein nehmen. Schon sein Leben ist beeindruckend, aber auch erschütternd. Er wurde 1937 geboren, musste die Schrecken des Konzentrationslagers Buchenwald durchleiden, ist ein orthodoxer Jude und war bis 2003 Oberrabbiner des Staates Israel. Mit seinem Buch nimmt er Juden, die aus verschiedenen Umständen ihre Wurzeln und Traditionen verloren und jetzt wieder entdecken wollen und auch nichtjüdische Menschen, die einfach interessiert sind, mit auf eine Entdeckungsreise durch das Judentum mit. Gerade auch heute, auf Grund des immer noch vorherrschenden Antisemitismus in weiten Teilen der Gesellschaft, ist das Buch für alle Deutschen interessant. Es gibt einfach viele Vorurteile. Warum essen Juden nicht alles, gerade Schweinefleisch? Warum nehmen orthodoxe Juden nicht die Einladung zum Essen an? Leider haben wir heute erst gar keine Gelegenheit jüdische Mitbürger einzuladen. Es leben einfach zu wenig Menschen jüdischen Glaubens hier. Früher war das schon ein Affront, wenn jüdische Mitbürger diese Einladung ablehnten und abgesondert lebten. Aber gerade auf diese Fragen, die mit koscher zu tun haben geht Israel Meir Lau ein, natürlich auch auf viele andere. Ich wünsche mir, dass dieses Buch von vielen gelesen wird und unsere Gesellschaft positiv verändert.