Aus der Amazon.de-Redaktion
Der 1961 in Sacramento geborene Daniel Johnston gehört sicherlich mit zu den ganz wenigen amerikanischen Songwritern, die echten Kultstatus haben und eigentlich viel berühmter sein müssten, als sie sind: Nennen wir noch den verstorbenen Texaner Townes van Zandt, Michael Hurley oder Jad Fair, den umtriebigen Kopf der Half Japanese. Ähnlich wie van Zandt ist auch Daniel Johnston ein Getriebener, ein manchmal kranker Mann zwischen Genie und Wahnsinn, der anrührendste Songs geschrieben hat. 1999 hat Johnston in der Berliner Volksbühne ein wunderbares Konzert gegeben, das die CD
Why Me? dokumentiert. Mal mit Gitarre, mal am Flügel spielt Daniel Johnston zwei Dutzend seiner Songs, die in den letzten zwanzig Jahren entstanden sind. Stücke, die "I Hate Myself" oder "Frustrated Artist" heißen, "Everlasting Love" oder "Bloody Rainbow". Anrührend, wenn er von der "Silly Love" singt, seltsam, wenn der Mann mit der brüchigen Stimme zur schrammelnden Gitarre bei "Kool-Aid" singt "I'm Drinking My Life Away", großartig wie er Paul McCartneys "Live And Let Die" interpretiert. Zwischen 1980 und 2000 hat Daniel Johnston einige Dutzend Kassetten, Singles und Alben aufgenommen, ob mit Yo La Tengo zusammen, mit der ehemaligen Velvet-Underground-Drummerin Mo Tucker oder mit Jad Fair.
Why Me? ist sein bisher persönlichstes, intimstes Werk.
--Thomas Bohnet
INTRO
Ich habe die "Karriere" des Daniel Johnston in den letzten 15 Jahren nur sporadisch verfolgt und kenne daher lediglich wenige Stationen aus seinem musikalischen Leben. Sicher ist aber, daß dieser Mann psychisch krank ist und seine manische Depression immer wieder mit Medikamenten unter Kontrolle halten muß. Weshalb Ritchie Unteberger in seinem Buch "Unknown Legends Of Rock'n'Roll" einmal anmerkte, daß die Gefahr bestünde, daß viele Menschen sich ergötzten an diesem psychisch Kranken, der glaubt, er könne singen und Gitarre spielen. Ein Einwand, den diese CD aber eindeutig widerlegt: Zwar erwarten den Hörer Songs, die so mit Einsamkeit und Selbstzweifel überfrachtet sind, daß sie kurz vor dem auseinanderbrechen stehen, was sich nicht nur in den Texten, sondern auch bezüglich der Musik widerspiegelt, die ständig am Rand der Tonalität entlangschrammt. Doch seine Songs sind einfach gut, und das, weil sie so unglaublich persönlich sind. Am Piano wirkt Johnston sehr viel ruhiger und melancholischer als an der Gitarre, wo man eher den "alten", den aggressiven Johnston trifft. Sehr schön auch seine Coverversion von McCartneys "Live And Let Die", die man ihm - im Gegensatz zu Macca - ohne Einschränkungen abnimmt. Johnston ist wirklich ein großer Songschreiber, und da gibt's gar nichts zu meckern und auch nichts zu lachen. Diese CD ist der Beweis.
Ralf bei der Kellen / Intro - Musik & so
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