Seit immer mehr Männer, auch durch finanzielle Anreize des Staates gefördert, über eine mehr oder minder lange Zeit die Betreuung ihrer kleinen Kinder übernommen haben, ist auch die Zahl der Veröffentlichungen dazu gewachsen. Zu nennen ist hier insbesondere Robert Habecks Buch "Verwirrte Väter" aus dem vergangenen Jahr und ganz ausdrücklich das erst gerade fast zeitgleich mit dem vorliegenden Buch vorlegte Buch des Spiegel - Journalisten Dieter Bednarz "Überleben an der Wickelfront".
Neben einem anstrengenden und auch beglückenden Alltag mit seinen Kindern (innerhalb von zwei Jahren wurden nach jahrelangen vergeblichen Versuchen ihm und seiner Frau drei geboren) macht Bednarz dort luzide Bemerkungen zu sozialpolitischen Fragen rund um die Elternschaft und vor allen Dingen Vaterschaft. Er mischt sich ein in die aktuellen Diskussionen um die richtige Erziehung von Kindern und diskutiert die Thesen von Jesper Juul und Michael Winterhoff.
Constantin Gillies, der Autor von "Wickelpedia" setzt sich auch auseinander: mit seiner neuen Rolle, mit den ihn umgebenden (Fach) Frauen, mit der immer noch ausschließlich von Frauen geprägten Kultur der Kinderaufzucht und mit vielen anderen, mehr oder minder lustigen oder auch skurrilen Phänomen, denen er an seiner Wickelfront begegnet ist.
Er tut dies in Form eines alphabetisch angeordneten Lexikons von "Abschieben" bis "2:1- Regel", dem er werbewirksam den Titel "Wickelpedia - Alles, was man(n) übers Vaterwerden wissen muss" gegeben hat. Auf eine lockere Weise erzählt er da von seinem bewegten Alltag als neuer Vater. Für Männer, die in all dem für sie neuen Stress keine Zeit mehr finden, um dickere Bücher zu lesen, ist das Buch eine Offenbarung. Mann kann es gut im Wickelrucksack transportieren, es ist leicht zu lesen und sehr unterhaltsam.
Für alle Männer, die das in diesem Buch oft nur Angerissene vertiefen wollen, die motiviert sind, über ihre Rolle und ihre Veränderung über die bezahlte Elternzeit hinaus zu denken, sei neben dem oben schon erwähnten Buch von Dieter Bednarz noch eine Monographie von Dieter Thomä aus dem Hanser Verlag empfohlen, die den Titel trägt "Väter", und die es dem Vater gewordenen Mann ermöglicht, seine Erfahrungen in einen sozialgeschichtlichen Zusammenhang zu stellen und sie politisch werden zu lassen.