Aus der Amazon.de-Redaktion
Auch bei Superpunks werden die Haare auf dem Kopf weniger, die Falten tiefer. Kann man nichts gegen machen, Hauptsache die Frische im Kopf verwelkt nicht. Da kann sofort Entwarnung gegeben werden, die fünf schon immer etwas reiferen Männer der alternativen Hamburger Gitarren-Szene stimmen nicht den Blues an, sie haben auf
Why Not? immer noch den Soul, Garagen-Rock und Power-Pop im Blut. Dazu kommt, dass ein paar mehr Erfahrungen gesammelt wurden. Im Jahr 2007 ging es auf Tour durch Westeuropa, ins Aufnahmestudio und nach dem Beinahe-Konkurs von LAge DOr auf Suche nach einem neuen Label. Jetzt gehören Superpunk zur Tapete-Familie, Sammelbecken deutschsprachiger Popbands. Ein bisschen fallen sie dort aus dem Rahmen, musikalisch wie textlich. Aber das liegt auch daran, dass sie die Branche wie das tägliche Leben nicht nur von der Südseite kennen. So konnte Sänger und Textschreiber Carsten Friedrichs zum Beispiel endlich ein Langzeitstudium beenden, Gitarrist Lars Bulnheim dreht nachts als DJ die Platten, Bassmann Tim Jürgens verwirrt nach der Playboyredaktion die 11 Freunde mit seinem knochentrockenen Humor, Keyboarder Mynther hat ausschließlich Musik im Kopf und Trommler Thorsten Wegner schlägt sich als Plattenverkäufer durch. Man hat also dem Reichtum abgeschworen und macht sich mit viel Drive - nicht zu verwechseln mit Frohsinn - daran, einen ironischen Blick auf das eigene Sein und den Lauf der Welt zu nehmen. Ein paar echte Kracher befinden sich unter der fast schon zu üppigen Zahl von 14 Songs von
Why Not? : New York, USA aus der Feder von Serge Gainsbourg (im Booklet unter seinem richtigen Namen Lucien Ginsburg aufgeführt) hat etwas von Alan Vega und Ich Trinke vom Tanz am Abgrund. Ich funktioniere nicht mehr, stark von Lou Reed beeinflusst, ist nicht ohne Bitterkeit. Auf Tape, ein Cover der obskuren wie humorvollen Waliser Pooh Sticks, erzählt davon, die coolsten Songs zu besitzen, leider nicht auf dem raren Vinyl. Wie wenig Superpunk aber ein Hehl daraus machen, dass Altern einem schon zusetzen kann, beweisen Baby, ich bin zu alt und das rasant-zynische Bon Scott mit Zeilen wie ...Bon Scott an Kotze erstickt, Ian Curtis nahm den Strick, Syd Barrett leider verrückt.... Was da wohl als noch als Steigerung kommen mag...?
--Sven Niechziol
Laut Volksmund machen nur verzweifelte, verdrogte und verfettete Künstler wirklich große Kunst. Superpunk haben zum Klischee ein Lied gemacht und es "Bon Scott" genannt. Und mit ihrem etwas fortgeschrittenen Alter haben sie auch den Bandkummer definiert: "Baby, ich bin zu alt", "Ich funktioniere nicht mehr", "Oh, alter Punk". Doch das Gejammer ist nur Koketterie, denn ihr Mix aus Northern Soul, Modsound, Beat und Punk klingt auf dem vierten Album tanzbar, schmissig und groovy wie nie zuvor. Zusammen mit Die Türen können sie sich weiterhin das deutschsprachige Soulmonopol teilen. Vielleicht hätte mancher von Superpunk ähnlich explizite Gesellschaftskritik erwartet, wie sie Die Türen zuletzt mit "Popo" abgeliefert haben. Doch diese Erwartung ist ein Missverständnis, denn bei den Hamburgern kam schon immer erst das Grinsen. Alles weitere findet zwischen den Zeilen statt. Und genau das ist große Kunst. (cs)