Die Flugblätter-Aktivitäten der „Weißen Rose“ gelten nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 als die wohl bekannteste Widerstandsaktion gegen die NS-Zwangsherrschaft. Vieles von den Hintergründen freilich, das die jungen Akteure zu ihrem, wie sie wohl wussten, lebensgefährlichen Handeln bewog, ist kaum ins öffentliche Bewusstsein gedrungen und wurde sogar mit Absicht ausgeblendet. Nur nebenbei und selten nahm man die religiös-christliche Lebenseinstellung von Hans und Sophie Scholl, von Willi Graf und von den anderen Freunden zur Kenntnis. So konnte sich in der Fernsehsendung „Unsere Besten“ vom November 2003 Alice Schwarzer ungeniert äußern, sie wisse nichts Genaues über eine christliche Gesinnung der Geschwister Scholl.
Ein spannend zu lesender und sehr informativer Sammelband über Kriegserfahrungen und Motive dieser Widerstandsgruppe, vom Münchner Friedensforscher Detlef Bald herausgegeben und auch durch die Einsatzfreude des Publizisten Jakob Knab zustande gekommen, hilft diesem Defizit endlich ab. Der Leser erfährt z.B. vom entscheidenden Kontakt der „Weißen Rose“ zu den Publizisten Carl Muth und Theodor Haecker vom „Hochlandkreis“, aber auch von ihrer insgesamt kritischen Einstellung gegenüber der Kirchenleitung, die allzu bereit war, die Teilnahme an Hitlers Krieg mit der Gehorsamspflicht gegenüber der staatlichen Obrigkeit zu begründen. Ja, noch 1947 ließ das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg im Breisgau mitteilen, das Handeln der Gruppe habe „objektiv nicht in der Nachfolge Christi“ gestanden.
Ein lesenswertes, notwendiges Buch.