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Falls Sie Dialoge mögen: Hier ist Ihr Buch. Immer wieder hält der erfolgreiche Automobil-Manager Zwiesprache mit der Frau an seiner Seite, seiner -- zunächst unglücklichen -- Jugendliebe, die er nach Jahrzehnten wieder getroffen und geheiratet hat. Man darf also dem Ehepaar Goeudevert zuhören beim Nachdenken über unsere deutschen Stärken und Schwächen.
Lob und Tadel stehen auf einem sympathischen Fundament: Goeudevert liebt das Land, in dem er so lange gelebt hat. Deutschland ist seine zweite Jugendliebe: Als Junge war er einst wegen Deutsch sitzen geblieben und hatte anschließend voller Ehrgeiz die Sprache zu seinem Lieblingsfach gemacht. Jetzt, am Abend des Lebens, denkt er über deutschen Identitätswahn nach, über die eigenartige Rolle, die die Vergangenheit bei uns spielt, über unsere Autoverrücktheit und darüber, dass wir Deutschen zu oft leben, ohne wirklich zu leben. Auch die merkwürdige Art, wie deutsche Männer ihre Frauen lieben, kommt zur Sprache.
Klug das alles, selten mag man widersprechen, bloß: Wirklich neu und originell ist nichts davon. Was für ein sympathischer Typ, denkt man die ganze Zeit, aber warum setzt er sich nicht einfach hin und erzählt aus seinem aufregenden Leben? Nur da, wo er über seine beiden Jugendlieben plaudert, einfach Anekdoten erzählt und sie klug kommentiert, wird dieses Buch der Liebe wirklich liebenswert. --Michael Winteroll -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Zwei Autoren verherrlichen den Standort Bundesrepublik. Einer im Stil von Hedwig Courths-Mahler, der andere nach Ideen von Oskar Lafontaine.
Der Deutsche ist missmutig. "Kalter, lähmender Nebel legt sich über das Land", konstatiert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Schule, Arbeitsmarkt, Sozialversicherung, Steuersystem, Bundeswehr: alles marode, im Niedergang begriffen, nicht zukunftsfähig. Der publizistische Mainstream sieht schwarz.
Gleich zwei Autoren haben jetzt die Chance ergriffen, einen Gegentrend auszurufen. Bereits die Titel dieser Neuerscheinungen sind Balsam für verzagte Zeitungsleser: "Wie Gott in Deutschland" heißt das Buch des früheren VW-Managers und jetzigen Managementdozenten Daniel Goeudevert (61); "Vorbild Deutschland" die Querdenker-Story des Journalisten Detlef Gürtler (38).
Franzose Goeudevert, beliebter Talkshow-Gast und Buchautor mit vorzeigbaren Erfolgen ("Der Horizont hat Flügel") schwatzt leicht und seicht über Liebe und Leben in Deutschland im Allgemeinen und über das gute Leben des Daniel Goeudevert im Besonderen. Leider hält der Autor keine Anekdote aus seinem Leben für zu banal, um sie seiner Fangemeinde aufzutischen. Wer das Bedürfnis hat, zur eigenen Aufmunterung Bekenntnisse eines rundum zufriedenen Menschen zu lesen, der das deutsche Volk liebt und seine Dichter und Denker klug zu zitieren weiß, wird auch an diesem Goeudevert-Werk Freude haben.
Detlef Gürtler, ein renommierter Wirtschafts- redakteur, bohrt thematisch tiefer. Sein Thema: Standort Bundesrepublik. Mit flotter Schreibe knüppelt der Autor jede Kritik an unserer Wirtschaftsordnung nieder und singt das Hohe Lied des Sozialstaats.
Seine These von der Überlegenheit unseres Systems hält der Autor derart stur durch, dass selbst interessante Reformansätze als unseriös dargestellt werden. Gürtler ist eben ein Meister der Schwarz-Weiß-Malerei: Bosse sind schlecht, Arbeitnehmer gut, FDP-Politiker zum Kotzen und die USA ein Schurkenstaat auf Talfahrt. Jetzt kommen wir, die Deutschen!
Die Schlusslichtposition der Bundesrepublik bei ökonomischen Kennzahlen ist für Gürtler ein leicht behebbarer Durchhänger. Sein wirtschaftspolitisches Drehbuch: Gewerkschaften stärken, Probleme im Konsens lösen, den Mittelstand zur Eroberung der Welt animieren und als Deutsche sendungsbewusst im Ausland auftreten. Die Bundesrepublik habe beste Chancen, in sieben Jahren (warum sieben?) zum "Musterknaben" zu avancieren. Ende des Drehbuchs.
Bei einer Wirtschaftspolitik à la Gürtler würde vor Ablauf dieser Frist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Film reißen.
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-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Das anfängliche anstudierte Geschwätz macht das Buch zur schweren Lektüre. Sobald Goeudevert aber aus seinem Leben, von seinen eigenen Erfahrungen schreibt, wird das Buch leicht lesbar und wertvoll, teilweise spannend.
Eine Liebesgeschichte, seine eigene zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und gibt ihm eine ganz besondere Note - eine ehrliche, anrührende, angenehme, behutsame. Die politischen oder wirtschaftlichen Dimensionen aller Aussagen werden dadurch relativiert, werden deswegen nicht unwichtig, aber in ihrer scheinbaren Größe zurecht gestutzt.
Goeudevert beschreibt einen deutschen Ist-Zustand, der eine Reihe von Bezügen zur deutschen Geschichte der letzten 200 Jahre hat. Er macht keine oder nur wenige Vorschläge für die deutsche Zukunft, hilft aber dem deutschen Leser Stärken und Schwächen zu erkennen. Diese aber muss man verstehen, wenn man sich auf einen Veränderungsweg begeben will. Er macht einen Vorschlag, wo er sehr deutlich wird: Die Ergebnisse der Pisastudie zeigen für ihn überdeutlich, dass das deutsche Halbtagsschulen System überholt ist. Ein vielleicht wichtiger Hinweis um in Deutschland etwas grundsätzlich zum Besseren zu wenden.
Das Buch war für mich besonders wertvoll, da der Autor interessant gängigen Klischees über die Deutschen die rote Karte zeigte. Er beschrieb, wie man dieses Land, seine Kultur und seine Menschen von außen sehen kann, eine äußerst liebenswerte Betrachtungsweise, wie sie den Deutschen seit Auflösung des Deutschen Bundes 1866 nur noch selten zuteil wurde.
Auch sein Lebensweg, aus dem Nichts durch Zufall, natürlich aber auch Talent und Leistung zu einem der mächtigsten Männer der deutschen Wirtschaft zu avancieren, gibt Hoffnung und Optimismus.
Einziges Manko dieses Buches war für mich die teilweise etwas überflüssig scheinende Ausbreitung von Themen. Hier muss man aber für Goeudevert als Franzosen gleiches Verständnis haben, wie er für die deutschen Eigenheiten - allein die französische Sprache und somit auch das Denken verführt zu einem für deutsche Verhältnisse starken Neigung zum "Schwafeln", ohne dem Wort einen negativen Inhalt zu geben. Deshalb statt 5 Sterne, "nur" 4.
Insgesamt ein lesenswertes Buch, das ich nur wärmstens empfehlen kann.
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