Das Wichtigste zuerst:
-das Buch bereitet mir großen Spass . Man bekommt viel "Populärwissenschaftliches" aus spannenden und interessanten Feldern wie Experimentelle Psychologie/Behavioural Finance, Complexity Science und Dynamische Systemtheorie (und ihren Anwendungen in der Soziologie, Biologie...etc). Eine wahre "Enzoklopädie" vergangener Chrashes (aber eine rein empirische Betrachtung...keine Wirtschaftspolitische/Ökonomische Interpretation), geschmückt mit Aussagekräftigen Abbildungen.
- ob das so wirklich Sinn macht, was der Herr Sornette da veranstaltet, weiß ich nicht so wirklich. Praktischen Nutzen hat das Buch eher nicht. Aber es erweitert den Horizont.
- die 5 Sterne sind meine persönliche Meinung. Ich bin diesbezüglich etwas "biased". Ich finde es einfach spannend, wenn es um das Disziplinübergreifende Feld der Comlexity/Dynamic System Theory/Evovlving Systems und seine Helden wie Per Bak, Doyne Farmer und Norman Packard etc geht. Da werde ich eher zum Fan, als zum kritischen Betrachter:)... so take this review with a grain of salt.
Nun zur eigentlichen rezension:
Erstmal gilt es zu betonen: Sornette ist echter Wissenschaftler. Geo-Physiker an der UCLA und Mitglied des ETH Risk Labs (wo sich auch andere Größen wie Embrechts tummeln). Er ist ein Fachmann auf dem Gebiet das man als "Self-organized criticality" bezeichnet, eine spezieller Vertreter der Dynamischen Systeme. Das ist so an sich unter Wissenschaftlern wohl nicht ganz unumstritten, aber faszinierend sind die daraus enstehenden Ideen allemal.
Die Idee lässt sich mal gaaaanz grob und stark verkürzt so beschreiben. Ein komplexes System ist in seinem "Normalzustand" nicht vorhersagbar. Returns and den Kapitalmärkten lassen sich nur schwer oder gar nicht (darüber streitet man) prognostizieren. Ein solches System zeichnet sich dadurch aus, daß es aus sehr vielen "Agenten" besteht, die zueinander in Kontakt stehen und dadurch Feedback erzeugen (in letzter Konsequenz schauen alle auf einen Bildschirm mit Kursen...die sie selbst durch ihr Handeln beiflussen). Normaleweise sind diese Agenten heterogen. Es gibt "Optimisten" udn "Pessimisten". Marktteilnehmer mit kurzem und welche mit langen Anlagezeitraum, großer und niedriger Risikobereitschaft, manche haben mehr Information als andere etc....Spannend wird so ein System nun dann, wenn es sich beginnt zu "synchronisiert", dann wenn die einzelnen Agenten beginnen zu "clustern" und ihre Hnadeln gleichschalten. Sowas erzeugt dann eine Art viralen Effekt, die Kursbewegung werden größer, die Unsicherheit steigt. Der Mensch oder Soziale Systeme an sich neigen dann zur "Immitation". Das ist NICHT dumm (auch wenn man solche Menschen in "Retail" Foren dann gerne als "Lemminge" belächelt....andererseits gilt es in den selben Foren als Weisheit sich nicht gegen den Trend zu stellen...leicht schozophren:) )! Aber der Mensch funktioniert so. Stellen Sie sich vor Sie sind auf einer großen Sportveranstaltung. Sie haben leicht die Orientierung verloren und wissen nicht genau wo der nächste Ausgang ist. Sie vermuten aber zu ihrer Rechten Seite. Plötzlich gibt es eine Explosion. Das Hallendach scheint einzustürzen (Sie können es nicht so genau sagen...aber Menschen schreien, es scheint eine Panik auszubrechen...). Die Menschenmassen flüchten....nach Links!!! Wie sicher sind Sie sich, daß Sie Ihre eigentliche Annahme ("Ausgang rechts") nicht nochmal überdenken würden? Schwarmbildung macht in einer Welt voller Risiko und Unsicherheit Sinn......manchmal:)
Je nach "Geometrie" der Verbindungen (der Hirarchie des Systems)zwischen den Agenten, gibt es einen gewissen "kritischen" Punkt, an dem die "Cluster" groß genug sind und die ausgleichenden Agenten (die mit der anderen Meinung) einfach zum Großteil gleichgeschaltet werden....das System kippt und begibt sich zügig in einen anderen Zustand: ein Crash!
Bei Solchen Systemen entwickelt die Hazard Rate (die Wahrscheinklichkeit, das es im nächsten Zeitschritt kippt, gegeben dem Umstand, das es nicht schon passiert ist), wenn man sie gegen die Distanz zum kritischen Punkt abbildet, ein gewisses Muster...das Log-Periodoc Pattern.
Jetzt klingt das alles sehr esoterisch. Ist es aber nicht. Finanzmärkte sind nicht das einzige komplexe System. Die Theorie kommt in ganz bodenständigen Anwendungen in Wissenschaft und Ingeneurwesen zum Einsatz. Diedier Sornettes Methoden werden bei der ESA verwendet um den Zustand von Raketentanks zu überwachen. Erdbebenforschung, Materialtechnik und viele andere Felder nutzen dies Tag ein Tag aus. Sornette hat zum Thema ein wissenschaftlicehes Buch geschrieben
Critical Phenomena in Natural Sciences: Chaos, Fractals, Selforganization and Disorder: Concepts and Tools (Springer Series in Synergetics)Soweit so gut. Nun wie bekommt man aber nun dieses schöne Pattern in den die Finanzmarktzeitreihe? Hier entwirft Sornette zwei "ökonomische" Modelle, die mir nicht so recht gefallen. Ich hätte jetzt gesagt, das ist schmarn. Wie dem auch sei, "erlauben" diese Modelle dann direkt in der Preiszeitreihe nach dem log-periodoc pattern zu suchen. Und Tatsache, man findet es!!!! Vor beinahe jedem "Crash" in Indizes, Rohstoff, Aktien und Devisenmärkten.
Nun ist as Problem, daß das "log -periodoc pattern" in seiner mathematischen Formulierung SIEBEN freie Parameter hat (oder 4, wenn man nach Sornette geht...für mich bleibens sieben). Mit sieben freien Parameter kriegt man fast jedes Kurve angepasst.
Denoch, das tolle an Sornette ist, daß er sich der Kritik stellt. Und das er im VORFELD paper veröffrntlivht unfd seine Prognosen bekannt gibt. Und wenn ich richtig gezählt habe, lag er bisher 5 mal richtig, einmal falsch und einmal kamm es zu einem Einbruch, aber wesentlich später als vorhergesagt. Man hat ihm auch mal vorgeworfen, seine Prognosen seien "self fulfilling". Seitdem schickt er seine Prognosen zu einem neutralen Schiedsrichter in einem versieglten Umschlag, die erst im Nachhinein geöffnet werden...
Fazit: nettes Buch. Populärwissenschaft die Spass macht.