Der damals 66-jährige schwedische Mathematik-Dozent, psychologische Berater, Autor und Regisseur Kai P*llak begnügt sich grob mit ungefähr einem Film pro Jahrzehnt - vielleicht, weil er die Lehre aus seinem 2004 erschienenen "Wie im Himmel" auch selbst lebt: Harmonie statt Hektik.
Der begabte Geiger Daniel Daréus (Michael Nyqvist, 44) hat wegen grober Anfeindungen seiner Mitschüler schon im Alter von 7 Jahren mit den Eltern das heimatliche Dorf (Drehort: Luleå) verlassen müssen. Eine internationale Karriere steht ihm bevor - doch er ist dem Leistungsdruck nicht gewachsen und bricht zusammen.
So kehrt er nach Norrland zurück. Im heimatlichen Dorf erwirbt er die alte Schule und zieht dort ein. Er möchte vor allem "zuhören". Schon am ersten Tag lernt er den merkwürdigen Pfarrer Stig (Niklas Falk, 57) und die warmherzige und lebensfrohe Lena (Frida Hallgren, 30) kennen. Bald nimmt er die Stelle des Kantors an und kümmert sich um den kleinen Kirchenchor. Dort gewinnt er auf seine ruhige, emotionale und optimistische Art die Herzen der singenden Damen.
Während der Chor aufblüht und wächst, treten Konflikte der grundverschiedenen Persönlichkeiten des Orts zu Tage. Als sich schließlich sogar der Pfarrer gegen den Chor wendet und dafür sorgt, dass Daniel entlassen wird, entscheiden sich die Mitglieder dafür, den Chor in Daniels alter Schule weiter zu betreiben. Die Frauen räumen ihre kranken Ehen auf: Inger (Ingela Olsson, 46) zieht aus dem Pfarrhaus aus. Die Solistin Gabriella (Helen Sjöholm, 34) verlässt mit den Kindern ihren gewalttätigen Mann Conny (Per Morberg), nachdem dieser auch an Daniel seine Wut ausgetobt hatte.
Lena und Daniel tun sich schwer, sich zu ihrer Liebe zu bekennen. Sie möchte keine Enttäuschung mehr erleben wie durch ihre Vorbeziehung zu einem Arzt, der ihr zwei Jahre lang Frau und Kinder verschwiegen hatte. Daniel hat nach seinen schweren gesundheitlichen Problemen Angst vor einer Beziehung. Aber Lena erwartet von Daniel eine Entscheidung. Doch zunächst steht eine Reise nach Innsbruck zu dem großen Chor-Wettbewerb "Let the people sing" an - ein "Sprung ins kalte Wasser", denn Daniel sieht in Wettbewerben exakt das Gegenteil zu der himmlischen Harmonie, die er in der Musik finden möchte...
Den Autoren Nyberg und Olsson ist es gelungen, in der kleinen Gemeinde eine Miniatur der Kräfte zu zeigen, die unsere Gesellschaften bewegen. Da erleben wir den unsensiblen Geschäftemacher und Politiker, die boshafte Sittenwächterin und Denunziantin, den verklemmten Sünder, den Gewalttäter samt tolerierendem Publikum und auf der anderen Seite die Opfer: Diskriminierte, Behinderte, Gewaltopfer und unglücklich Liebende - vor allem aber "normale" Menschen, die sehr gut ohne Spott, Gewalt, Bespitzelung und Besserwisserei zurechtkämen.
Der Film macht keinen Hehl aus der Erkenntnis, dass in der Bigotterie der Kirche, auf der einen Seite Begehren, Lust und Liebe - das Natürlichste auf der Welt - zur Sünde zu deklarieren, um auf der anderen Seite Vergebung zu verkaufen, die Wurzel vielen Unheils liegt.
In diesem Umfeld entwickelt sich eine warmherzige, sensible Liebesgeschichte zweier nicht mehr ganz junger, vom Leben bereits angeschlagener Menschen, die trotzdem den Mut und die Geduld aufbringen, allen Widerständen zum Trotz ihre späte Liebe wachsen zu lassen und sich dazu zu bekennen.
Das gefühlsbetonte, offene Ende kann man tragisch oder optimistisch interpretieren - immer werden die vorherigen Entwicklungen harmonisch abgeschlossen.
Nicht allzu häufig sieht man einen Film mit solch liebenswerten, natürlichen Darstellern, was vermutlich zum Teil auch damit zusammenhängt, dass für uns "Südländer" die Gesichter eben frisch und unverbraucht sind.
Ebenso herauszustellen ist das Feingefühl, mit dem Übertreibungen vermieden werden, ohne Notwendiges zu unterlassen. Gelegentlich gerügte, etwas absonderliche Szenen passen durchaus zu Figuren in abgelegenen Kleingemeinden. Ähnliches findet man beispielsweise auch in Local Hero. Chor-Szenen ordnen sich der Dramaturgie unter und bleiben im Rahmen: "Wie im Himmel" ist eben ein sentimentales Drama um einen Laien-Chor und keineswegs ein Musikfilm.
Leider hat auch die Umsetzung des Films etwas Burleskes. Manchmal erschrickt man geradezu wegen merkwürdiger Schnitte oder auch, weil (bei einem kleinen Fest) wohl jemand auf das Mischpult gefallen ist und die Lautstärke plötzlich explodiert. Wegen reichlichen Einsatzes von Großaufnahmen wirkt "Wie im Himmel" wie für TV produziert und daher auf der großen Leinwand oft unruhig.
Die DVD bietet nur zwei Sprachen: deutsch und schwedisch. Extras sind nicht inbegriffen. Bild- und Tonqualität sind akzeptabel.
film-jury 4* A0668 5.7.2011eg 15A Genre: Komödie | Drama | Musik | Romanze
Rolf Åke Mikael Nyqvist (* 8. November 1960 in Stockholm)
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2004 3* A0432 Wie im Himmel
....... R: Kai P*llak D: Mikael Nyqvist, Frida Hallgren, Helen Sjöholm
2011 -* R0000 "Mission: Impossible - Ghost Protocol"
....... R: Brad Bird D: Tom Cruise, Jeremy Renner, Paula Patton
2010 -* R0000 Kennedys Hirn
....... R: Urs Egger D: Iris Berben, Heino Ferch, Michael Nyqvist
2009 3* R0000 Stieg Larsson - Millennium Trilogie
....... R: Niels Arden Oplev D: Noomi Rapace, Mikael Nyqvist, Lena Endre