Ein Toter zu wenig ist nicht nur Sayers erster Kriminalroman, sondern auch das Debüt für ihren scharfsinnigen Gentleman-Detektiv Lord Peter Wimsey. Gleich in ihrer erster Erzählung hat er einen skurrilen Fall aufzuklären. Der biedere Mr. Thipps, ein Bekannter von Wimseys Mutter, findet eines Morgens einen unbekleideten Leichnam in seiner Badewanne. Er beteuert, mit der Sache nicht das geringste zu tun zu haben, doch Inspektor Sugg, Ermittlungsbeamter bei Scotland Yard, ist da ganz anderer Meinung. Um Thipps zu entlasten und sich selbst einen kleinen Spaß zu erlauben, begibt Wimsey sich zusammen mit seinem fotomanischen Butler Bunter auf die Suche nach dem wahren Täter und entdeckt dabei Parallelen zu einem aktuellen Fall seines besten Freundes, Inspektor Parker.
Lord Peter wurde von den Kritiken immer wieder als Paradiesvogel unter seinen damaligen Detektivkollegen bezeichnet. Für sein kindisches Verhalten und seine Supermann Eigenschaften mußte er immer wieder Schelte einstecken. Diese Kritik wird der Figur jedoch nicht gerecht, denn Sayers zeichnet ihn oft als einen sehr nachdenklichen Menschen. Darüber hinaus behandelt sie im Gegensatz zu vielen anderen klassischen Kriminalschriftstellern immer wieder zentrale menschliche Themen in ihren Romanen. So stellt sie in Ein Toter zu wenig beispielsweise Fragen nach den Konsequenzen menschlicher Gerechtigkeit und nach der ethischen Verantwortung der Wissenschaft. In dieser Hinsicht sind ihre Romane deutliche Vorbilder für die heute so gern gelesenen Werke von Autorinnen wie Martha Grimes oder Elisabeth George. Zwar erinnert in ihrem Erstlingswerk noch vieles an die typisch klassische Krimiunterhaltung, in der ein scharfsinniger Detektiv den Kampf gegen einen etwas größenwahnsinnigen Verbrecher eingeht, dennoch sind erste Anzeichen für eine literarische Aufwertung des Genres deutlich erkennbar. Darüber hinaus wirkt Lord Peter mit seinen schlagfertigen Äußerungen und skurrilen Ticks überaus liebenswert; man darf ihn nur nicht immer ernst nehmen.
Fazit: Jedem klassischen Krimifan bietet dieses Buch eine spannende und gleichermaßen humorvolle Lektüre. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)