Nicht ganz passend gewählt ist der deutsche Titel dieses Buches. Im Original lautet er: Wicca, A Guide for the Solitary practitioner - ein Führer für den Alleinpraktizierenden. Das Buch gibt eine sehr gute Darstellung der Grundlagen und des Grundwissens und deckt so ziemlich alles ab, was für einen Anfänger relevant ist. Übungen sind nicht sehr viele drin, jedoch mehrere schöne Texte, Gebete und Anrufungen. Interessant auch die kleine Kräuterkunde und einige Rezepte für Öle und Räucherungen, was einen ersten Einstieg gibt. Auch Runen werden vorgestellt und mehrere Tipps, wie man den Altar gestalten kann. Die Rituale zu den Festen sind sehr einfach gehalten, zeigen aber auch, dass ein Ritual nicht x Stunden dauern muss und geben dem Anfänger einen ersten Eindruck, wie es sein kann. Es wird nicht viel auf Technik eingegangen, dafür mehr auf die Theologie und natürlich auch auf alles, was so dazu gehört wie Ritualgegenstände, Tanz, Musik, Gestik, Tage der Kraft, Schamanismus etc.. Seine Ausführungen über die Initiation könnten zwar noch präzisiert werden, sind aber sicherlich für Anfänger sehr interessant. Schön auch, dass er auf eine irrelevante Selbstinitiation verzichtet und eine Selbstweihung auf dem Wiccaweg präsentiert. Was nicht in diesem Buch zu finden ist (und was vom Titel her erwartet werden könnte) sind Zaubersprüche. In diesem Buch geht es um die Religion des Wiccakults.
Wie der Titel auch schon andeutet eignet es sich besonders gut für Leute, die den Weg erstmal alleine gehen wollen, oder sich vor der Suche nach einem Lehrer oder Coven informieren wollen - was sehr wichtig ist, damit man nicht an "falsche Propheten" gerät.
Unter strengen Traditionalisten ist das Buch verschrien, da es eine etwas freiere Darstellung des Wicca bringt. Wer sich allerdings mit der Geschichte des Wicca auseinandergesetzt hat, wird merken, dass das Buch den zu vielen Interessenten und dem Mangeln an guten Lehrern entgegenkommt. Es liegt eher in der amerikanischen Wiccatradition - was auf keinen Fall bedeutet, dass es schlechter ist, als die englischen Traditionen, da Gardner sehr vieles was ihm einfach beliebte in den Wiccakult hineingebracht hat, was ursprünglich nicht zur Craft gehörte und mittlerweile auch mehrere Traditionelle dabei sind, diese Elemente wieder zu entfernen.
Dieses Buch gehört zu den Klassikern der Wiccaliteratur und da Nachahmung angeblich (!) die schönste Art von Kompliment ist, möchte ich auch noch erwähnen, dass so mancher "Möchtegernautor" von diesem Buch abgeschrieben hat - teilweise wortwörtlich.