...und das war ja gemäss eigener Aussage von Michael "Bully" Herbig auch von Anfang das Ziel des Projektes:
Keine übermässige Blödelei, kein typischer "Bully-Film", sondern eine kindgerechte Adaptation der Vorlage mit vereinzelt platzierten Lachern, die dann eben doch wieder den Stil des Regisseurs und Drehbuchautors offenbaren. Das ist zwar unterm Strich etwas zu harmlos, doch wenn die Macher bei dieser produktion zwangsläufig ein paar Kompromisse eingehen mussten, können wir das in diesem Punkt als Zuschauer ohne grössere Probleme gleich tun.
Als Familienunterhaltung taugt der Film also durchaus, allerdings doch eher für die Kleinen und "Kleingebliebenen", denn teilweise wird es hier doch recht kitschig. Zwar hat man sich offensichtlich grosse Mühe gegeben und war mit Herzblut dabei, aber deswegen fallen einem doch immer wieder suboptimale Details auf, welche aus einem homogenen Gesamtbild hier und da einen Flickenteppich basteln. Zu sehr merkt man in gewissen Momenten, dass man da "unbedingt noch das und das" mit in den Film hineinnehmen musste. Was als Hommage gedacht war, wirkt dann aber punktuell doch eher störend, wobei das dem Film aber schlussendlich doch nicht das Genick brechen kann.
Viel zu sorgfältig wurde hier ein auf das junge Publikum zugeschnittener Film realisiert, und die Eltern dürfen sich über quitschvergnügtes Lachen ihrer Sprösslinge freuen. Nicht von Ungefähr sind kinder auch in der Handlung das zentrale Element, und gerade die Kleinen sind es, welche den Grossen immer wieder die Show stehlen. Zwar leidet die geschichte dabei unter einer gewissen Vorhersehbarkeit, doch geht es hier sowieso viel mehr darum, dass man Wickie und all die anderen in unserer Kindheit liebgewonnenen Figuren endlich mal als reale Personen sieht. Gut, Wickies Gesicht sieht zwar etwas, wie das Gesicht eines Mädchens aus, doch darf man die Schuld dafür der unsäglichen Perücke geben (= mein grösster kritikpunkt, denn das sieht zu brav aus...etwas strubbeliges - in richtung Einstein vielleicht? - hätte mir persönlich besser gefallen). Jonas Hämmerle selbst macht seine Sache ansonsten sehr gut, und ist so der ideale Gegenpart für den hervorragend aufspielenden Günther Kaufmann in der Rolle des schrecklichen Svens. Waldemar Kobus passt ebenfalls sehr gut in seine Rolle, kann sie aber nicht auf konstant hohem Niveau halten, und Ankie Beilke ist der Hingucker des Filmes schlechthin.
Wer Christoph Maria Herbst mag, wird ihn auch hier wieder klasse finden (so, wie ich). Nur schade, dass seine Augen viel zu klar sind, und inmitten seiner Maske zu sehr herausstechen. Herbert Feuerstein und Nora Tschirner wurden verschenkt, und Jürgen Vogels Rolle ist nur selten lustig und wenn, dann stimmt das Timing meist leider nicht...aber diese dinge sind wohl alle eher dem Drehbuch zuzuschreiben, welches neben dem netten und harmlosen Kinderabenteuer irgendwann dann offenbar doch noch ein paar Gags und Wiedererkennungswerte für die älteren Zuschauer bereit halten wollte. Der Schuss ging zwar nicht nach hinten los, aber verpufft grösstenteils im Nirgendwo.
Auch Bullys Nebenrolle kränkelt an allen Ecken und Enden, da er einfach da ist...und das war's im Grunde auch schon. Keine Hintergründe, keine Logik, lediglich eingestreute Szenen mit dessen lispelnder Figur, damit er eben halt auch da war. Das ist zwar nicht vollkommen misslungen, aber in meinen Augen absolut unnötig.
Alles in Allem ist auch "Wickie und die starken Männer" wieder ein gelungener und solider Film aus dem Hause herb-X (in Zusammenarbeit mit Rat Pack Filmproduktion & Constantin). Die Regie ist - abgesehen von ein paar deplaziert wirkenden Überblend-Effekten - gewohnt sicher, und die Optik wurde wie üblich auf Hochglanz poliert. Die Effekte können meist überzeugen (Flugszenen sind halt schon immer ein Problem gewesen, so auch hier) und am Ende bereut man es nicht, die knapp 90 Minuten in der Welt der kindgerechten Wickinger verbracht zu haben. Es wäre zwar mehr drin gelegen (vor allem, was die Anzahl zündender Gags angeht), doch wurde das Projekt mit dermassen viel Liebe und Hingabe realisiert, dass man bei allen kleinen Mängeln noch so gerne ein Auge zudrückt.
Bild und Ton bewegen sich auf gutem BD-Niveau, und die Disc springt nach ein paar Minuten Hauptmenü direkt in den Film hinein...vor eingebrannten Bildern muss man sich also (im Falle dass man einschlafen sollte) auch nicht fürchten, was immer positiv zu werten ist (vor allem, wenn man wie ich regelmässig Filme erst nach Mitternacht anfängt). ;)
Allen grossen Wickie-Fans wünsche ich somit viel Spass beim "in Nostalgie schwelgen", und den kleinen Wickie-Fans (oder denjenigen, die es noch werden wollen) ebenfalls viel Spass bei den Abenteuern des schlauen Dreikäsehochs!
P.S.: Abspanngucker haben, wie so oft, mehr vom Film! ;)