Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Wider die Götter: Die Geschichte der modernen Risikogesellschaft
 
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Wider die Götter: Die Geschichte der modernen Risikogesellschaft [Taschenbuch]

Peter L. Bernstein , Gerhard Beckmann
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.


‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Anleger kaufen Aktien, Flugzeuge durchqueren den Himmel in Höchstgeschwindigkeit, Geschäftsleute bringen neue Produkte auf den Markt – Menschen gehen Risiken ein, wägen Zukunft ab. Wahrscheinlichkeitsberechnung, Risikosteuerung und Risikobereitschaft sind grundlegende Charakteristika der modernen Gesellschaft.

Peter L. Bernstein zeichnet die Entwicklung von der Antike bis heute nach und stellt auf anschaulichste Weise dar, wie die berühmten Erfinder und Wissenschaftler den Weg zum modernen Riskmanagement geebnet haben. Er erklärt verständlich und leicht nachvollziehbar die Begriffe und Methoden der Wahrscheinlichkeitsberechnung, macht den Unterschied zwischen Spiel und Investition, Schicksal und Geschicklichkeit, rationalen und irrationalen Entscheidungsmustern deutlich und zeigt anhand vieler, insbesondere aktueller Beispiele, wie Fehlprognosen und Verluste entstehen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Der Verlag über das Buch

Der moderne Mensch, ob Politiker, Manager, Anleger, Wissenschaftler oder Glücksritter, steht ununterbrochen vor Alternativen und Entscheidungszwängen. Aus früherer Schicksalsgläubigkeit und Gottergebenheit wurde Risikomanagement. Aus Spiel wurde Investition, aus Schicksal Geschicklichkeit.

Das Revolutionäre bestand darin, Risiko begreifbar und messbar zu machen. Es war ein entscheidender Schritt hin zu einem System, das über die Möglichkeit von freier Wahl und Entscheidung verfügt und diese mit wissenschaftlichem Instrumentarium auszuloten vermag - der Kern der modernen Marktwissenschaft. Um ermessen zu können, bis zu welchem Grade die heutigen Methoden des Risikomangements Segen oder Fluch bedeuten, müssen wir die Geschichte ihrer Entwicklung kennen. Die Wurzeln des modernen Risikoverständnisses liegen im hindu-arabischen Zahlensystem. Aber erst in der Blüte der Renaissance entdeckte man die Wahrscheinlichkeitstheorie und damit den mathematischen Kern des Risikobegriffs. Diese quantitativen Methoden der Risikosteuerung förderten das immer schnellere Tempo der modernen Gesellschaftsprozesse. Leipniz regte Bernoulli dazu an, das Gesetz der großen Zahl und statistische Methoden zur Auswertung von Stichproben zu finden. Die Struktur der Normalverteilung - auch als »Gauß'sche Glockenkurve« bekannt - wurde 1730 erkannt, das Fundament heutiger Prinzipien für das Management von Kapitalanlagen entstand wenig später. Alle uns heute verfügbaren Hilfsmittel zur Risikosteuerung und für die analytische Vorbereitung von Wahl und Entscheidung - von der strikt rationalen Spieltheorie bis hin zu den Herausforderungen der Chaostheorie - rühren von Erkenntnissen her, die zwischen 1654 und 1760 gemacht wurden. Ohne Zuhilfenahme der Wahrscheinlichkeitstheorie und anderer Methoden zur Risikosteuerung hätte es die allermeisten wissenschaftlichen Erkenntnisse und ihre technische Umsetzung nicht gegeben. Peter L. Bernstein erzählt die Geschichte der Vision, die Zukunft in den Dienst der Gegenwart stellen zu können. Ein Muss für jeden Entscheider! Ein Vergnügen für jeden Kulturinteressierten. Weltweit wurden von diesem Buch mehr als 500.000 Exemplare verkauft

Über den Autor

Peter L. Bernstein studierte an der Harvard University und ist Wirtschaftswissenschaftler und Bankfachmann. Er betreibt eine erfolgreiche Beratungsfirma und lehrt an der New School for Social Research in New York. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Auszug aus Wider die Götter. Die Geschichte der modernen Risikogesellschaft von Peter L. Bernstein. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ein Auszug aus der Einleitung:

In der Geschichte, die ich zu berichten habe, stehen sich von
Anfang an zwei Lager gegenüber - die Vertreter der Auffassung,
dass die besten Entscheidungen sich auf Quantifizierung und
auf Zahlen gründen, die durch Muster der Vergangenheit vorgegeben sind; und
die Verfechter von Entscheidungen auf der Grundlage von subjektiveren
Einschätzungen einer ungewissen
Zukunft. Diese Kontroverse ist bis heute nicht beigelegt.
In ihrem Zentrum steht die Frage, in welchem Maße sich
Zukünftiges durch Vergangenes definieren lässt. Die Zukunft
können wir nicht quantifizieren, weil sie unbekannt ist; vergan-
gene Ereignisse haben wir mit Hilfe von Zahlen zu analysieren
gelernt. Bis zuwelchem Grad könnenwir uns aber darauf verlassen, dass
Muster aus der Vergangenheit uns zu erkennen geben, wie es in Zukunft
aussehen wird? Was hat mehr Bedeutung, wenn wir ein Risiko tragen müssen -
die Tatsachen, so wie sie uns vertraut sind, oder unser subjektiver Glaube,
erkennen zu können, was im vor uns liegenden zeitlichen Vakuum verborgen
ist?
Ist Risikomanagement eine Kunst oder eine Wissenschaft?
Gibt es da überhaupt eine klare Trennungslinie?
Es ist eine Sache, ein mathematisches Modell aufzustellen, das
allem Anschein nach alles erklärt. Wenn wir mit den Schwierigkeiten des
Alltags konfrontiert sind, kann solch ein Modell angesichts der
Mehrdeutigkeit der Fakten und unter dem Einfluss des menschlichen Gefühls
jedoch rasch verschwimmen.
Der jüngst verstorbene Fischer Black, ein Pionier auf dem Gebiet
moderner Finanztheorie, der vom MIT an die Wall Street
wechselte, hat einmal bemerkt: »In den Banken am Ufer des
Hudson sehen Märkte um vieles ineffizienter aus als auf den
Bänken am Ufer des Charles.«
Mittlerweile hat der Konflikt zwischen vergangenheitsorientierter
Quantifizierung und subjektiverÜberzeugung anBedeutung
gewonnen. Das mathematisch gesteuerte System heutigen
Risikomanagements enthält den Keim einer entmenschlichten,
selbstzerstörerischen Technologie. Der Nobelpreisträger Kenneth
Arrow hat gewarnt: »Unser Wissen über die Funktionsweisen
von Gesellschaft oder Natur entsteht im Dunstkreis von
Unklarheiten. Wann immer man sichere Gewissheit zu haben
meinte, waren immense Missgeschicke die Folge.« Es könnte
durchaus sein, dass der Bruch mit der Tradition uns zu Sklaven
einer neuen Religion macht, die nicht weniger starr, einengend
und willkürlich ist, als es die alte war.
Es wimmelt in unserem Leben nur so von Zahlen, da vergessen
wir manchmal, dass auch Zahlen nur Mittel zum Zweck sind.
Sie sind seelenlos, sie können sogar zum Fetisch werden. Viele
immens problematische Entscheidungen werden per Computer
getroffen, von Maschinen, die, was Zahlen betrifft, die Gefräßigkeit von
Ungeheuern haben und darauf angelegt sind, mit immer größeren Zahlenmengen
gefüttert zu werden, die sie
zermahlen, verdauen und wieder ausspucken. um ermessen zu können, bis zu
welchem Grade die heutigen Methoden des Risikomanagements Segen oder Fluch
bedeuten,
müssen wir die Geschichte ihrer Entwicklung kennen. Wir
müssen verstehen, warum die Menschen vergangener Epochen
versucht - oder auch nicht versucht - haben, das Risiko zu
bannen; wie sie dies Ziel angegangen sind, welche Denk- und
Sprachmodi auf ihre Erfahrungen zurückgehen und zu welchen
kulturellen Veränderungen die Folgen, im Großen wie im Kleinen, im
Zusammenspiel historischer Entwicklungen geführt
haben. Solche Betrachtungsweise wird uns eine tiefere Einsicht
davon vermitteln, wo wir heute stehen und wohin möglicherweise
unser Weg führt.
Wir werden im Laufe dieses Buches häufig auf das Glücksspiel
Bezug nehmen, dessen Bedeutung nämlich weit über das
Kreisen des Roulettes hinausreicht. Die komplexen Ideen des
Risikomanagements und der Entscheidungsfindung sind zum
großen Teil aus der analytischen Beschäftigung mit kindischen
Spielen hervorgegangen. Man muss kein Spieler oder Anleger
sein, um zu verstehen, was Glücksspiel und Investieren uns über das Risiko
offenbaren.
Würfel und Roulette, Aktien- und Obligationenmarkt sind
natürliche Labors der Risikoforschung, weil sie auf einfachste
Art Quantifizierungen liefern; denn ihre Sprache ist ja die Zahlensprache.
Außerdem offenbaren sie uns eine Menge über uns
selbst. Wenn wir beim Weiterspringen der kleinen weißen Kugeln auf dem
kreisenden Rad des Roulettes den Atem anhalten oder wenn wir unseren
Börsenmakler anrufen, um Aktien zu erwerben oder zu verkaufen, lassen die
Zahlen unser Herz höher schlagen. Und so geht es uns bei allen wichtigen
Dingen, deren
Resultat von Glück und Zufall abhängt.
Das Wort »Risiko« leitet sich vom frühitalienischen risicare ab,
das »wagen« bedeutet, dementsprechend meint Risiko eher eine
Wahlentscheidung als etwas Schicksalhaftes. Um das Wagnis des Handelns vor
dem Hintergrund unserer freien Wahlmöglichkeiten geht es in der
vorliegenden Geschichte des Risikos, die viel zum Verständnis dessen
beiträgt, was es heißt, ein Mensch
zu sein.

‹  Zurück zur Artikelübersicht