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Der Grundstein für flexible Widerstandsfähigkeit oder Resilienz wird bereits am Lebensanfang gelegt: Die Autorin macht klar, wie wichtig es ist, auf Babys und Kleinkinder voller Empathie einzugehen und ihnen eine positive Bindung zu ermöglichen, indem man ihre Bedürfnisse nach Liebe, Nähe, Trost und Austausch befriedigt. Durch gute Kommunikation können -- wenn die gesprochene Sprache stärker in den Vordergrund rückt -- Mitgefühl, Hoffnung, Optimismus, Selbstwertgefühl, Respekt für andere und Kooperation weiter gefördert werden. Diese Eigenschaften beschreiben das Stärke- und Vertrauensmodell, das Katharina Zimmer anstelle des persönlichkeitsschädigenden Defizitmodells in der Erziehung setzt.
Von zentraler Bedeutung ist es, dass Eltern lernen, ihre Kinder so zu akzeptieren, wie sie sind, und dass sie ihnen helfen, mit Niederlagen und Erfolgen positiv umzugehen. Darüber hinaus sollten immer wieder Situationen hergestellt werden, in denen der Nachwuchs die Dinge selbst in die Hand nehmen kann. Denn auf diese Weise motivieren Kinder sich selbst.
Das klar strukturierte und gut formulierte Buch ist ein Gewinn für alle, die sich kritisch mit ihrem Erziehungsstil auseinander setzen möchten. Es hält Eltern den Spiegel vor und hilft ihnen, eigene Unsicherheiten und Barrieren im täglichen Umgang mit den Kindern zu überwinden. --Judith Kunz -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
Michaela Ploog, Hits für Kids
»Ein Fachbuch mit Blick in die Zukunft starker und mitfühlender Menschen.«
Ines Posch, Unsere Kinder
Der Verlag über das Buch
»Ein Fachbuch mit Blick in die Zukunft starker und mitfühlender Menschen.« Ines Posch, Unsere Kinder
»Das klar strukturierte und gut formulierte Buch ist ein Gewinn für alle, die sich kritisch mit ihrem Erziehungsstil auseinander setzen möchten. Es hält Eltern den Spiegel vor und hilft ihnen, eigene Unsicherheiten und Barrieren im täglichen Umgang mit den Kindern zu überwinden.« Judith Kunz, Amazon-Redaktion
»Eines der wichtigsten und schönsten Bücher im Bereich Kindererziehung!« Amazon-Leserstimme
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Widerstandsfähige Kinder in einer sich wandelnden Welt
Halten wir hier einmal inne und fassen zusammen, was Kinder charakterisiert, die wir widerstandsfähig in einer sich wandelnden Welt, »resilient«, nennen. Wir könnten sie auch »unbesiegbar«, trotz aller Verletzlichkeit, Schwächen und Schwierigkeiten, nennen. Zwei amerikanische Universitätspsychologen haben aus ihrer jahrelangen Erfahrung mit Kindern und ihren Familien das Besondere zusammengetragen, das sie von anderen unterscheidet:4
Sie weisen gegenüber schwierigen, unerwarteten und vielleicht auch frustrierenden Herausforderungen und Stresssituationen eine Stärke und ein Zutrauen auf, das wir bei denen, die in solchen Situationen versagen, nicht vorfinden.
Ihre Erwartungen an sich und die Welt sind positiv. Das heißt, sie haben ein hohes Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Vertrauen in andere. Sie konnten so werden, weil sie sich akzeptiert, gemocht (geliebt) und besonders fühlen.
Diese Kinder haben gelernt, sich realistische Ziele und Aufgaben zu setzen und realistische Erwartungen an sich selbst zu stellen.
Sie entwickeln die Fähigkeit, Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen. Mit diesen Kompetenzen ausgestattet, erleben sie Schwierigkeiten, eigene Fehler und Enttäuschungen nicht so sehr als Niederlagen, sondern eher als Herausforderungen. Sie stellen sich ihnen lieber, als dass sie ihnen aus dem Weg gehen.
Sie sind sich ihrer Schwächen und Verletzlichkeiten bewusst, aber sie kennen ebenso ihre Stärken und Talente. Ihr Selbstbild spiegelt ihre Kompetenzen wider.
Sie kommen gut mit anderen zurecht, mit Gleichaltrigen ebenso wie mit Erwachsenen. Sie sind kooperativ. Und sie sind in der Lage, Hilfe und Unterstützung zu suchen und anzunehmen.
Nach und nach erringen sie noch eine andere wichtige Eigenschaft: Sie konzentrieren ihre Energie auf das, was sie für sich und ihren Weg als wesentlich erkannt haben, und verschwenden ihre Aufmerksamkeit nicht an Dinge und Aspekte, auf die sie keinen Einfluss haben.
