Das vorliegende, großformatige Kinderbuch "Wie der Elefant die Freiheit fand" vom argentinischen Schriftsteller Jorge Bucay ist 2010 im S. Fischer Verlag erschienen und wurde von Stephanie von Harrach ins Deutsche übersetzt. Es erzählt eine Parabel von einem ausgewachsenen Elefanten, der an einem winzigen Pflock befestigt ist.
Die Geschichte ist aus der Sicht eines kleinen Jungen geschildert, der den Elefanten bei seinen vielen Zirkusbesuchen kennen gelernt hat. Er überlegt sich immer wieder, warum sich das riesenhafte Tier nicht einfach von seinem Pflöckchen befreit und davon läuft.
Einfühlsam beschreibt Bucay die rege Gedankenwelt des Jungen, der zu dem Schluss kommt, dass sich sein großer, grauer Freund nur deswegen nicht von seinem Pflock befreit, da er es, als er noch ein Jungtier war, nicht vermocht hat, und infolgedessen auch jetzt noch glaubt, dass er es schlicht nicht kann.
Mit liebevollen Worten wird dargestellt, wie der Knabe den Elefanten eines Tages - in seiner Fantasie - dazu überredet, sich einfach loszureißen.
Der Inhalt der Parabel regt zum Nachdenken an, denn wie in so vielen Kinderbüchern steckt auch in Bucays Werk viel Wahrheit: "Als ich sechs oder sieben war, glaubte ich noch, dass die Erwachsenen auf alles eine Antwort wissen" heißt es an einer Stelle. Doch schon bald muss der Junge feststellen, dass weder seine Eltern noch seine Lehrer eine Antwort auf die Frage wissen, warum der Elefant nicht davon läuft.
Der (philosophische) Kern der Geschichte ist freilich die Stelle, an der der Junge dem Elefanten ins Ohr flüstert: "Du glaubst wie ich, dass du manches nicht kannst, weil du es vor langer Zeit einmal ausprobiert und nicht geschafft hast. Aber mach dir klar, dass das eine Ewigkeit her ist (...)"
Die Parabel endet mit den versöhnlichen und einvernehmlichen Worten: "Ab und zu denke ich beim Aufwachen, dass es mein Elefant eines Tages tatsächlich versucht und geschafft hat, sich vom Pflock loszureißen...Dann überkommt mich ein Lächeln, und ich stelle mir vor, wie das riesige Tier noch immer mit dem Zirkus herumreist, weil es ihm großen Spaß macht, den Kindern Freude zu bereiten, auch wenn es jetzt natürlich nicht mehr angekettet ist."
Der kleine Text ist deutlich lesbar abgedruckt, so dass ihn auch Vorschulkinder, sofern sie das Lesen beherrschen, mühelos entziffern können. Es ist auch kein Problem, den Text vorzulesen.
Währenddessen kann man seine Gedanken schweifen lassen, indem man sich die wunderschönen Bilder des argentinischen Illustrators Gusti genauer anschaut. Die bewusst "altmodische" Untermalung des Textes versetzt den Leser zurück in die Jugend, viele Erinnerungen werden wach. Dabei sind die Farben satt und die Bilder üppig ausstaffiert. Neben vielen lustigen Bildern werden auch einige ernste, teils sogar traurige eingefügt.
Die Parabel ist auf dickes, robustes Papier gedruckt, so dass auch tapsige Kinderhände nicht so schnell einen "Schaden" anrichten.
Alles in allem ist die Gesamtkonzeption dieses Buch, das auf den letzten Seiten einige Informationen zum Autor und zum Illustrator beinhaltet, stimmig und berührend. Als Kind hätte ich mich gefreut, wenn ich ein derart zauberhaftes Buch geschenkt bekommen hätte...