Wie einfallsreich und flexibel Kinder sind, die in diese Kategorie gehören, soll eine kleine, ganz zufällig erlebte Geschichte erläutern: In Berlin fuhr eine junge Frau nach einem Harry-Potter-Kinobesuch mit ihrem achtjährigen Neffen mit dem Bus nach Hause. Viele Sitzplätze waren leer. An irgendeiner der nächsten Stationen stieg eine Gruppe von Jugendlichen ein, Deutsche und Türken, die sich lautstark herumpöbelnd bemerkbar machten. Der größte von ihnen, offenbar der Anführer, etwa achtzehn, neunzehn Jahre alt, quetschte sich mit den Worten »Mach Platz, Alte!« dicht an die junge Frau. Der Achtjährige verkroch sich ängstlich hinter seiner Tante. Diese guckte aus dem Fenster und dachte gar nicht daran, zur Seite zu rutschen. Angefeuert von seinen Kumpeln, suchte der Junge ein anderes Opfer, eine Reihe weiter vorn, wo ein etwa fünfzehnjähriges Mädchen allein auf der Bank saß. Ähnlich angepöbelt wie vorher die Frau, reagierte sie nicht. Unter dem Gegröle der anderen brachte der !
Junge etwas heraus, was wohl als »Anmache« verstanden werden sollte, ein paar anzügliche Bemerkungen, um die Kumpel zu erheitern, und die Frage: »He, wie heißtn du?« Die Frau hinter ihr dachte, das Mädchen würde sicher gleich aufstehen. »Warum macht denn der Fahrer nichts?«, fragte verschüchtert der kleine Junge.
Das Mädchen verhielt sich jedoch nicht wie erwartet. Sie wandte dem Rüpel ihr Gesicht zu, ein schönes Gesicht, und sagte gelassen: »Rate mal!« Die Wirkung war verblüffend. »Nee!« Das könnte er nicht. »Versuchs doch mal«, ermunterte ihn das Mädchen freundlich. Die Kumpel riefen ein paar Namen: »Petra, Katja, Laura ...« Das Mädchen schüttelte jedes Mal den Kopf. »Nu sag doch mal!«, drängelte ihr Sitznachbar, schon gar nicht mehr pöbelig. Sie: »Gut, ich sag euch den ersten Buchstaben.« Es war ein A. Wieder ging das Raten los: »Anna, Anita, Angela, Alice.« Kopfschütteln. Nachdem sie sich abgemüht hatten, lächelte sie ihr zurückhaltendes Lächeln und, als gewähre sie ihnen eine besondere Vergünstigung, sagte sie: »Na gut, dann eben noch den zweiten Buchstaben.«
Das Raten wurde mit noch mehr Intensität betrieben, ohne zum Erfolg zu führen. Als sie sich erweichen ließ, noch weitere Buchstaben preiszugeben, schienen die inzwischen in völlig normale Jugendliche Verwandelten an der unlösbaren Aufgabe zu verzweifeln. Sie waren jetzt fast richtig »nett« und bettelten: »Bitte!«
Schließlich, begleitet von ihrem nur andeutungsweise, aber gut erkennbaren Lächeln, gab sie den Namen preis wie ein Geschenk: »Antonia.«
Ich fand, der Name passte genau, wie zu einer Königin. Denn so wirkte dieses fünfzehnjährige, eher zarte Mädchen gegenüber den viel Älteren, die durch ihre kräftige körperliche Präsenz beeindruckten. Ihr unbezwingbares Selbstvertrauen, ihre gelassene, freundliche Ruhe, ihre geschickte soziale Kompetenz, mit der sie die Aufmerksamkeit der ganzen Gruppe mobilisierte, hatten aus diesen Wilden zahme Lämmer gemacht. Die Unbesiegbarkeit dieses Mädchens war faszinierend.
Das Spiel war in dem Moment zu Ende, als alle aussteigen mussten. Ich denke, die Jungen konnten von diesem Erlebnis sogar etwas mit nach Hause nehmen. Es hatte sich gezeigt, dass sie gar nicht einschüchternd und Furcht erregend auftreten mussten, um einfach als Personen respektiert zu werden.
So unbesiegbar war weder Antonia noch ist es irgendein Kind bei der Geburt. Es trägt zwar die Möglichkeiten dazu, tief ruhenden Schätzen gleich, in sich, jedes Kind in einer anderen Weise. Aber es braucht liebevolle Menschen, die sie gemeinsam mit ihm ausgraben, ans Tageslicht fördern, nutzbar machen und pflegen. Eltern oder andere Bezugspersonen, die das können, haben ähnlich wie die Kinder besondere Eigenschaften.
Eins möchte ich ganz unmissverständlich klarstellen: Kinder, die ich hier symbolisch als unbesiegbar, als widerstandsfähig und kompetent darstelle, sind nicht die besonders Begabten, Hübschen, Starken, Gesunden, Mutigen und Fröhlichen. Es könnten alle Kinder sein, wenn ihre Wurzeln in dem richtigen Boden gedeihen dürften.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.